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Deutsche Kommission einigt sich auf Kohleausstieg bis Ende 2038

Spätestens 2038 steigt Deutschland vollständig aus der Energiegewinnung durch Kohle aus. Weil demnächst auch das Aus für den Atomstrom kommt, dürften die Strompreise steigen.
Christoph Reichmuth, Berlin
Die Kohlekommission der deutschen Regierung verständigte sich nach über 20-stündigem Ringen am Samstagmorgen auf ein Aus für das letzte Kraftwerk bis spätestens 2038 in Deutschland. (Bild: KEYSTONE/EPA/ALEXANDER BECHER)

Die Kohlekommission der deutschen Regierung verständigte sich nach über 20-stündigem Ringen am Samstagmorgen auf ein Aus für das letzte Kraftwerk bis spätestens 2038 in Deutschland. (Bild: KEYSTONE/EPA/ALEXANDER BECHER)

Deutschland soll bis spätestens 2038 keinen Strom mehr aus Kohle produzieren. Darauf ­verständigte sich heute Vormittag die von der Regierung eingesetzte Kohle­kommission nach einer mehr als 20-stündigen Marathonsitzung.

Mit dem Ausstieg aus der umweltschädlichen Braunkohle und der Energiegewinnung aus Steinkohle macht Deutschland einen wichtigen Schritt, die Klimaziele zu erreichen. Die Kommission bringt sogar einen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2035 ins Spiel, sollten die Vor­aussetzungen für ein früheres Aus gegeben sein. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung – bereits 2022 sollen mehrere Braunkohlekraftwerke stillgelegt werden – kostet das Land einen Haufen Geld. Die Kohleabbaugebiete in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt sollen über die nächsten 20 Jahre rund 40 Milliarden Euro vom Bund für den nötigen Strukturwandel erhalten. Auch die ­Betreiber der Kohlekraftwerke sollen mit mehreren Milliarden entschädigt werden.

Da bis 2022 auch die letzten Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen werden, ­befürchten Experten steigende Strompreise für Industrie und Privathaushalte. Heute kommt rund ein Drittel des deutschen Stroms aus Kohlekraftwerken, rund zwölf Prozent des Stroms bezog Deutschland im letzten Jahr aus der Kernenergie.

«Ein Signal des Aufbruchs»

Das Expertengremium betont, dass Deutschland den Umstieg auf Ökostrom beschleunigen müsse. Bis zum Jahr 2030 will Deutschland den Ausstoss des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) um über 50 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 senken, bis 2050 sogar um 80 bis 95 Prozent. Die Pläne der Expertenkommission sind eine Handlungsempfehlung für die Regierung. Umweltverbände lobten den Kompromiss. «Es ist ein Signal des Aufbruchs, dass wir endlich ernst machen mit einem engagierten Einstieg in den Ausstieg aus der Kohle», sagte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund), Hubert Weiger.

Der Vorsitzende der Kohlekommission, der frühere Kanzleramtschef Ronald Pofalla von der CDU, sprach vor den Medien von einem «historischen Tag». Der konkrete Plan für den Kohleausstieg weckt auch bei Bewohnern verschiedener Gemeinden die Hoffnung, dass sie in ihren Häusern bleiben können. Zugunsten der Braunkohle sollen mehrere Dörfer abgebaggert werden, weil sich unter ihrer Erde Braunkohle befindet. Allerdings bleibt hier die Kommission vage und nennt keine konkreten Pläne, was mit den Ortschaften geschehen soll.

Hoffnung gibt es auch für den Fortbestand des Hambacher Forsts in Nordrhein-Westfalen. Der Waldabschnitt, den der Energiekonzern RWE teilweise zur Gewinnung von Braunkohle roden wollte, ist zum Symbol für den Widerstand gegen die Kohleenergie geworden, nachdem im Spätsommer Aktivisten die Abholzung mit Hilfe eines Gerichtsbeschlusses zumindest vorübergehend verhindern konnten.

Die Kommission erachtet es in ihrem Abschlussbericht als «wünschenswert», dass dieser mehrere tausend Jahre alte Wald bestehen bleiben kann. Allerdings ist auch dies unverbindlich.

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