Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

DEUTSCHLAND: Hamburg verwandelt sich in eine Festung

Die Hansestadt Hamburg sieht sich selbst als Tor zur Welt. Doch wenn nächste Woche Trump, Putin, Erdogan und Co. zum G20 anreisen, wird die Metropole eine Festung.
Auf einem Schild wird in Hamburg der G20-Gipfel angekündigt. (Bild: Bodo Marks/DPA (Hamburg, 27. Juni 2017))

Auf einem Schild wird in Hamburg der G20-Gipfel angekündigt. (Bild: Bodo Marks/DPA (Hamburg, 27. Juni 2017))

Kanzlerin Angela Merkel bittet Ende der nächsten Woche die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in die Hansestadt Hamburg. US-Präsident Donald Trump, Russlands Staatschef Wladimir Putin, der türkische Machthaber Recep Tayyip Erdogan, Vertreter von Saudi-Arabien, Japan, Brasilien und die EU als Gemeinschaft folgen dem Ruf der deutschen Bundeskanzlerin in die 1,8-Millionen-Metropole. «Hamburg ist ein Gipfelort, der dank des Hafens seit Jahrhunderten als Leuchtturm des freien Handels wahrgenommen wird», lobt die Kanzlerin.

Was Merkels Worte ausblenden: 70 Prozent der Hamburger haben keine Lust, dass sich ihre Stadt für einen zweitätigen informellen Event zur Festung entwickelt – für ein Treffen, so die Meinung vieler, an dem sich die ­Gipfelteilnehmer auf einen unverbindlichen Kompromiss auf Stufe des kleinsten gemeinsamen Nenners einigen werden.

Während der Erfolg des G20-Treffens ungewiss ist, steht eines fest: Der Gipfel wird enorme Kosten verursachen. Und womöglich Krawalle. Manche fragen sich, warum sich die G20 ausgerechnet in einer politisch linksgerichteten Grossstadt wie Hamburg und nicht auf einer abgeschiedenen Insel treffen. Ein Regierungsvertreter meinte gegenüber Journalisten, dass nur Grossstädte die Infrastruktur böten, die zur Durchführung eines solchen Gipfels mit Tausenden von Teilnehmern vonnöten sei. «Und neben Hamburg kommen in Deutschland nicht mehr allzu viele Städte dafür in Frage.» Es werde schon alles gut gehen, meinte er und fügte etwas salopp hinzu: «Da müssen wir jetzt durch.»

«Militanter Widerstand» gegen die Mächtigen

Die Regierungs- und Staatschefs treffen sich am Samstag in der Hamburger Messe. Die liegt im Herzen der Stadt und grenzt an zwei Wohnquartiere, die als links-alternativ gelten und wo sich die Hochburg der Autonomen, das besetzte Areal der Roten Flora, befindet. Das Messegelände und die Elbphilharmonie werden durch zwei mehrere Quadratkilometer grosse Sperrzonen abgeriegelt, 20 000 Polizisten stehen im Einsatz. Geschäfte rund um das Messegelände schicken ihre Mitarbeiter ab Donnerstag ins Wochenende, weil es wegen Grosskundgebungen ohnehin kein Durchkommen geben wird. «Es ist die grösste Herausforderung in der Geschichte der Hamburger Polizei», sagt der Sprecher der Hamburger Polizei Timo Zill.

Chaos droht unter anderem bei einer für Freitag angesagten Demonstration von Autonomen, die Polizei rechnet mit 8000 bis 10 000 gewaltbereiten Demonstranten, die auch aus dem umliegenden Ausland anreisen. «Dieses Treffen muss von vorneherein delegitimiert werden», sagt ein Vertreter der Autonomen bei einem Gespräch in der Roten Flora. Die «Herrschenden zielen mit ihrer Politik darauf ab, einen Teil der Menschen auf der Welt einfach verhungern zu lassen», sagt er und kündigt «militanten Widerstand» an. Seit Juni führt Deutschland strengere Grenzkontrollen durch, um die Anreise Militanter zu erschweren. Zudem drohen auch Zusammenstösse zwischen kurdischen Gruppierungen und Anhängern des türkischen Staatschefs Erdogan.

Insgesamt sind vor und während des Gipfels 27 Demonstrationen angekündigt, am Samstag werden mindestens 50000 Manifestanten durch die Hamburger Innenstadt ziehen. Experten rechnen mit Kosten für den G20-Gipfel von rund 400 Millionen Euro. «Wir sind vorbereitet wie noch nie in unserer Geschichte», sagt Polizeisprecher Timo Zill.

Christoph Reichmuth, Hamburg

Provokation aus Ankara

Medienberichtenzufolge hat der Sprecher Recep Tayyip Erdogans, Ibrahim Kalin, in Ankara eine Kundgebung Erdogans vor Landsleuten in Deutschland angekündigt. Der türkische Präsident wolle demnach am Rande des G20-Gipfels vor Anhängern in Deutschland sprechen.
Laut «Spiegel» hat das Auswärtige Amt zwar bislang keine förmliche Anfrage erhalten. Einige Städte im Ruhrgebiet, wo viele Deutschtürken leben, haben jedoch prophylaktisch schon erklärt, nicht als Kundgebungsorte zur Verfügung zu stehen. Die deutsch-türkischen Beziehungen sind seit Monaten angespannt. (red)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.