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Bob Woodward: Der Trump-Kritiker enthüllte schon den Watergate-Skandal

Richard Nixon ist der bisher einzige US-Präsident, der vor Ablauf seiner Amtszeit zurücktrat. Dazu beigetragen hatten jener Journalist, der nun Donald Trump angreift – und ein aufmerksamer Wachmann.
Renzo Ruf, Washington
Bei der «Washington Post» wurden die jungen Journalisten Robert Woodward (rechts) und Carl Bernstein mit den Recherchen beauftragt. Später erhielten sie für ihre Watergate-Artikel den Pulitzer Preis. (Bild: AP (Washington, 7. Mai 1973))

Bei der «Washington Post» wurden die jungen Journalisten Robert Woodward (rechts) und Carl Bernstein mit den Recherchen beauftragt. Später erhielten sie für ihre Watergate-Artikel den Pulitzer Preis. (Bild: AP (Washington, 7. Mai 1973))

Es ist, als wäre die Zeit stehengeblieben. Erneut sorgt in Washington ein Buch aus der Feder des Star-Journalisten Bob Woodward für Aufregung. Und erneut dreht sich das Werk (das unter dem Titel «Furcht» am 11. Oktober auch im deutschsprachigen Raum erscheinen wird) um einen Präsidenten, der mit dem Rücken zur Wand steht.

Richard Milhous Nixon, 37. Präsident der USA, war im Jahr 1972 der erste Bewohner des Weissen Hauses, der in den Genuss des «Woodward Treatment» kam – wie der methodische Journalismus genannt wird, den der langjährige Angestellte der «Washington Post» zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Zu verdanken hatte der republikanische Präsident diese «Behandlung» übereifrigen Beratern, Ermittlungsbehörden und Journalisten, die sich nicht abwimmeln liessen, und nicht zuletzt einem jungen Afroamerikaner mit dem Namen Frank Wills.

Wills war in der Nacht auf den 17. Juni 1972 an der Arbeit, als Wachmann im (damals noch schicken) Watergate-Komplex am Potomac in Washington. Bevor er sich kurz nach Mitternacht einen Imbiss genehmigte, bemerkte der 24-Jährige, dass jemand eine Tür im Parkhaus blockiert hatte, damit sie nicht ins Schloss fallen konnte. Wills entfernte die Blockade und ging essen. Eine Stunde später kehrte er zurück und nahm verwundert zur Kenntnis, dass jemand erneut ein Klebeband auf das Schloss der Parkhaus-Tür geklebt hatte. Also alarmierte der Wachmann kurz vor 2 Uhr in der Früh die Polizei. Diese durchsuchte das Bürohaus und ertappte fünf Männer, die sich unerlaubterweise Zutritt zum nationalen Hauptquartier der Demokratischen Partei («Democratic National Committee») verschafft hatten. Sie trugen Fotoapparate, Abhörgeräte und eine beachtliche Menge Bargeld auf sich.

Am Morgen danach, einem Sonntag, beauftragte der zuständige Lokalredaktor der «Washington Post» (der legendäre Barry Sussman) einen Reporter mit dem Namen Robert Woodward (29), sich der Angelegenheit anzunehmen. Woodward, der für die Kriegsmarine Dienst geleistet hatte und politisch der Präsidentenpartei nahestand, war erst im Jahr zuvor zur «Post» gestossen. Ihm zur Seite stellte Sussman umgehend Carl Bernstein (28), der das Handwerk als Reporter von der Pike auf gelernt und sich darauf spezialisiert hatte, Geschichten aus dem Alltag der amerikanischen Hauptstadt zu erzählen.

Dubiose Kontakte

Noch am gleichen Tag sass Woodward in einem Washingtoner Gerichtssaal, als die fünf verhafteten Männer einem Haftrichter vorgeführt wurden. Der Richter fragte einen Tatverdächtigten – er hiess James W. McCord –, was er von Berufes wegen tue. Er habe bis vor kurzem als Sicherheitsberater für die Regierung gearbeitet, gab McCord zurück. Als der Richter daraufhin wissen wollte, bei welcher Dienststelle, antwortete der mutmassliche Einbrecher flüsternd: «CIA». Woodwards Interesse war geweckt.

Rasch gelang es ihm, eine Verbindung zwischen den Einbrechern und einer dubiosen Gestalt im Weissen Haus herzustellen. Als er den ehemaligen CIA-Agenten Howard Hunt, der seit dem Sommer 1971 für eine mysteriöse Regierungsabteilung mit dem Namen «Special Intelligence Unit» arbeitete, mit seinen Recherchen konfrontierte, antwortete dieser am Telefon: «Grosser Gott!»

Heute, beim Blick zurück auf den Skandal, der rasch den Beinamen «Watergate» erhielt, geht häufig vergessen, wie hart Woodward, Bernstein und all die anderen Journalisten, die sich mit der Affäre beschäftigten, in Washington um Akzeptanz kämpfen mussten. Zwar gelang es ihnen schnell, personelle Verbindungen zwischen den Einbrechern, dem Weissen Haus und dem Wahlkampfstab des Präsidenten herzustellen. Demnach hatten die Republikaner gezielt Versuche unternommen, den politischen Gegner auszuspionieren und Aushängeschilder der Demokraten zu diskreditieren. Auch hörten Woodward und Bernstein von vertrauenswürdigen Quellen, dass diese Destabilisierungsversuche (die im Jargon der Zeit «Ratfucking» genannt wurden) «von ganz oben» abgesegnet worden seien, also vom Präsidenten höchstpersönlich. Aber die amerikanische Bevölkerung zeigte sich unbeeindruckt über die politischen Bomben, die mit einer gewissen Regelmässigkeit auf der Titelseite der «Washington Post» und in anderen führenden Blättern des Landes explodierten. Am 7. November 1972 wurde Richard Nixon mit fast 61 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Er gewann in 49 der 50 Bundesstaaten eine Mehrheit.

Mit seinem freiwilligen Rücktritt, den Präsident Richard Nixon am 9. August 1974 bekannt gab, kam er einer Amtsenthebung zuvor. (Bild: Charlie Harrity/Keyston/AP)

Mit seinem freiwilligen Rücktritt, den Präsident Richard Nixon am 9. August 1974 bekannt gab, kam er einer Amtsenthebung zuvor. (Bild: Charlie Harrity/Keyston/AP)

Eineinhalb Jahre später, am 9. August 1974, aber trat Nixon als erster amerikanischer Präsident vor Ablauf seiner Amtszeit zurück. Offiziell war es ein freiwilliger Rücktritt, nachdem hochrangige Parteifreunde ihm versichert hatten, dass er auch das Vertrauen der Republikaner im nationalen Parlament verloren habe. Das ganze Land aber war sich bewusst, dass der Präsident mit seiner Abdankung bloss einem Amtsenthebungsverfahren zuvorgekommen sei.

Lügen unter Eid

Mitverantwortlich für diese Entscheidung war unter anderem James McCord. Am 19.März 1973 räumte der «Watergate»-Einbrecher in einem Brief an Bundesrichter John Sirica ein, während des Prozesses gegen ihn und seine Kumpane unter Eid die Unwahrheit gesagt zu haben. In der Folge gab er den Ermittlern die Namen hochrangiger Nixon-Berater, die über die illegalen Machenschaften des Weissen Hauses Bescheid gewusst hätten. Einer nach dem anderen sagten sich diese Vertrauensmänner vom Präsidenten los und willigten ein, mit den Untersuchungsbehörden zu kooperieren.

Plötzlich kam Schwung in die Affäre, auch dank einer Reihe parlamentarischer Anhörungen, die sich zu einem Gassenhauer entwickelten. Am 16. Juli 1973 verriet der Nixon-Berater Alexander Butterfield vor laufenden Kameras, dass Nixon regelmässig Gespräche im Weissen Haus aufgezeichnet habe. Ein juristisches Tauziehen entbrannte, in dem der Präsident mit allen Mitteln – unter anderem mittels der Entlassung von Justizminister Elliot Richardson am 20. Oktober 1973 – versuchte, die Tonbänder unter Verschluss zu behalten und die Untersuchung gegen ihn zu stoppen. Mit gutem Grund: Die Gespräche, die Nixon mitschnitt, zeigten einen paranoiden, engstirnigen Mann, der sich ins Zentrum der Macht vorgekämpft hatte – der aber immer noch das Gefühl hatte, auf illegale Methoden zurückgreifen zu müssen.

Offen bleibt, warum ein erfolgreicher Realpolitiker wie Nixon bis zu seinem Lebensende ein Getriebener war und von Dämonen heimgesucht wurde. Einige Theorien drehen sich um seine bescheidene Herkunft und den Minderwertigkeitskomplex, den er nie loswurde. Neuere historische Arbeiten verorten den Anfang vom Ende der Nixon-Präsidentschaft aber im Wahljahr 1968. Damals beschloss der Republikaner, die Vietnam-Friedensgespräche der amtierenden Regierung von Präsident Lyndon B. Johnson zu sabotieren – indem er dem Regime in Süd-Vietnam mitteilen liess, dass die Konditionen unter seiner Präsidentschaft besser ausfallen würden.

Johnson erfuhr zwar frühzeitig von diesen (wohl illegalen) Machenschaften, konnte oder wollte sie aber nicht stoppen. Nixon habe in der Folge zeitlebens Angst davor gehabt, dass diese Intrige publik werde und ihn den Kopf kosten würde, schrieb der Historiker Ken Hughes in seinem 2014 publizierten Buch «Chasing Shadows». Und dies habe ihn dazu getrieben, den politischen Gegner auszuspionieren. Die Saat für «Watergate» war gelegt.

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