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Die Empörung in Russland ist gross

Stefan Scholl, Moskau

Ausschluss«Mir fehlen die Worte» sagte Jelena Walbe, die Präsidentin des russischen Skilanglaufverbandes. Ernüchtert nahm auch Alexei Wolkow, der Biathlon-Olympiasieger, den Entscheid des IOC zur Kenntnis. «Bleibt zu hoffen, dass unsere Politiker bis zu den Olympischen Spielen im Februar etwas tun, um die Situation für uns zu verbessern», erklärte er dem Fernsehsender Match-TV.

Die wegen Dopings gesperrten Athletinnen Olga Saizewa und Jana Romanowa brachen im Studio gar in Tränen aus. «Ich habe nie gedopt», sagte Saizewa, «ich bin unschuldig, das ist Verleumdung.» Und die Nachrichtenagentur RIA Nowosti schrieb in ihrem Kommentar: «Olympia gesäubert von den Russen». Als Illustration zündet ein farbiger US-Sportler mit dem olympischen Feuer eine Olympiaflagge an. Juri Afonin, stellvertretender Vorsitzender der Kommunistischen Partei Russlands rief in seiner Enttäuschung zu Standhaftigkeit auf: «Die Mannschaft einer grossen Nation, einer sportlichen Grossmacht kann im Kontext fehlender Beweise nicht unter olympischer Flagge auftreten.» Aber man solle Einzelsportler, die an den Spielen teilnehmen wollten, trotzdem unterstützen. Als schallende Ohrfeige wurde von den Kommentatoren auch der Entscheid interpretiert, wonach Vizepremier Vitali Mutko und andere Sportfunktionäre lebenslang für Olympische Spiele gesperrt wurden.

Nur einzelne selbstkritische Stimmen im Chor der Enttäuschten

Schon Tage vor der Entscheidung meldeten russische Medien, es laufe auf eine eingeschränkte Starterlaubnis heraus: für vom Doping saubere Sportler in neutralen Trikots, ohne russische Hymne und Flagge. Dennoch herrschte den ganzen Tag über Nervosität. Vor allem wegen immer neuer Interviews des Wada-Kronzeugen Grigori Rodtschenkows, mit neuen Enthüllungen über den Doping-Alltag der russischen Wintersportler. «Rodtschenkow murkst Russland weiter ab», titelte die Zeitung Sowjetski Sport. Die russische Presse konterte mit Zitaten ausländischer Sportler und Trainer, die sich für die Teilnahme der russischen Mannschaft aussprachen. Aber auch selbstkritische Stimmen wurden laut. So schreibt Julia Kalinina, Redakteurin der Massenzeitung Moskowksi Komsomoljez und selbst Langläuferin: «Wenn unsere Biathleten weiter solch hervorragende Leistungen brächten wie früher, wäre das der beste Beweis, das Rotschenkow lügt.» Aber leider liefen Russlands Biathleten, jetzt wo sie nicht mehr von «vaterländischen sondern von internationalen Kontrolleuren» überprüft würden, allen anderen hinterher. «Ihre schlechten Ergebnisse sind eigentlich nur dadurch zu erklären, dass sie nicht mehr gedopt sind.» Unklar blieb vorerst, ob Russland nun mit einem kompletten Boykott reagieren wird, wie etwa NOK-Chef Alexander Schukow im Vorfeld des Entscheids angekündigt hatte. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, man werde keine Entscheidungen fällen, bevor das Urteil der IOC schriftlich vorliege.

Stefan Scholl, Moskau

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