Wahlen
Die 5 wichtigsten Fragen: So geht es jetzt weiter mit Grossbritannien

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Ein Land muss sich neu sortieren: Grossbritannien

Ein Land muss sich neu sortieren: Grossbritannien

watson

1. Was nun?

Die Auszählungen gehen weiter. Klar ist: Die oppositionelle Labour-Partei fährt massive Sitzgewinne ein, die Tories – die Konservativen von Premierministerin May – verlieren eine grosse Anzahl. Sie bleibt aber stärkste Kraft im Parlament. Für eine absolute Mehrheit von 326 Sitzen wird es May nicht reichen. Man spricht in einem solchen Fall von einem «Hung Parliament».

will oliver/epa/keystone

2. Wenn es keine Mehrheit gibt? Wer darf dann regieren?

Beide Seiten, die Tories und die Labour-Partei, werden nun Gespräche mit den weiteren Parteien (SNP, LP, DUP, OTH) suchen, um eine Koalition mit einer Mehrheit im Parlament zu bilden. Diejenige Partei, welcher das gelingt, stellt den nächsten Premierminister oder die nächste Premierministerin.

So macht man das also: Auszählung in Corbyns Wahlkreis im Norden Londons

So macht man das also: Auszählung in Corbyns Wahlkreis im Norden Londons

frank augstein/ap/keystone

3. Bleibt Theresa May im Amt?

Das ist unklar. Labour-Chef Corbyn forderte sie aufgrund der massiven Verluste zum Rücktritt auf und auch innerhalb der Tories hat sie Rückhalt verloren. Das bedeutet: Mays Stuhl wackelt gewaltig, obwohl die Konservativen weiterhin am meisten Sitze halten. Möglich sind nun folgende Szenarien:

May bleibt im Amt und es gelingt ihr eine Koalition zu bilden.
May tritt zurück und ein Parteikollege übernimmt die Aufgabe der Koalitionsbildung.
Jeremy Corbyn gelingt es, eine Koalition zu bilden – dann muss May abdanken.

Hoch gepokert und verloren: Premierministerin May verlässt am Morgen nach der Wahl das Hauptquartier der Tories in London - ihre Partei hat bei den vorgezogenen Vorwahlen die Mehrheit im Unterhaus verloren.

Hoch gepokert und verloren: Premierministerin May verlässt am Morgen nach der Wahl das Hauptquartier der Tories in London - ihre Partei hat bei den vorgezogenen Vorwahlen die Mehrheit im Unterhaus verloren.

Keystone/AP/FRANK AUGSTEIN

4. Wie lange haben die Parteien Zeit, eine Koalition zu bilden?

Theoretisch unendlich lange. Im Jahre 2010, als es nach den Wahlen ebenfalls zu einem «Hung Parliament» kam, dauerte es fünf Tage. Danach waren sich die Konservativen und die LD (Liberal Democrats) einig. Die LD haben vor den Wahlen angekündigt, nicht bei einer Koalition mit den Tories mitmachen zu wollen.

Britain Election Er wird jetzt Gespräche mit den anderen Parteien suchen: Labour-Chef Jeremy Corbyn.

Britain Election Er wird jetzt Gespräche mit den anderen Parteien suchen: Labour-Chef Jeremy Corbyn.

Yui Mok

5. Was passiert jetzt mit dem Brexit?

Premierministerin Theresa May leitete die vorgezogenen Wahlen ein, um ein klares Votum für ihren Kurs des «harten» Brexit zu erhalten. Unter dem «harten» Brexit kann man den Ausstieg Grossbritanniens aus der EU nach dem «Koste es, was es wolle»-Prinzip verstehen. May will bei den Verhandlungen mit der EU keine Kompromisse eingehen, was bedeuten kann, dass Grossbritannien viele Privilegien beim Zugang zum europäischen Markt verliert.

Mays Verluste zeigen allerdings, dass die britischen Stimmbürger diesen Kurs nicht wirklich befürworten. Mays Gegner Jeremy Corbyn versprach hingegen einen «soften» Brexit. Das heisst, dass er zum Beispiel bei Einwanderungsfragen mehr Flexibilität gegenüber der EU signalisieren will, dafür aber auch auf Entgegenkommen der Europäischen Union hoffen kann.

(tog mit Materialien der BBC)

Das sind Impressionen von der Wahl in Grossbritannien:

Theresa May tritt am Freitagnachmittag vor die Medien und erklärt, dass sie eine Regierung bilden wolle.
22 Bilder
May bei ihrer kurzen öffentlichen Erklärung, nachdem die Queen ihr den Auftrag zur Regierungsbildung gegeben hat. Rechts von ihr Ehemann Philip May.
Um 11 Uhr wollte Theresa May eine öffentliche Stellungnahme abgeben. Diese ist auf den Nachmittag verschoben worden. Die Medien vor dem Haus der Premierministerin an der 10 Downing Street müssen sich also gedulden.
Hoch gepokert und verloren: Premierministerin May verlässt am Morgen nach der Wahl das Hauptquartier der Tories in London - ihre Partei hat bei den vorgezogenen Vorwahlen die Mehrheit im Unterhaus verloren.
Theresa May hat mit ihren Torys die absolute Mehrheit verloren.
May will offenbar eine Minderheitsregierung mit Duldung der nordirischen DUP (Democratic Unionist Party) bilden. Im Bild Arlene Foster, Regierungschefin der nordirischen Regionalregierung und DUP-Vorsitzende.
May will die Queen um Erlaubnis für die Regierungsbildung bitten.
Fühlt sich im Hoch: Jeremy Corby, Herausforderer von May und Chef der Labour-Partei.
Jeremy Corby: Seine Partei will eine Minderheitsregierung bilden, heisst es am Freitagmorgen.
Nicola Sturgeon Die schottische Regierungschefin sieht die Schottische Nationalpartei (SNP) trotz heftiger Verluste als Siegerin der Parlamentswahl in Grossbritannien.
Sturgeon strebt ein zweites Referendum über Schottlands Unabhängigkeit an. Sie begründet dies mit dem EU-Austritt Grossbritanniens, den eine Mehrheit der Schotten abgelehnt hat.
10 Downing Strett am Freitagmorgen - hier wohnt die Premierministerin Theresa May.
Medienschaffende vor der 10 Downing Street am Freitagmorgen. Sie warten auf ein Statement von Premierministerin Theresa May.
Kurioser Kandidat: "Lord Buckethead" in Maidenhaed neben Premierministerin Theresa May.
Noch ein kurioser Kandidat: "Elmo" kämpft für Väterrechte, hier an einer Wahlstation.
Tim Farron von den "Liberal Democrats". Die kleine Partei holte bei den letzten Wahlen 13 Sitze und wird zulegen.
So macht man das also - Auszählung in Corbyns Wahlkreis im Norden Londons
Jeremy Corbyn, der Herausforderer von Theresa May, hat gut lachen. Am Donnerstagabend zeigte er sich schon optimistisch.
Theresa May und ihr Mann Philipp haben ihre Stimme in Maidenhead westlich von London abgegeben.
May nach der Stimmabgabe. Im Hintergrund winkt TV-Charakter Elmo.
Die Polizei überwacht ein Wahllokal in Sonning in der Nähe von Reading.
Labour-Chef Jeremy Corbyn hat derweil in London gewählt.

Theresa May tritt am Freitagnachmittag vor die Medien und erklärt, dass sie eine Regierung bilden wolle.

EPA