DEUTSCHLAND: «Willen braucht man. Und Zigaretten.»

Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt ist 96-jährig gestorben. Bis zuletzt kommentierte der starke Raucher das Weltgeschehen. Seine Kanzlerschaft war geprägt durch den Terror der Roten-Armee-Fraktion (RAF).

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Christoph Reichmuth, Berlin

«Was nachbleibt, sind Moleküle. Und aus denen entsteht neues Leben. Zum Beispiel in Gestalt von Unkräutern auf Wiesen (...). Nichts geht wirklich verloren. Und das finde ich eine tröstliche Vorstellung.» Helmut Schmidt in einer TV-Dokumentation 2013.

Helmut Schmidt ist tot. Er starb gestern im Alter von 96 Jahren in seinem Haus in Hamburg. Der ehemalige Kanzler der Bundesrepublik Deutschland (1974 bis 1982) hatte zuletzt wegen eines Infektes hohes Fieber. Schmidts Popularität und Beliebtheit war gigantisch. 2008 wählten ihn die Deutschen zum «coolsten Kerl Deutschlands», im Dezember 2013 hievte ihn eine Mehrheit auf den ersten Rang bei der Frage nach den bedeutendsten Bundeskanzlern der Geschichte – noch vor dem ersten Kanzler Konrad Adenauer, «Einheitskanzler» Helmut Kohl oder dem ersten SPD-Kanzler Willy Brandt.

Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt, so wie man ihn in Erinnerung behalten wird: Er raucht eine Zigarette vor der Eröffnung einer Foto-Ausstellung über ihn in Berlin am Mittwoch,17. Dezember 2008. (Bild: Keystone)
39 Bilder
US-Präsident Ronald Reagan (links) stattete am 5. Juni 1982 Bonn einen Staatsbesuch ab. (Bild: Keystone)
Johannes Rau (links), der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, begrüsst am 2. Februar 1980 den damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt auf einem SPD-Landesparteitag in Bochum. (Bild: Keystone)
Der Finanzminister Helmut Schmidt, Brandt-Referent Günter Guillaume und Bundeskanzler Willy Brandt (von links) bei einer SPD-Vorstandssitzung in Berlin am 23. Juni 1973. Als Guillaume als Spion enttarnt wurde, trat Brandt als Bundeskanzler zurück. (Bild: Keystone)
Otto Graf Lambsdorff, US-Präsident Ronald Reagan, First Lady Nancy Reagan, Bundeskanzler Helmut Schmidt und Kanzlergattin Hannelore Schmidt (von rechts) betrachten im Juni 1982 in Bonn ein zwei Monate altes Weisskopfseeadler-Pärchen, das Kanzler Schmidt dem Präsidentenpaar zum Geschenk machte. (Person links nicht identifiziert). Der amerikanische Präsident Ronald Reagan war am 9. Juni 1982 in Begleitung seiner Frau Nancy zu seinem ersten offiziellen Besuch in der Bundesrepublik Deutschland eingetroffen. (Bild: Keystone)
Die Journalistin Marion Gräfin Dönhoff und Altbundeskanzler Helmut Schmidt, Mitherausgeber der Wochenzeitung ''Die Zeit'', treffen am 8. Oktober1997 zu einer Podiumsdiskussion mit Polens Staatspräsident vor dem Darmstädter Staatstheater ein. (Bild: Keystone)
Hannelore (Loki) Schmidt und Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt auf einem kurzen Spaziergang, aufgenommen am Freitag, 1. August 2003, in Samnaun, Graubünden. Helmut Schmidt hielt damals in Samnaun die 1. August-Festrede. (Bild: Keystone)
Alt Bundeskanzler Helmut Schmidt bei seiner Festrede zur transatlantischen Beziehung, am Schweizer Nationalfeiertag in Samnaun-Compatsch. (Bild: Keystone)
Helmut Schmidt mit dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten Valery Giscard d'Estaing (rechts) am 9. November 2001 in Lausanne. Die beiden ehemaligen Staatsoberhäupter wurden geehrt für ihre entscheidenden Beitrag zur europäischen Währungsunion. (Bild: Keystone)
Alt-Kanzler Helmut Schmidt und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder sitzen am 4. Mai 2004 an einem Wirtschaftskongress in Berlin und dem 85. Geburtstag von Schmidt, nebeneinander. (Bild: Keystone)
Auch US-Präsident Jimmy Carter war bei Helmut Schmidt: Am 15. Juli 1978. (Bild: Keystone)
Bundeskanzler Helmut Schmidt und Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski am 30. September 1977 im Bonner Kanzleramt. (Bild: Keystone)
Helmut Schmidt und Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz unterhalten sich am Rande des World Ageing and Generations Congress am 1. Oktober 2005 an der Universität St.Gallen miteinander. (Bild: Keystone)
Helmut Schmidt mit Dürrenmatt-Witwe Charlotte Kerr am Schluss des World Ageing and Generations Congress 2005 an der Universität St.Gallen. (Bild: Keystone)
Nach seiner Rede auf dem SPD-Parteitag in Berlin wird der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Willy Brandt (links), beglückwünscht von Bundeskanzler Helmut Schmidt (Mitte) und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner. (Bild: Keystone)
Bundeskanzler Helmut Schmidt (links) spricht mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner vor einer Fraktionssitzung der Sozialdemokratischen Partei in Bonn am 12. Januar 1982. (Bild: Keystone)
Der deutsche Kanzler Helmut Schmidt und Fussballtrainer Jupp Derwall haben das Lachen nicht verlernt, selbst als am 12. Juli 1982 die deutsche Nationalmannschaft den WM-Final gegen Italien in Madrid verloren hat. (Bild: Keystone)
Helmut Kohl (links) zusammen mit Helmut Schmidt am 16. November 1974 beim "The Federal Press Ball" in Bonn. (Bild: Keystone)
Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt am 26. Dezember 1981 mit seiner Frau Hannelore am Strand der Ferieninsel Sanibel Island in Florida. (Bild: Keystone)
Helmut Schmidt und der sowjetische Parteichef Leonid Brezhnev im Kreml am 30. Juni 1980. (Bild: Keystone)
US-Präsident Ronald Reagan mit Richard von Weizsäcker und Helmut Schmidt beim Checkpoint Charlie in Berlin am 11.Juni 1982. (Bild: Keystone)
Kanzler Helmut Schmidt im Bundestag am 5. Februar 1982. (Bild: Keystone)
Gast Yitzhak Rabin, Premierminister von Israel,  und Helmut Schmidt am 9. Juli 1975 in Bonn. (Bild: Keystone)
Eine Aufnahme von 1974. (Bild: Keystone)
Helmut Schmidt mit dem damaligen Finanzminister Hans Matthöfer am 18. September 1981 im Bundestag in Bonn. (Bild: Keystone)
Der amerikanische Staatssekretär Alexander Haig zusammen mit Helmut Schmidt am 23. Mai 1981 in Washington. (Bild: Keystone)
Der "Zeit"-Herausgeber und frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt, raucht am Freitag, 7. Mai 2010, während der Verleihung des Henri-Nannen-Preises im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Schmidt erhielt den Preis für sein Lebenswerk. (Bild: Keystone)
Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) spricht am 29.September 2010 in Berlin bei einem Empfang des Springer Verlags nach dem Festakt zur Enthüllung des Denkmals "Väter der Einheit" des französischen Künstlers Serge Margin. (Bild: Keystone)
Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) und seine Frau Loki sitzen in Hamburg an einer Feier der "Zeit" und der "Zeit"-Stiftung zu Ehren des 90.  Geburtstags des ehemaligen Politikers in der ersten Reihe. (Bild: Keystone)
Helmut Schmidt mit seiner Ehefrau Hannelore 'Loki', fotografiert vor ihrem Ferienhaus am Brahmsee (Foto vom 6.August 1980). Loki Schmidt starb 91-jährig in der Nacht zum 21.Oktober 2010, in ihrem Haus im Hamburger Stadtteil Langenhorn. (Bild: Keystone)
Foto des Ehepaars Schmidt vom 24. August 2007. (Bild: Keystone)
Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (v.r.), seine Tochter Susanne und deren Ehemann Brian Kennedy gedenken am 1.November 2010 während der Trauerfeier in der Hauptkirche Sankt Michaelis in Hamburg der verstorbenen Loki Schmidt. (Bild: Keystone)
Hamburgs Erster Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU, v.l.), seine Ehefrau Simone, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der ehemalige Hamburger Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) und seine Ehefrau Annerose, der frühere Bundespraesident Richard von Weizsaecker und seine Ehefrau Marianne, der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler und seine Ehefrau Eva Luise, der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und seine Ehefrau Doris Schröder-Köpf sowie der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen (CDU), sitzen am 1.Oktober in der Kirche Sankt Michaelis in Hamburg während der Trauerfeier für die verstorbene Loki Schmidt. (Bild: Keystone)
Trauer: Helmut Schmidt vor der Michaeliskirche nach der Trauerfeier für seine verstorbene Ehefrau Loki Schmidt. (Bild: Keystone)
Er ist vermutlich der einzige, der das durfte: Helmut Schmidt rauchte auch während der TV-Sendung "Menschen bei Maischberger" am 14. Oktober 2010. (Bild: Keystone)
Ein nachdenklicher Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt am 23.Oktober 2011 vor der Talkshow von Günther Jauch zum Thema "Wer kann uns aus der Krise führen?" (Bild: Keystone)
Am 22. September 2012 wird Helmut Schmidt der "Preis des Westfälischen Friedens" verliehen. (Bild: Keystone)
Der Premierminister von China Li Keqiang zusammen mit Helmut Schmidt an einem Meeting in Berlin am 27. Mai 2013. (Bild: Keystone)
Der Alt-Kanzler strahlt zufrieden an seinem 95. Geburtstag am 13. März 2014. (Bild: Keystone)

Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt, so wie man ihn in Erinnerung behalten wird: Er raucht eine Zigarette vor der Eröffnung einer Foto-Ausstellung über ihn in Berlin am Mittwoch,17. Dezember 2008. (Bild: Keystone)

Beliebt wurde er erst später

Diese Beliebtheit wurde dem 1946 der SPD beigetretenen Ökonomen allerdings erst viele Jahre nach seinem Abgang von der politischen Bühne zuteil. Während seiner Kanzlerschaft und in seiner politischen Tätigkeit zuvor – Schmidt führte die SPD-Bundestagsfraktion und war in der Regierung Willy Brandts Verteidigungs- und später Wirtschaftsminister – galt Schmidt als eher arrogant und intellektuell-abgehoben.
Erst Jahrzehnte nach seiner Kanzlerschaft schaffte es der Mitherausgeber der «Die Zeit» zur Ikone. Eingeladen in Talkshows und zu Diskussionsabenden, analysierte Schmidt messerscharf und durchaus provokativ das Weltgeschehen. Die multikulturelle Gesellschaft bezeichnete er als «eine Illusion von Intellektuellen», den Atomausstieg als ebenso falsch wie den Umgang des Westens mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in der jüngsten Ukraine-Krise. Auch in seiner Partei hatte Schmidts Wort bis zuletzt hohes Gewicht. So machte er sich 2012 für eine Kanzlerkandidatur von Peer Steinbrück stark. Der passionierte Zigarettenraucher liess sich bei öffentlichen Auftritten selbst von strikten Rauchverboten nicht von seiner Leidenschaft abbringen und griff auch bei Talkshows im Fernsehstudio gern und oft zur Zigarette. «Willen braucht man. Und Zigaretten», sinnierte der scharfzüngige Altkanzler schon vor einigen Jahren.

Standhaft im «Deutschen Herbst»

Geprägt war Schmidts Kanzlerschaft durch die Ölkrise, die Vorbereitung auf ein europäisches Währungssystem und den Nato-Doppelbeschluss. Vor allem aber fiel in die Regierungszeit des Hamburgers der Terror der Roten-Armee-Fraktion (RAF). Schmidt ging auf die Erpressungsversuche der RAF im Herbst 1977 nicht ein. Die linksradikale RAF entführte im September 1977 Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, zeitgleich wurde durch die mit der RAF befreundete palästinensische Terrorgruppe «Volksfront zur Befreiung Palästinas» die Lufthansa-Maschine «Landshut» gekidnappt. Mit der Entführung des mit 86 Passagieren besetzten Flugzeugs und des Arbeitgeberpräsidenten, der wegen seiner Vergangenheit in der Waffen-SS ins Visier der Linksterroristen geraten war, sollten mehrere Mitglieder der ersten Generation der RAF aus deutschen Gefängnissen freigepresst werden.

Die Regierung Schmidt ging auf die Forderung nicht ein, die «Landshut» wurde erfolgreich und ohne zivile Opfer befreit, Schleyer von der RAF ermordet. «Alles, was wir im Falle Schleyer getan haben, war unvermeidlich richtig. Es gibt im Laufe des Lebens Stationen, in denen man sich zwischen zwei unerträglichen Übeln entscheiden muss», sagte Schmidt 2013. Die Witwe Schleyers machte Schmidt für den Tod ihres Mannes verantwortlich. Doch Schmidt wollte den Fehler von 1975 nicht wiederholen.

Damals war der CDU-Politiker Peter Lorenz von der linksradikalen «Bewegung 2. Juni» entführt worden. Schmidt, den damals hohes Fieber ausser Gefecht gesetzt hatte, schloss sich der Bewertung seines Krisenstabes, in dem auch der spätere Kanzler Helmut Kohl vertreten war, unwidersprochen an. Die deutsche Regierung ging auf die Forderung der Entführer auf Freilassung gefangener Gesinnungsgenossen im Tausch mit der Geisel ein. Einige der freigelassenen Gefangenen waren später an der Ermordung politischer Gegner beteiligt. Schmidt selbst hat dieses Vorgehen im Nachhinein als kapitalen Fehler bezeichnet.

68 Jahre mit Frau Loki

1982 wurde Schmidt nach einem Streit mit dem Koalitionspartner FDP durch ein konstruktives Misstrauensvotum mit Stimmen der Union und der FDP als Bundeskanzler abgesetzt, es begann die 16 Jahre dauernde Ära von CDU-Kanzler Helmut Kohl. Der begabte Pianist schied 1986 aus dem Bundestag aus, nur sporadisch tauchte er auf SPD-Parteitagen auf. Schmidt war von 1942 bis zu ihrem Tod 68 Jahre lang mit Hannelore Glaser, genannt Loki, verheiratet. Aus der Ehe ist eine Tochter hervorgegangen, der erstgeborene Sohn starb noch vor seinem ersten Geburtstag. 2012 gab Schmidt bekannt, dass er eine neue Lebensgefährtin, seine ehemalige Mitarbeiterin Ruth Loah, habe. «Sie hat mich wieder zu einem normalen Menschen gemacht», sagte Schmidt.

«Geachtet, aber nicht geliebt»

Der renommierte «Spiegel»-Autor und Mitgründer der Berliner Tageszeitung TAZ, Michael Sontheimer, lernte den Altkanzler während seiner Zeit als Redakteur der Wochenzeitung «Die Zeit» in den 1980er-Jahren kennen. Sitzungen des Politressorts, an denen der Altkanzler teilgenommen hatte, beschreibt Sontheimer als besonders lebhaft. «Er sagte klar, manchmal auch drastisch seine Meinung», erinnert sich der 60-Jährige. Als die Redakteure nach dem Fall der Mauer darüber debattierten, ob man die durch Egon Krenz geführte DDR journalistisch in einem Reformprozess unterstützen solle, schlug der zuvor schweigsam dasitzende Schmidt mit beiden Händen auf den Sitzungstisch und polterte: «Keine Mark für diese Arschlöcher!» Schmidts Bedeutung als Kanzler wird heute allerdings überschätzt, resümiert Sontheimer. «Die grossen Kanzler waren Adenauer, Brandt, Kohl und jetzt Merkel, sicher nicht Helmut Schmidt. Er war kein grosser Kanzler.» Wenn die Westdeutschen nach dem Krieg einen Kanzler geliebt haben, dann war dies Willy Brandt, der das Utopisch-Idealistische in die Politik der Bundesrepublik eingebracht hatte, so der Historiker. «Schmidt war ein geachteter, aber nicht geliebter Kanzler. Schmidt war der Krisenmanager, der antiideologische Macher und Pragmatiker, der in Extremsituationen stets die Nerven behielt. Und damit war er der heutigen Kanzlerin Angela Merkel auf eine Art sogar sehr ähnlich.»

Dass Schmidt heute populärer sei als der 16 Jahre lang amtierende Helmut Kohl, liege nicht zuletzt an den intellektuellen Fähigkeiten und zugleich an der menschlichen Art des SPD-Politikers. «Schmidt war eine Kapazität. Im Gegensatz zu Kohl verstand er auch etwas von Wirtschaft.» Zudem zeichnete Schmidt eine «durchaus bissige Formulierungsgabe» aus, nicht zuletzt habe er sich in den letzten Jahren «vollkommen ehrlich und untaktisch» geäussert. Zugleich offenbarte der Pragmatiker eine offenkundige Schwäche, «weil dieser vernünftige Mensch es einfach nicht geschafft hat, von seinen Zigaretten zu lassen. Das machte ihn so erfrischend und bei den Menschen beliebt, weil die Gesellschaft Politiker ansonsten anders wahrnimmt.» Schmidt, kein dogmatischer Linker, begünstigte durch seine Haltung bei Rüstung und Atomenergie letztlich die Gründung der Grünen Partei in Deutschland.

«Zigarette schmeckt noch immer»

Rückschläge und Wirbel um seine Person haben den zweiten SPD-Kanzler Deutschlands nicht aus dem Tritt gebracht. «Mir hat im Leben eigentlich immer die Gelassenheit geholfen», sagte er vor wenigen Jahren. «Ich glaube nicht an den Gott, ich glaube nicht ans Nirwana, ich glaube an die Ratio. Und ich glaube an das Gewissen des einzelnen Menschen.» Er wolle sich niemals Vorwürfe zu machen brauchen wegen eines «unanständigen Verhaltens», sagte Schmidt vor zwei Jahren. Er spüre das Alter, vergesse schneller, höre nicht mehr gut. «Aber», schloss der Altkanzler und griff zur Zigarettenschachtel, «die Zigarette schmeckt mir noch immer.»