Deutschland
Künstler werden nach Kritik an Coronapolitik der Regierung mit dem Tod bedroht

Regierungskritische deutsche Schauspieler werden hart angegangen. Jan Josef Liefers beklagt die fehlende Debattenkultur im Land.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Deutsche Schauspieler kritisieren die Coronamassnahmen.

Deutsche Schauspieler kritisieren die Coronamassnahmen.

Bild: Key

50 Schauspielerinnen und Schauspieler haben unter dem Hashtag #allesdichtmachen die Coronapolitik der Bundesregierung in Deutschland kritisiert. Die heftigen Reaktionen auf die kurzen Videoclips mit einer Mischung aus Sarkasmus und bitterer Ironie brechen nicht ab. Die Schauspielerin Meret Becker, die sich an der Aktion beteiligt hatte, berichtet gar über Morddrohungen.

Bekannte Filmgrössen wie Jan Josef Liefers, Heike Makatsch, Ulrich Tukur oder der in Berlin wohnhafte Schweizer Schauspieler Pasquale Aleardi kommentierten in den am Donnerstag online gestellten Clips teils bitterböse die geltenden Coronamassnahmen wie den Lockdown oder die Kontaktbeschränkungen. Womit die Akteure offenkundig gerechnet hatten: Sie bekamen für ihre Statements Applaus aus der Ecke der Corona-Verharmloser und Querdenker, auch vereinzelte Politiker der AfD fanden Gefallen an den Beiträgen. Prominente wie Heike Makatsch zogen daraufhin ihre Videobotschaften zurück. «Wenn ich damit rechten Demagogen in die Hände gespielt habe, so bereue ich das zutiefst», teilte Makatsch mit.

Ärzte fordern Schauspieler auf, eine Schicht zu machen

Vereinzelte Medien, Mediziner und Künstler überschütteten die #allesdichtmachen-Teilnehmer mit schärfster Kritik: Ihre Aktion beschere der Querdenkerszene ihren bislang grössten Erfolg, hiess es etwa. Ihre Videos seien Hohn für die Hinterbliebenen der 80000 Corona-Toten. Unter dem Hasthag #allemalneschichtmachen forderten Ärtzinnen und Pfleger die an der Aktion beteiligten Künstlerinnen und Künstler auf, für eine Schicht auf einer Intensivstation mitzuarbeiten.

Tatort-Darsteller Jan Josef Liefers hingegen monierte, dass in den Medien zu wenig regierungskritische Stimmen zu Wort kommen würden. Er beanstandete zudem, dass man in der aufgeregten deutschen Debattenkultur «sofort ziemlich radikal in so Ecken gepuscht wird, in die man gar nicht reingehört.»