Deutschland
Die Schwäche der CDU machts möglich: Plötzlich ist das Kanzler-Rennen wieder offen

Nach den schlechten CDU-Ergebnissen bei den beiden Landtagswahlen vom vergangenen Sonntag tut sich etwas im Kandidaten-Karussell.

Christoph Reichmuth aus Berlin
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Die Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz waren der Auftakt in das «Superwahljahr» mit den Bundestagswahlen im September. Kanzlerin Angela Merkel wird nach 16 Jahren an der Regierung nicht mehr antreten. Bislang galt es fast schon als ausgemacht, dass Merkels CDU weiterhin an der Macht bleiben und mit den Grünen paktieren wird. Doch die Vorzeichen haben sich geändert. Merkels Union könnte gar die Opposition drohen. Doch wer überhaupt drängt ins Kanzleramt, wie stehen die Chancen und welche Machtoptionen gibt es? Ein Überblick.

Armin Laschet

Ein Verlierer der Landtagswahlen vom letzten Sonntag, obwohl er gar nicht angetreten ist: CDU-Chef Armin Laschet.

Ein Verlierer der Landtagswahlen vom letzten Sonntag, obwohl er gar nicht angetreten ist: CDU-Chef Armin Laschet.

Clemens Bilan / Pool / EPA

CDU-Chef Armin Laschet ist weiterhin in der besten Ausgangslage, um für die Union als Kanzlerkandidat in die Wahl zu gehen. Doch der missglückte Auftakt ins «Superwahljahr» hat Laschets Kanzler-Chance verringert. Seine Beliebtheitswerte bleiben überschaubar. Die Wahlen am Sonntag haben zudem gezeigt, dass sich Regierungen auch an der Union vorbei bilden lassen. Nach 16 Jahren droht der Union die Opposition. Kanzlerchancen: stagnierend.

Markus Söder

Geht hart mit der Coronapolitik der Bundesregierung ins Gericht: CSU-Chef Markus Söder.

Geht hart mit der Coronapolitik der Bundesregierung ins Gericht: CSU-Chef Markus Söder.

Peter Kneffel / dpa-Pool

CSU-Chef In den Umfragen ist der Bayer weitaus beliebter als Armin Laschet. Doch Markus Söder weiss, dass er die Kanzlerkandidatur nur bekommt, wenn Laschet freiwillig verzichtet. Das ist wenig wahrscheinlich. Allerdings: Fallen die Umfragewerte der Union in den nächsten Wochen weiter, wird der Ruf nach dem «Retter aus Bayern», Markus Söder, in der Union lauter erklingen. Kanzlerchancen: gestiegen.

Annalena Baerbock / Robert Habeck

Grünes Erfolgsduo - nur, wer soll's am Ende richten? Annalena Baerbock (r) und Robert Habeck.

Grünes Erfolgsduo - nur, wer soll's am Ende richten? Annalena Baerbock (r) und Robert Habeck.

Andreas Gora / Pool / EPA

Co-Chefs Grüne Landesweit rangiert die Öko-Partei inzwischen mit 18-20 Prozent Zustimmung auf Platz zwei hinter der Union. Warum im Herbst nicht selbst den Kanzler stellen? Der Sonntag hat gezeigt, dass ein grüner Kanzler oder eine grüne Kanzlerin nicht so abwegig ist. Die Frage ist, mit wem die Grünen in die Wahlen steigen: Der 51-jährige Robert Habeck gilt als einer der beliebtesten Politiker im Land, sein Hang zum Philosophieren lässt ihn allerdings bisweilen abgehoben erscheinen. Weil sich die Grünen die Frauenförderung zuoberst auf die Fahne schreiben, könnte die Kandidatur auch auf die 40-jährige Baerbock hinauslaufen. Kanzlerchancen: gestiegen.

Olaf Scholz

Auf dem absteigenden Ast: Vizekanzler und SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz.

Auf dem absteigenden Ast: Vizekanzler und SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz.

Christian Marquardt / Pool / EPA

SPD-Vizekanzler Der 62-jährige Vizekanzler und Finanzminister steht schon seit Spätsommer des letzten Jahres als Kanzlerkandidat der taumelnden SPD fest. Die Partei hat Konkurrenz allerorten, von Grünen, Linkspartei und der Union. Scholz ist ein Pragmatiker, die Parteiführung will die SPD weiter nach links ziehen. Das passt nicht zusammen. Die Genossen träumen vom Kanzleramt. Es dürfte bei den Träumereien bleiben. Kanzlerchancen: gesunken.