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DEUTSCHLAND: Hackerangriff in Deutschland ist eine «hochgefährliche Situation»

Hinter dem Cyberangriff auf die Regierung steht vermutlich der russische Geheimdienst.
Die russische Hackergruppe APT28 soll unter anderem deutsche Regierungsstellen ausspioniert haben. (Symbolbild) (Bild: KEYSTONE/NICK SOLAND)

Die russische Hackergruppe APT28 soll unter anderem deutsche Regierungsstellen ausspioniert haben. (Symbolbild) (Bild: KEYSTONE/NICK SOLAND)

Hinter der Cyberattacke auf das Netz der deutschen Bundesregierung steckt nach Recherchen des «Spiegels» die russische Hackergruppe Snake. Experten vermuten den russischen Geheimdienst FSB hinter der Gruppe, welche in der Vergangenheit bereits für zahlreiche Cyberangriffe auf internationale Rüstungsbetriebe oder Regierungen verantwortlich gewesen sein soll.

Nach bisherigem Erkenntnisstand haben die Hacker Schadstoffsoftware in das Regierungsnetz eingeschmuggelt, offenbar mit dem Ziel, an Informationen über die Ost-Politik des Auswärtigen Amtes zu gelangen. Der Angriff ist den Behörden bereits seit Dezember bekannt und lief über mehrere Monate. Die Cyberattacke soll nach wie vor andauern.

Dass die Spur der Hacker nach Russland führt, ist nach Ansicht von Götz Schartner, professioneller Hacker und Experte für Spionage im Internet, plausibel. «Wir wissen, dass Russland über Cyberattacken gezielt versucht, die EU zu destabilisieren», sagt er. Der Kreml wolle verhindern, von einem geeinten, mit den USA und China verbündeten Europa wirtschaftlich und politisch beherrscht zu werden. Indem Russland an delikate Informationen aus dem wichtigen EU-Staat Deutschland gelange, könnten die Hacker versuchen, die politische Stimmung in Europa zu beeinflussen.

Nicht auszuschliessen sei indes, dass die scheinbar höchst professionell zu Werke gehende Hacker-Gruppe versuche, mit der Verbindung nach Russland eine falsche Fährte zu legen. «Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit Sicherheit, ob tatsächlich russische Hacker hinter dem Angriff stehen.»

Dass die Bundesregierung gehackt werden konnte, ist laut Schartner alarmierend. «Ein Behördennetz dürfte eigentlich nicht so leicht zu knacken sein.» Allerdings sei der Schutz von Netzwerken schwer zu gewährleisten, sobald Netzwerke «eine Kommunikation mit Fremdnetzen», etwa über E-Mails, zulassen. Daher würden Regierungssysteme auf mehrere physikalisch getrennt betriebene Netze setzen.

Unzureichender Schutz

Nichtsdestotrotz ist Schartner überzeugt: «Deutschland ist nur unzureichend gegen Cyberattacken geschützt.» Es fehle an Manpower in den zuständigen Behörden, betont der Netzexperte und Buchautor. «Wenn man sich richtig gegen Cyberattacken schützen möchte, muss man die zuständigen Behörden personell und finanziell besser ausrüsten. Die deutsche Bundesregierung müsste eine Behörde von mehreren tausend Beschäftigten schaffen, um sich gegen Hacker-Angriffe effektiv zu schützen.» China, Russland, aber auch die USA seien im Bereich Cybersicherheit weit besser gewappnet als Deutschland.

Laut Schartner habe Deutschland die Gefahr des Cyber-War noch nicht erkannt. Das künftige Innenministerium wird – kommt die Grosse Koalition zu Stande – von CSU-Chef Horst Seehofer geführt. Schartner: «Ein Mann ohne digitale Kompetenz – wir steuern hier auf eine hochgefährliche Situation zu.» Laut dem Cyber-Experten sei es für professionelle Hacker heute enorm einfach, sich in Netzwerke einzuklinken. Ein Klick auf eine manipulierte Software genüge, um einen Trojaner ins Netzwerk zu bringen.

In Deutschland ist offenbar neben dem Auswärtigen Amt auch das Verteidigungsministerium von dem Hacker-Angriff betroffen. Dieses konnte nach «Spiegel»-Angaben offenbar einen Datenabfluss aus dem eigenen Netzwerk ausschliessen. Welche Informationen die Cyber-Spione ergaunern konnten, ist bislang noch unbekannt.


Christoph Reichmuth, Berlin

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