Steuerhinterziehung
Die Doppelmoral des Bayern-Präsidenten Uli Hoeness

Deutlschland ist empört. Hoeness hat ein Konto in der Schweiz. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung. Der Präsident galt bis anhin als Kapitalist mit Sinn fürs Soziale.

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Deutschland ist um einen Steuerskandal reicher: Uli Hoeness, Wurstproduzent und Präsident des FC Bayern, hat sich selbst angezeigt, wie er der Zeitschrift «Focus» bestätigte. Er habe im Januar über seinen Steuerberater beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht. Diese hänge «mit einem Konto von mir in der Schweiz» zusammen. Auch die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigte, ein Verfahren wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung eröffnet zu haben. Es sei aufgrund der Selbstanzeige eingeleitet worden.

Die Münchner «Abendzeitung» glaubt zu wissen, dass es sich um ein «unvorstellbares Vermögen von mehreren hundert Millionen Euro» handeln soll. Hoeness habe denn auch zugleich mit seiner Selbstanzeige bereits eine Abschlagszahlung von 5 Millionen Euro geleistet. Offiziell bestätigt wurden diese Zahlen jedoch nicht. Noch vor wenigen Tagen habe Hoeness gegenüber der «Abendzeitung» dementiert, dass ein Verfahren gegen ihn laufe. Auch wollte er bisher nicht bestätigen, ob es in seinem Haus zu einer Durchsuchung gekommen sei, wie kolportiert wird.

Uli Hoeness reiht sich ein in eine Liste bekannter Steuersünder, von denen nicht wenige wegen ihrer Vergehen zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Berühmtester Fall war Peter Graf, der Vater der Tennislegende Steffi Graf. Durch die Medien ging auch der Fall des früheren Postchefs Klaus Zumwinkel, der in Handschellen - und unter dem Blitzlicht aufgebotener Reporter - zu Hause abgeführt wurde. Ob auch Hoeness bestraft wird, hängt davon ab, ob vor seiner Anzeige bereits ein Verfahren gegen ihn am Laufen war.

Die Karriere des Uli H.

Ulrich «Uli» Hoeness wird am 5. Januar 1952 in Ulm als Sohn eines Metzgers geboren. Wichtiger als das Fleischerhandwerk ist ihm aber der Fussball. Er wird einer der grössten deutschen Stürmer der 70er-Jahre. Leider spielt sein Körper nicht lange mit. Ein Knorpelschaden beendet im Jahr 1979 seine Karriere. Hoeness wird mit 27 Jahren Manager beim FC Bayern. Er sammelt 16 Meisterschaften (2013 noch gar nicht eingerechnet), Weltpokal, Champions League (2000/2001) und den Uefa-Cup. 2009 wird er Präsident des Vereins, seit 2010 ist er zudem Aufsichtsratsvorsitzender.

Gang an die Öffentlichkeit ist nicht zwingend

Der Bayern-Präsident dürfte nicht der letzte Prominente gewesen sein, der sich selbst bezichtigt. Als Ende 2012 klar wurde, dass die Abgeltungssteuer zwischen der Schweiz und Deutschland scheitern würde, entschlossen sich zahlreiche Deutsche mit Schwarzgeld in der Schweiz zu diesem Weg. Das bestätigt Thomas Sutter, Sprecher der Bankiervereinigung. «Das Muster ist bekannt, und es ist im Sinne des Schweizer Finanzplatzes.» Man empfehle den Kunden den Weg der Offenlegung. Dieser sei nicht zwingend teurer, als es die Abgeltungssteuer gewesen wäre, sagt Sutter.

Allerdings hätten Prominente wie Hoeness dank der Abgeltungssteuer den Gang an die Öffentlichkeit vermeiden können. Hoeness bestätigte denn auch gestern, er habe die «Angelegenheit ursprünglich» über das Steuerabkommen regeln wollen.

Auch die Offenlegung von Steuerflüchtlingen über gestohlene Bankdaten hat dem deutschen Staat bereits einiges an Steuergeld zugetragen. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen berichtete von 640 Millionen Euro, die heimgeholt worden seien. Die Abgeltungssteuer hätte den deutschen Ländern gemäss einer Schätzung des Bundesfinanzministeriums jährlich insgesamt 1,2 Milliarden Euro einbringen können.

In Österreich und Grossbritannien, deren Steuerabkommen Anfang Jahr in Kraft traten, warten die Behörden denn auch gespannt auf erste Zahlen. Bis Ende Mai können sich Bankkunden aus diesen Ländern entscheiden, ob sie ihre Schweizer Konten offenlegen wollen oder ob sie künftig eine anonyme Steuer auf ihren Erträgen abliefern wollen.

Erste Signale aus den Banken sind unterschiedlich: So gibt die St. Galler Kantonalbank auf Anfrage zur Auskunft, sie beobachte eine «klare Tendenz» hin zur Offenlegung der Konten. Die Basler Kantonalbank hingegen will eine leichte Präferenz für die anonyme Lösung beobachten, wie ein Sprecher sagt. Die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse kommentierten ihre Erfahrungen bisher nicht. Aus dem Umfeld der UBS ist aber zu vernehmen, dass deren österreichische Kunden bisher vor allem die anonyme Variante bevorzugt haben.

Hoeness abgetaucht

Hoeness tauchte gestern nach seiner Beichte offenbar erst mal ab. Fragen wolle er keine mehr beantworten, liess er ausrichten, und auch dem gestrigen Spiel der Bayern gegen Hannover blieb er offenbar fern. Noch vor kurzem sei er von der CSU als prominenter Kandidat für die Landtagswahlen umworben worden, berichtet die «Abendzeitung». Darüber, dass Hoeness damals abgesagt hatte, dürfte die Parteileitung inzwischen nicht mehr ganz unglücklich sein.

Nach "Focus"-Informationen liessen Staatsanwälte im März das private Anwesen von Hoeness im Tegernseer Tal durchsuchen. Hoeness hat unter anderem auch mit seiner Wurstfabrik in Nürnberg ein Vermögen verdient (er belieferte u.a. auch Aldi). Auf besagtem Schweizer Konto soll Hoeness einVermögen in dreistelliger Millionenehöhe platziert haben, schreibt der «Stern» im Monat Januar, dem Monat, in dem sich Hoeness wohl selbst anzeigte.

Hoeness selbst hatte sich nicht zu Summen geäussert. Umso mehr wird spekuliert. Wahlweise ist die Rede von fünf ("Abendzeitung") oder sechs Millionen Euro Abschlag ("Bild am Sonntag").

Der Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, folgert in der «Bild am Sonntag» daraus, dass «Hoeness mindestens zehn Millionen Euro Einnahmen nicht angegeben hat». Laut SZ-Recherche hat Hoeness jedenfalls seit mehr als zehn Jahren versteuertes Geld in Millionenhöhe bei einer in Zürich ansässigen Bank liegen. Anscheinend, so berichtet es die SZ, hat er dem deutschen Fiskus allerdings nicht die anfallende Kapitalertragsteuer gezahlt. (az/sda/cls)