Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DEUTSCHLAND: Zum Abschied Hilfe für SPD

Oskar Lafontaine ist einer der umstrittensten Politiker des Landes. Am Sonntag schlägt der SPD-Spalter seine letzte Schlacht.
Oskar Lafontaine (73). (Bild: Keystone)

Oskar Lafontaine (73). (Bild: Keystone)

Oskar Lafontaine ist ein Vollblutpolitiker, der die vergangenen Jahrzehnte deutscher Bundespolitik mitgeprägt hat wie wenige andere. Allmählich muss aber auch «Oskar», wie ihn alle rufen, an den Ruhestand denken. Doch am Sonntag hat der 73-Jährige noch einmal Grosses vor, vielleicht setzt er sein letztes politisches Ausrufezeichen. Als Spitzenkandidat der Linkspartei im kleinen Saarland kämpft er für eine Machtbeteiligung seiner Partei in der künftigen Landesregierung. Gelingt ihm das, verhilft das Politurgestein so ganz nebenbei den Sozialdemokraten zur Macht.

Lafontaine, inzwischen mit der Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht verheiratet, hat die Sozialdemokraten einst Hals über Kopf in einer dramatischen Nacht-und-Nebel-Aktion verlassen. Im März 1999 war das, Lafontaine war Finanzminister in der rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder. Schröder und Joschka Fischer, der damalige Aussenminister, sagten US-Präsident Bill Clinton die Beteiligung am umstrittenen Kosovo-Krieg zu. Lafontaine war damals SPD-Parteivorsitzender, Kriegsgegner durch und durch, doch die beiden Alphatiere in der Regierung konsultierten Lafontaine vorher nicht.

Er warf Parteivorsitz und Ministeramt hin, Schröder informierte er darüber per Fax. «Wenn man die Frage von Krieg und Frieden nicht als Bagatelle ansieht», blickte Lafontaine kürzlich auf diese Zeit zurück, «dann muss man sich fragen: Machst du da noch mit?» Lafontaine war fortan einer der schärfsten Kritiker der SPD und der rot-grünen Bundesregierung, allen voran der Agenda 2010, mit welcher das Sozial­system reformiert wurde.

Lafontaine hielt nicht lange still, 2005 legte er sein SPD-Parteibuch ab und kehrte zurück auf die Bühne der Bundespolitik. Er unterstützte die Vereinigung abtrünniger Sozialdemokraten mit Nachfolgern der ehemaligen SED-Partei PDS zur Linkspartei, die von Gregor Gysi und Oskar Lafontaine geprägt wurde. Lafontaine sass nun wieder im Bundestag. Wegen einer Krebserkrankung trat er 2009 zurück, erholte sich von dieser, heute ist Lafontaine Oppositionsführer im Saarbrücker Landtag, wo eine Koalition aus CDU und SPD unter Führung der CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer regiert. «Anne geht», witzelt Lafontaine nun vor der Wahl über die Ministerpräsidentin.

Das Saarland hat nicht einmal eine Million Einwohner, doch am Sonntag schaut das ganze Land gebannt in das kleine Flächenland im Westen Deutschlands. Es sind die ersten Landtagswahlen im Bundestagswahljahr. Es sind auch die ersten Landtagswahlen, die vom «Schulz-Hype» beeinflusst werden könnten. Was vor ein paar Wochen noch völlig ausgeschlossen schien, ist nun in den Bereich des Möglichen gerückt: Ein linkes Bündnis aus SPD und Linkspartei könnte die CDU-Regierung vom Sockel stossen.

Lafontaine war in der SPD seit Jahren Persona non grata. Inzwischen lobt ihn sogar Martin Schulz. Lafontaine selbst betont, er wolle kein Ministeramt übernehmen in einer neuen Regierung. Aber vielleicht verhilft ja ausgerechnet Oskar den Sozialdemokraten zurück an die Macht im Saarland. Es wäre auch ein Signal für ein linkes Bündnis auf Bundesebene. Und es wäre vor allem ein bemerkenswerter Abschluss einer grossen Politkarriere.

Christoph Reichmuth, Berlin

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.