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Vatikan schiesst gegen Vorwürfe zurück

Die Vorwürfe an Franziskus, er habe einen des sexuellen Missbrauchs beschuldigten US-Prälaten mit Samthandschuhen angefasst, werden vom Vatikan scharf zurückgewiesen.
Dominik Straub, Rom
Papst Franziskus (81) bläst derzeit ein starker Wind ins Gesicht. Bild: Gregorio Borgia/AP (6. Oktober 2018)

Papst Franziskus (81) bläst derzeit ein starker Wind ins Gesicht.
Bild: Gregorio Borgia/AP (6. Oktober 2018)

Es sei «in jeder Hinsicht unglaublich und unfassbar», dass Papst Franziskus beschuldigt werde, einen mutmasslichen Sexualtäter gedeckt zu haben und somit «Komplize der die Kirche schädigenden Verdorbenheit» zu sein, betont der Präfekt der vatika­nischen Bischofskongregation, Kurienkardinal Marc Ouellet, in einem am Wochenende veröffentlichten Brief.

Der Adressat des Schreibens ist der frühere vatikanische Nuntius (Botschafter) in den USA, Erzbischof Carlo Maria Viganò. Der 77-jährige ehemalige Spitzenkandidat hatte Franziskus Ende August beschuldigt, von den Missbrauchsvorwürfen gegen den US-Kardinal Theodore McCarrick gewusst und diese «bis zum bitteren Ende gedeckt» zu haben.

Franziskus habe sogar Sanktionen, die noch von Papst Benedikt XVI. gegen McCarrick erlassen worden seien, wieder aufgehoben. Dem früheren Erzbischof von Washington wird vorgeworfen, sich in den Achtzigerjahren in einem Priesterseminar an jungen Männern vergangen zu haben. Viganò forderte den Rücktritt des Pontifex: «Franziskus soll mit gutem Beispiel voranschreiten und mit all jenen Kardinälen und Bischöfen zurücktreten, die McCarricks Übergriffe vertuscht haben.»

Kurienkardinal dreht den Spiess um

Ouellet dementiert nun, dass es päpstliche Sanktionen gegen McCarrick gegeben habe. Im Gegensatz zu heute hätten während der Amtszeit Benedikts keine hinreichenden Beweise für dessen Schuld vorgelegen. Dann dreht der Präfekt der Bischofskonferenz den Spiess um: «McCarricks Fall wäre sehr wohl Gegenstand von Disziplinarmassnahmen gewesen, wenn die Nuntiatur in Washington uns aktuelle und entscheidende Informationen über sein Verhalten geliefert hätte», schreibt der Kanadier Ouellet. Oder anders gesagt: Viganò selber habe damals als Nuntius die Anschuldigungen gegen McCarrick offenbar als zu wenig stichhaltig angesehen, um dem Heiligen Stuhl darüber Bericht zu erstatten.

Franziskus, betont Ouellet, habe mit McCarricks steiler Kirchenkarriere nichts zu tun. Dessen Aufstieg zum Bischof von Metuchen, zum Erzbischof von Washington und dann zum Kardinal erfolgte zwischen 1981 und 2001. Vielmehr habe Franziskus den US-Kardinal im Sommer 2018 aus dem Kardinalstand entlassen, «als eine glaubwürdige Anschuldigung des Missbrauchs eines Minderjährigen auftauchte», so Ouellet. Aus den von Viganò verbreiteten «unzutreffenden Fakten» schliesst der Präfekt der Bischofskongregation, dass es sich bei den Vorwürfen «um eine politisch motivierte Anschuldigung handelt, die ohne wirkliches Fundament ist», und die einzig dazu diene, den Papst und die Einheit der Kirche zu beschädigen.

Viganò ist Sympathisant der religiösen Rechten

In der Tat gilt Viganò als Sympathisant der religiösen Rechten und der Traditionalisten in den USA, die sich seit langem auf den vermeintlich liberalen und sozialistischen Franziskus eingeschossen haben. Der Ex-Nuntius ist befreundet mit dem ultrakonservativen US-Kardinal Raymond Leo Burke. Dieser ist innerhalb der katholischen Kirche seit Jahren weltweit der prominenteste und aktivste Gegner von Franziskus – er hat dem Papst wegen dessen Toleranz gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen auch schon «Häresie» vorgeworfen.

Missbrauch ist nicht mehr hinnehmbar

Einen Tag vor Ouellets Abrechnung mit Viganò hatte auch das Presseamt des Vatikans erstmals offiziell Stellung zu den Vorwürfen gegen Franziskus genommen. Der Heilige Stuhl sei sich der Tatsache bewusst, dass einige Entscheidungen, die in früherer Zeit zu den Vorgängen in Washington getroffen wurden, «angesichts der heutigen Herangehensweise an derartige Vorwürfe als nicht korrekt erschienen könnten», hiess es in einem Communiqué.

Dennoch werde man «auf der Strasse der Wahrheit» weitergehen, «egal, wo sie uns hinführt». Missbrauch und seine Vertuschung seien nicht mehr hinnehmbar, genauso wenig wie eine bevorzugte Behandlung für Bischöfe, die die Taten selbst begangen oder vertuscht hätten.

Nach Viganòs Vorwürfen hatte der Vatikan wochenlang geschwiegen. «Ich werde dazu kein Wort sagen», hatte der Papst erklärt. Inzwischen glauben italienische Vatikan-Experten den Grund für das lange Schweigen zu kennen: Es sind die im vatikanischen Communiqué erwähnten «Entscheidungen, die in früherer Zeit» getroffen wurden.

Franziskus hätte bei der Rekonstruktion des Skandals um McCarrick Johannes Paul II. kritisieren müssen, der den US-Prälaten zum Bischof, zum Erzbischof und schliesslich auch noch zum Kardinal befördert hatte, obwohl bereits Hinweise für sein schweres Fehlverhalten vorgelegen waren. Doch den Vorvorgänger zu kritisieren empfand Franziskus wohl als schlechten Stil.

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