USA
Die drei Opfer von Boston: Ein Kind, eine Studentin und eine Managerin

Nun ist die Identität der drei am Boston Marathon getöteten Menschen bekannt. Eine chinesische Studentin, eine Managerin und ein achtjähriger Knabe starben. Die beiden tödlichen Bomben wurden offenbar aus Dampfkochtöpfen zusammengebaut.

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Explosionen überschatten den Boston Marathon
22 Bilder
Angehörige und Freunde der Opfer legten Blumen nieder. Über die Täter weiss die Polizei immer noch nichts.
Die US-Fahne weht im ganzen Land auf Halbmast.
Patty Campbell, die Mutter der getöteten Krystle Campbell, zusammen mit ihrem John Reilly (l.) und Sohn Billy.
Krystle Campbell, 29, Restaurant-Manager aus Medford, Massachusettes, wurde von einer der beiden Bomben getötet.
Grenzenlose Trauer bei Angehörigen und Freunden. Im Bild Emma MacDonald, 21, während einer Gedenkfeier.
Helfer kümmern sich um Verletzte.
Geschockte Siegerin: Die kenianische Siegerin Rita Jeptoo sitzt in Tücher gehüllt im Zielraum.
Einer der Detonationsorte an der Boylston Street wird von Ermittelern durchsucht.
Er ahnte von nichts als er als Sieger ins Ziel einlief: Der Äthiopier Lelisa Desisa.
In der Nähe des Ziels detonieren fast gleichzeitig zwei Bomben. Die Explosionen fordern mindestens 3 Tote.
Über 100 Menschen wurden beim Bomben-Terror in Boston verletzt.
Unfassbare Trauer von Beteiligten
Bill Iffrig aus Lake Stevens liegt am Boden, die Bomben habena auch ihn umgehauen.
Bill Iffrig lässt sich helfen, steht auf und wird den Marathon zu Ende laufen, wie er später erzählt.
Zahlreiche Läufer lassen sich von den Bomben nicht abhalten und laufen trotzdem ins Ziel.
Fernsehaufnahmen haben die Explosion festgehalten
Explosionen überschatten den Boston-Marathon.
Mindestens zwei Menschen sind gestorben
Ein Polizeibeamter bringt einen verletzten Jungen in Sicherheit
Hilfskräfte helfen einem Verletzten
Der Zieleinlauf nach der Detonation

Explosionen überschatten den Boston Marathon

Keystone

Nach dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon sind die Identitäten der drei Todesopfer geklärt. Neben dem achtjährigen Martin Richard wurden die 29 Jahre alte Restaurant-Managerin Krystle Campbell und eine chinesische Studentin von der Universität Boston getötet. Das chinesische Konsulat in New York bestätigte die Nationalität des Opfers. Ihre Familie habe jedoch darum gebeten, die genaue Identität nicht öffentlich zu machen.

Obama reist nach Boston

US-Präsident Barack Obama reist am Donnerstag nach Boston. Er werde dort an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Bombenanschlags auf den Marathon teilnehmen, teilte das Weisse Haus mit.
Der Präsident werde am Vormittag den Gottesdienst in der "Cathedral of the Holy Cross" besuchen, sagte der Gouverneur von Massachussetts, Deval Patrick, bei einer Pressekonferenz.
Bei der Suche nach den Bombenlegern von Boston hoffen die Behörden derweil auf breite Hilfe aus der Bevölkerung. "Irgendjemand weiss, wer dies getan hat", sagte Rick DesLauriers von der Bundespolizei FBI bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag.
Die Bandbreite möglicher Täter und Motive sei gross. Bislang seien rund 2000 Hinweise eingegangen, viele davon seien analysiert und überprüft worden. Mehr als 1000 Fahnder seien mit dem Fall befasst.
Es sei anzunehmen, dass die Sprengvorrichtung in einer schwarzen Nylontasche gewesen sei. Genaue Erkenntnisse über verwendete Materialien würden laufende Laboruntersuchung ergeben. (sda)

Alle drei Todesopfer waren Zuschauer und hatten zusammen mit Freunden oder Verwandten in der Nähe der Zielline gewartet, als die beiden Sprengsätze kurz hintereinander explodierten. Der achtjähriger Junge wollte dabei seinen Vater an der Ziellinie anfeuern. Seine Schwester verlor bei dem Anschlag ein Bein, die Mutter erlitt Kopfverletzungen. Mehr als 170 Menschen wurden bei dem Anschlag am Montag verletzt.

Noch immer kein Verdacht

Nach dem Bombenanschlag auf den Marathon von Boston mit drei Toten haben die Ermittler noch keinen Hinweis auf die Täter. Niemand habe sich zu der Tat bekannt, die Ermittlungen gingen in alle Richtungen, teilte die Bundespolizei FBI am Dienstag mit.

"Die Bandbreite der Verdächtigen und der Motive bleibt gross", sagte der leitende FBI-Agent Rick DesLauriers. Demnach wurden aber erste Spuren gesichert. Im FBI-Labor in Quantico im US-Bundesstaat Virginia würden Metallteile untersucht sowie Reste von schwarzen Nylon-Taschen und von Schnellkochtöpfen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Bomben aus Schnellkochtöpfen gebaut wurden, die in den Taschen versteckt wurden. Offenbar wurden die Sprengsätze mit zahlreichen Metallteilen wie Nägeln gespickt, um möglichst grossen Schaden anzurichten.

Bevölkerung soll mithelfen

Ärzte berichteten, dass vielen Verwundeten "kleine metallische Fragmente" wie Nägel und Kugeln herausoperiert worden seien. Mehreren Patienten hätten die Beine amputiert werden müssen.

Die Bundespolizei FBI und die Polizei von Boston baten die Bevölkerung um Mithilfe. Aufnahmen, die unmittelbar vor und unmittelbar nach den Explosionen gemacht worden seien, seien besonders wichtig für die Ermittlungen, sagte der örtliche Polizeichef Ed Davis.

DesLauriers rief Mitarbeiter von Restaurants und Geschäften in der Nähe des Anschlagsortes auf, Bilder von Überwachungskameras zur Verfügung zu stellen. "Jemand weiss, wer das getan hat", sagte er. "Die Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit wird eine entscheidende Rolle bei den Ermittlungen spielen."

2000 Hinweise

Bis Dienstagmittag (Ortszeit) gingen nach Angaben der Ermittler mehr als 2000 Hinweise aus der Bevölkerung ein. Laut DesLauriers wurden bereits viele Stunden Filmmaterial und zahlreiche Fotos gesichtet und analysiert. Ein 1000-köpfiges Team ermittle rund um die Uhr.

Die zwei Explosionen hatten am Montag den Zielbereich des traditionsreichen Marathonlaufs in Boston erschüttert. Drei Menschen wurden nach Polizeiangaben getötet und 176 weitere verletzt. 17 Verletzte befanden sich am Dienstag in einem "kritischen Zustand".

Gebete für Opfer

Am Dienstagabend (Ortszeit) versammelten sich mehr als 1000 Menschen, vor allem Angehörige und Freunde, in einem Park nahe des Hauses des Jungen zu einer Kerzenwache mit Gebeten. Auch an anderen Orten in Boston kamen Menschen zu Gedenkveranstaltungen mit Gesang, Gebeten und Kranzniederlegungen zusammen.

US-Präsident Barack Obama will am Donnerstag in Boston bei einem interkonfessionellen Gottesdienst für die Opfer des Anschlags eine Rede halten, wie das Weisse Haus mitteilte. (sda/rsn)