Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DEUTSCHLAND: FDP will mit Lindner zurück auf die grosse Bühne

FDP-Chef Christian Lindner hat seine Partei aus der Depression geführt. Nun winkt sogar die Möglichkeit des Mitregierens. Doch die Ausgangslage ist kompliziert.
Christoph Reichmuth, Berlin
FDP-Chef Christian Lindner hat seiner Partei ein neues Profil verpasst. (Bild: Steffi Loos/Getty (Berlin, 17. September 2017))

FDP-Chef Christian Lindner hat seiner Partei ein neues Profil verpasst. (Bild: Steffi Loos/Getty (Berlin, 17. September 2017))

Christoph Reichmuth, Berlin

Lässig läuft Christian Lindner auf der Bühne hin und her, das kleine Mikro seines Headsets ist von etwas weiter hinten im Raum kaum zu sehen. Mit seinem Sakko und dem weissen Hemd hat das 38-jährige Rednertalent etwas von einem Showmaster, der durch eine grosse Samstagabendkiste auf ZDF führt. Er redet über Digitalisierung. Und Bildung. «Die Gesellschaft wird doch nicht gerechter, wenn man weiter die Umverteilungsmarge erhöht», spielt er nun auf den Gerechtigkeitswahlkampf der SPD an. Applaus. Beifall auch für seine Forderung nach einem Einwanderungsgesetz, für befristeten Aufenthalt für Flüchtlinge, für ein flexibles Renteneintrittsalter.

Lindner bringt druckreife Sätze auf die Bühne und die 600 FDP-Delegierten in dem Konferenzsaal eines Berliner Hotels damit zum Jubeln. «Nicht die Menschen müssen sich den Bedürfnissen des Staates anpassen, sondern der Staat muss sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen», sagt er etwa. Der AfD wirft er «völkische Abschottung bis über die Grenze des Rassismus» vor. Stehende Ovationen am Ende seiner Rede: «Wir gehen so eigenständig wie nie in diese Wahl. Mit uns gibt es keine Koalitionsaus­sage für irgendetwas.»

Partei der Neugründer

Der Zeitpunkt für den Parteitag haben die Freidemokraten geschickt gewählt. Die Botschaft, die sieben Tage vor dem Wahltag medienwirksam in die Republik getragen werden sollte: Wer den Mittelstand stärken will, wählt die FDP. Die Liberalen auf dem Weg zurück in den Bundestag, womöglich sogar in die Bundesregierung.

FDP-Chef Lindner hat seinen Freidemokraten ein modernes, hippes Image verpasst. Kein Vergleich mehr mit der FDP Ausgabe 2013. Damals warben Rainer Brüderle, Philipp Rösler und Co. bei den Wählern der CDU unterwürfig um Leihstimmen. Die von vielen als kühle und neoliberale Elitenpartei wahrgenommene FDP wurde aus dem Parlament rausgewählt, die einst staatstragende Kraft lag am Boden.

Parteichef Christian Lindner, der die Partei im Dezember 2013 übernommen hatte, verpasste den Freidemokraten ein neues Image. Sie wirkt nun weniger wie eine Klientelpartei, die vor allem gegen höhere Steuern kämpft; vielmehr wie eine politische Kraft einer jungen, urbanen Schicht, die Partei der Digital-Natives, der Start-ups und Neuunternehmer. Der gesamte Wahlkampf war zugeschnitten auf den jungen Parteichef, der es verstand, traditionell liberale Forderungen mit neuen Konzepten zu einem Paket zu schnüren, das vor allem in der urbanen Szene gut ankommt.

Kampf um den dritten Rang

Ob das neue Konzept zum Mitregieren reichen wird, wird sich zeigen. Die Stärkeverhältnisse der Parteien deuten auf schwierige Koalitionsgespräche hin. Momentan würden nur eine Neuauflage der Grossen Koalition (Union und SPD) sowie ein «Jamaica»-Bündnis aus Grünen, FDP und Union zu einer Mehrheit reichen. Allerdings sind die inhaltlichen Diskrepanzen zwischen Grünen und FDP zuletzt grösser geworden.

Auch die Grünen luden gestern zu einem Parteitag, nur knapp 10 Kilometer von der FDP entfernt. Beide Parteien kämpfen darum, hinter Union und SPD drittstärkste Kraft zu werden. Den Grünen ist es in den letzten vier Jahren nicht gelungen, als bürgerliche Öko-Partei den Platz der FDP einzunehmen. Laut Umfragen sind sie hinter die FDP abgerutscht, stärkste Oppositionskraft mit 11 Prozent ist derzeit die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD).

Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir attackierte die FDP zuletzt immer wieder mit scharfen Worten. Diese würde mit ihrer Kritik an der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin die AfD kopieren, um am rechten Rande nach Wählern zu fischen. Ausserdem seien die Differenzen zwischen den Grünen und der FDP in energiepolitischen Fragen zu gross. Özdemir liess ziemlich deutlich erkennen, dass seine Partei ein Bündnis mit der Union anstrebt – freilich ohne die FDP. «Die Grünen haben sich von Jamaica verabschiedet», konterte Lindner. Dass Lindner seine Partei gerne in eine Bundesregierung führen würde, war gestern unschwer zu erkennen. «Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen», sagte er.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.