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DEUTSCHLAND: Nicht nur Lacher für die Spasspartei

«Warum mal nicht ein Türke?», fragt «Die Partei» – und schickt den türkischstämmigen Comedian Serdar Somuncu als Kanzlerkandidaten ins Rennen. Die Satirepartei sorgt in Deutschland für heftige Debatten.
Polarisierender Kanzlerkandidat: Serdar Somuncu. (Bild: Keystone)

Polarisierender Kanzlerkandidat: Serdar Somuncu. (Bild: Keystone)

Serdar Somuncu ist vielen aus dem TV bekannt. Als «Hassprediger» hat der in Istanbul aufgewachsene Deutschtürke und Comedian schon jede Minderheit aufs Gröbste beleidigt. Nun kandidiert der 49-Jährige für die Satirepartei Die Partei als Kanzlerkandidat. Chef der Satirepartei ist der ehemalige Chefredaktor der Satirezeitschrift «Titanic» und heutige Abgeordnete des Europaparlaments, Martin Sonneborn. Mit bescheidenem Budget generiert die Kleinpartei durch mehr oder weniger originelle Aktionen hohe Aufmerksamkeit im Bundestagswahlkampf.

Nun ist Humor bekanntlich Geschmacksache. Nicht alle finden lustig, wofür die «Spasspartei» einsteht. Deren Wahlprogramm liest sich nicht wie ein Rezept für die Zukunft des Landes, sondern wie ein kurioser Forderungskatalog: Managergehälter sollen an BH-Grössen angepasst, die Bierpreisbremse eingeführt und «der Irre vom Bosporus» – Türkei-Präsident Recep Tayyip Erdogan – nach Deutschland gelockt, eingekerkert und gegen den in türkischer Haft einsitzenden Journalisten Deniz Yücel ausgetauscht werden.

Geharnischte Reaktionen löste die Partei kürzlich mit einem Plakat aus, das als Replik auf Merkels Wahlkampfslogan – «Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben» – gedacht war. Über das weltberühmte Foto des an einem türkischen Strand liegenden toten Flüchtlingskindes Aylan Kurdi titelte die Partei: «Für einen Strand, an dem wir gut und gerne liegen».

«Elitär, bourgeois und amoralisch»

Freilich sehen sich die Satiriker in der Rolle der unbequemen Konkurrenten. Das Bild des toten Flüchtlingskindes sollte die Aufmerksamkeit auf das Schicksal Hunderttausender auf der Flucht befindlicher Menschen lenken, der Verweis auf die Manager­gehälter spielt auf überbordende Löhne in den Chefetagen der Grosskonzerne an, die Bierpreisbremse lehnt sich an die Mietpreisbremse an und macht so indirekt die stetig steigenden Wohnkosten zum Thema. Nichtsdestotrotz: Die Partei hat kein wirkliches Rezept für die Wahlen – und polarisiert gerade deshalb.

Die linke «Tageszeitung» (Taz) etwa hält die Kandidatur der Spasspartei für gefährlich. Unter dem Titel «Elitär, bourgeois und amoralisch» kommt der Autor zu dem Fazit, dass wer seine Stimme der Partei gebe der umstrittenen Alternative für Deutschland (AfD) den Einzug ins Parlament erleichtere. Mit Blick auf den wahrscheinlichen Einzug der AfD in den Bundestag räsoniert der Autor: «Neonazis kommen ins Parlament, und linken Spassböllchen fällt nichts Besseres ein, als eine Spasspartei zu wählen?» Eine andere Zeitung empört sich: «Frei von irgendwelchen konstruktiven Ansätzen zelebriert diese elitäre Gesellschaft ihre eigene Resignation und perfektioniert ihre Jovialität, alles, aber auch alles verachten zu dürfen, und verpulvert damit obendrein Hunderttausende Euro an staatlichen Zuschüssen.»

Andere Kommentatoren stellen sich dagegen hinter die Satirepartei. Diese mache auf ihre ganz eigene Art «den drögen Politikerbetrieb bunt». Die etwa 25 000 Mitglieder zählende Satirepartei dürfte es vermutlich nicht in den Bundestag schaffen. Kanzlerkandidat Somuncu weist derweil die Vorwürfe gegen seine Partei zurück: «Als Satiriker ist es wichtig, bestimmte Probleme durch Überspitzung aufzuzeigen.» Dann fügte er hinzu: «Sollte ich den Einzug in den Bundestag nicht schaffen, bin ich über alle Berge und kokse.»

Christoph Reichmuth, Berlin

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