Wegen Anschlag
Deutschland setzt Abschiebungen nach Afghanistan vorerst aus

Die deutsche Regierung setzt nach dem schweren Anschlag am Mittwoch in Kabul Abschiebungen nach Afghanistan vorerst aus. Das teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Berlin mit.

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Wegen des Anschlags bleibt auch die Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan geschlossen.

Wegen des Anschlags bleibt auch die Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan geschlossen.

KEYSTONE/EPA/AKHTER GULFAM

Das Auswärtige Amt solle nun möglichst bis Juli eine neue Lagebeurteilung vorlegen. Bis dahin bleibe es bei "der Förderung der freiwilligen Rückkehr" und bei der Abschiebung von Straftätern und Gefährdern "auf Basis einer Einzelfallprüfung", sagte Merkel. Dies sei mit den Ministerpräsidenten so besprochen worden.

Von Deutschland aus kehrten im vergangenen Jahr 3300 Afghanen freiwillig in ihre Heimat zurück. Zudem gab es 67 Abschiebungen. In diesem Jahr liegt diese Zahl nach Angaben der Behörden bei etwas mehr als 100.

Am Mittwoch hatte es in der afghanischen Hauptstadt Kabul einen Sprengstoffanschlag mit mindestens 90 Toten und Hunderten Verletzten gegeben, bei dem auch die deutsche Botschaft erheblich beschädigt wurde.

Daraufhin hatten sich Forderungen von Opposition und Menschenrechtsorganisationen nach einem Abschiebestopp verstärkt. Am Donnerstag sprach sich auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz dafür aus, auf Abschiebungen zunächst zu verzichten.