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US-Botschafter in Berlin: Der undiplomatische Gesandte

Erst seit vier Wochen ist der neue US-Botschafter in Berlin im Amt und schon möchten ihn die Deutschen am liebsten wieder los werden. Dabei hat Richard Grenell gar nie behauptet, er wolle wie ein Diplomat auftreten.
Christoph Reichmuth, Berlin
Richard Grenell (links) bei seinem Amtsantritt beim deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. (Michael Sohn/AP, Berlin, 8. Mai 2018)

Richard Grenell (links) bei seinem Amtsantritt beim deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. (Michael Sohn/AP, Berlin, 8. Mai 2018)

Richard Grenell könnte gut in einem dieser oft etwas zu pathetischen US-Blockbuster mitspielen, seine sportliche Natur gäbe glaubwürdig einen US-General in einem Antikriegsfilm à la Hollywood her. Oder Zahnpastawerbung, das könnte auch passen. Der 51-Jährige lächelt überaus oft, seine perfekt weissen Zähne gekonnt zur Geltung bringend.

In Berlin sind sie vom strahlenden Lächeln des neuen US-Botschafters nicht geblendet. „Trumps Mann fürs Grobe“, schreibt eine Zeitung. Andere Schlagzeilen sind nicht schmeichelhafter. „Der schillernde Falke“, „Der Mini-Trump“ oder „Der Undiplomat“ heisst es da und dort. Politiker wie Ex-SPD-Chef Martin Schulz wettern, Grenell führe sich auf wie ein „rechtsextremer Kolonialoffizier“, Linken-Politikerin Sarah Wagenknecht fordert den Rauswurf des Republikaners aus dem Land: Die Bundesregierung solle Grenell nicht „zum Kaffeeplausch einladen, sondern umgehend ausweisen.“

Rückendeckung aus dem Weissen Haus

Am Mittwoch hatte Richard Grenell seinen Antrittsbesuch im Auswärtigen Amt, Aussenstaatsserketär Andreas Michaelis empfing den 51-Jährigen engen Vertrauten von US-Präsident Donald Trump. Zu bereden gab es einiges, weil sich Grenell vom ersten Tag seines Wirkens in Berlin den Regeln der internationalen Diplomatie nicht beugen wollte. Grenell ist tweetfreudiger als sein Chef im Weissen Haus, schon am ersten Tag in Berlin setzte er via Twitter eine erste Mahnung an die deutsche Wirtschaft ab. Diese solle Geschäfte mit dem Iran unverzüglich einstellen. Die Wirtschaftsbosse waren entsetzt, der Tweet klang wie eine Drohung direkt aus dem Weissen Haus.

Das Fass zum Überlaufen brachte Grenell allerdings erst kürzlich in einem Interview mit der ultrarechten Plattform Breitbart-News. Grenell mischte sich für Diplomaten völlig unüblich in innerdeutsche Angelegenheiten ein. Grenell sagte, er sähe die Zeit der Anti-Establishment-Bewegung auch in Europa gekommen. „Ich möchte andere Konservative in Europa, andere Anführer, definitiv stärken“, betonte der frühere Sprecher der US-Botschaft bei den Vereinten Nationen in New York. Grenells indirekter Wunsch nach Stärkung rechtspopulistischer Bewegungen wird in Berlin als Wunsch des US-Gesandten nach Ablösung der Bundesregierung von Kanzlerin Merkel gedeutet. Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, so Grenell weiter, habe die Menschen „befähigt zu sagen, dass sie es eifnach nicht zulassen können, dass die politische Klasse vor einer Wahl entscheidet, wer diese gewinnt und wer kandidiert.“

Grenells offensive Ankündigung, sich in die politischen Prozesse einzumischen, löste heftige Reaktionen aus. „Europas Bürgerinnen und Bürger lassen sich von einem Trump-Vasallen nicht sagen, wie sie wählen sollen“, sagte SPD-Vize Torsten Schäfer-Gümbel. Auch aus der CDU gab es Kritik. „Wir erwarten, dass der US-Botschafter die Interessen seines Heimatlandes vertritt und jede Beteiligung in politischer Meinungsbildung in Deutschland unterlässt“, mahnte CDU-Politiker Johann Wadephul. Diplomatisch gab sich Aussenminister Heiko Maas, auch wenn seine Worte doch Missstimmung zum Ausdruck brachten:. „Es wird sicherlich einiges zu besprechen geben“, sagte er am Dienstag. Rückendeckung für Trumps Vertrauten gab es aus Washington. „Botschafter haben ein Recht, ihre Meinung zu äussern“, sagte die Sprecherin des US-Aussenministeriums, Heather Nauert und versuchte, die Wogen zu glätten. Grenell habe nur zum Ausdruck bringen wollen, dass es Parteien in Europa gebe, denen es gut gehe. Hingegen gab es für Grenell von Seiten der Demokraten Schelte. Der demokratische Senator Chris Murphy bezeichnete Grenells Interview via Twitter als „entsetzlich.“

„Sebastian Kurz ist ein Rockstar“

Beobachter Grenells dürften allerdings wenig erstaunt sein über sein undiplomatisches Agieren. „Ich sehe mich als Mitglied des Stabes, nicht so sehr als Botschafter“, kündigte er in einem Interview zu Amtsbeginn mit dem „Deutschlandfunk“ an. Einem ausgewählten Kreis von Journalisten verriet er bei einem Mittagessen in der US-Vertretung beim Brandenburger Tor, er halte sich in hohem Masse für inkonsistent - also unbeständig und widersprüchlich. Das sieht Grenell, der in Berlin mit seinem Partner und einem Hund lebt und als höchstrangiger Homosexueller in Trumps Regierungsapparat gilt, nicht etwa als Nachteil. Im Gegenteil, wie er am Beispiel Trump festmachte. „Ich halte es für einen grossen Vorteil für Trump, dass man nicht voraussagen kann, wohn er steuert.“

Grenell ist strikt auf der Linie Trumps, sei es in der Frage des Iran-Abkommens oder der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem oder auch in der Frage nach Strafzöllen auf Stahlimporte. Merkels Flüchtlingspolitik wird auch von Grenell indirekt kritisiert. Wenig erstaunlich daher, dass er einer von Merkels zähesten Gegenspieler in Europa in der Flüchtlingskrise, den heutigen konservativen österreichischen Kanzler Sebastian Kurz, hochleben lässt. „Ich denke, Sebastian Kurz ist ein Rockstar. Ich bin grosser Fan“, sagte er im Breitbart-Interview über den ÖVP-Kanzler, der mit der rechtspopulistischen FPÖ eine Regierung bildet.

Apropos Kurz: Den hat Grenell nächste Woche in seine Residenz in Berlin zum Mittagessen eingeladen. Der nächste ungewöhnliche Vorgang des neuen US-Botschafters. Kurz ist eigentlich auf Einladung von Merkel in der deutschen Hauptstadt. Ex-SPD-Chef Martin Schulz hält auch hierzu eine knackige Botschaft bereit: „Ich hoffe, dass der Kurz-Besuch zu einem Kurz-Aufenthalt von Herrn Grenell in seiner Funktion als Botschafter in Deutschland führt.“

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