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DEUTSCHLAND: Ivanka Trump an Frauengipfel in Berlin: «Ich glaube, ich bin Feministin»

Ivanka Trump, Tochter des US-Präsidenten, sprach gestern in Berlin über die Rechte der Frauen. Die 35-Jährige könnte Merkels Draht zu Donald Trump sein.
Christoph Reichmuth, Berlin
Ivanka Trump, Christine Lagarde und Angela Merkel (v. l. n. r.). (Bild: Carsten Koall/EPA (Berlin, 25. April 2017))

Ivanka Trump, Christine Lagarde und Angela Merkel (v. l. n. r.). (Bild: Carsten Koall/EPA (Berlin, 25. April 2017))

Die Diskussionsrunde im Berliner Hotel Interconti war hoch­karätig besetzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel, IWF-Chefin Christine Lagarde, die niederländische Königin Maxima und die kanadische Handelsministerin Chrystia Freeland diskutierten über die Rolle der Frau. Das öffentliche Interesse galt indes nur einer der Teilnehmerinnen: Ivanka Trump, Ex-Model und 35-jährige Tochter von Donald Trump – und zugleich dessen Beraterin.

Bei der Diskussion bezeichnete sich die politisch unerfahrene Präsidententochter selbst als politischen Neuling. «Ich bin noch ganz am Anfang. Ich höre zu, ich lerne viel.» Sie spüre aber auch, dass sie einiges bewirken könne. Trump nahm bei der Diskussion ihren Vater gegen Kritik an dessen Frauenbild in Schutz. Ihr Vater sei «fest davon überzeugt, dass Frauen das Potenzial und das Können besitzen, den Job genauso gut wie Männer zu erledigen.» Die Zuschauer quittierten Trumps Äusserungen mit einem leisen Raunen, wenige buhten die Präsidententochter aus.

Auf eine entsprechende Frage der Moderatorin bezeichnete sich Trump selbst als Feministin. Mit einer Antwort auf dieselbe Frage tat sich die 62-jährige Kanzlerin Merkel ungleich schwerer – was für Erheiterung im Publikum sorgte. Nach langem Schweigen meinte Merkel, scheinbar perplex über die Frage, dass es zwischen ihr und Feministinnen «Gemeinsamkeiten und Unterschiede» gebe. «Ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken», meinte sie und versprach, sich künftig darüber Gedanken zu machen, ob sie Feministin sei oder nicht.

Ivanka Trump weilte auf Einladung des Verbandes deutscher Unternehmerinnen bei der Podiumsdiskussion in Berlin, die als Vor-Veranstaltung für den im Juli stattfindenden G20-Gipfel in Hamburg gilt. Allerdings soll die Einladung der Präsidententochter bei Merkels US-Besuch im März von der Bundesregierung eingefädelt worden sein. Der renommierte USA-Experte Thomas Jäger von der Universität Köln misst der Reise der «First Daughter» nach Berlin hohe Bedeutung zu. Zusammen mit ihrem Ehemann Jared Kushner übe die Tochter grossen Einfluss auf ihren Vater aus.

Dass Merkel bei ihrem Besuch im März für viele überraschend neben die Präsidententochter gesetzt worden war, sei kein Zufall, glaubt Jäger: «Das war ein Angebot Donald Trumps an die deutsche Regierungschefin: Diese Frau ist der direkte Draht zu mir.»

Die Einladung der «First Daughter» sei daher ein geschickter Schachzug Merkels gewesen. «Donald Trump hält grosse Stücke auf die Meinung seiner Tochter.» Berlin müsse nun darauf setzen, über Ivanka Trump den deutschen Interessen im Weissen Haus Gehör zu verschaffen. Auch wenn zuletzt versöhnliche Töne von Trump zu Europa und dem Friedensprozess in der Ostukraine zu vernehmen waren, sei eine klare aussenpolitische Linie des Weissen Hauses noch nicht erkennbar. Indes hält Trump nach wie vor an seinem protektionistischen Wirtschaftskurs fest. Jäger: «Eine Hoffnung Berlins heisst Ivanka Trump. Über sie kann es gelingen, zumindest einen gewissen Einfluss auf die Debatte im Weissen Haus zu nehmen.»

Vielleicht geht die Taktik ja auf. «Ich werde Wissen und Ratschläge zurück in die USA und zu meinem Vater bringen», sagte Ivanka Trump gestern.

Christoph Reichmuth, Berlin

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