Staatsbesuch
Die erste Frau an der Spitze eines Landes, das Frauen massiv benachteiligt

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye weilt heute Montag und morgen Dienstag auf Staatsbesuch in der Schweiz. Bundespräsident Didier Burkhalter wird sie am Nachmittag auf dem Bundesplatz mit militärischen Ehren begrüssen. Wer ist die Frau?

Daniel Kestenholz, Bangkok
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Hat sich ihre ersten Sporen als Krisenmanagerin abverdient: Park Geun Hye.keystone

Hat sich ihre ersten Sporen als Krisenmanagerin abverdient: Park Geun Hye.keystone

Im Alter von nur 22 Jahren wurde sie über Nacht ins politische Rampenlicht gestossen. Ein nordkoreanischer Attentäter, der mit einer Kugel ihren Vater ermorden wollte, tötete ihre Mutter. Während fünf Jahren war Park die First Lady von Südkorea – eine Feuertaufe, die sich bei den Präsidentschaftswahlen 2012, die sie gewann, sowohl als Bürde wie auch Vorteil erwies.

Kritiker hielten ihr Nähe zum autokratischen Erbe ihres Vaters vor, einem überzeugten Antikommunisten, der 1961 mit einem Putsch die Macht an sich gerissen hatte und 1979 von seinem Spionagechef ermordet wurde. Park entschuldigte sich für die unter seinem Regime begangenen Menschenrechtsvergehen, und schliesslich war den meisten Wählern Parks Erfahrung in Seouls innersten Machtkreisen wichtiger.

Weg von der Konfrontation

Auch als erste Frau an der Spitze einer Nation, die unter den Industrienationen Frauen noch heute am meisten benachteiligt, bleibt die nördliche Geschwisternation ein Faktor, den Park bei ihren Amtsgeschäften immer im Auge behalten muss. Schon im Wahlkampf hatte sie versprochen, sich nach der konfrontativen Politik ihres konservativen Vorgängers, der auf Distanzierung setzte, Pjöngjang mit einem Prozess der Vertrauensbildung neu anzunähern.

Nordkorea sendet gemischte Signale. In seiner Neujahrsrede vor einem Jahr hatte Jungführer Kim Jong Un Frieden und Annäherung versprochen. Dieses Neujahr reichte er einen weiteren Ölzweig, doch im Norden rumort es, immer wieder flammt Kriegsrhetorik auf. Vielleicht hat gerade ihre tragische politische Familiengeschichte Park dermassen belastbar gemacht, dass sie sich nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Der Norden hatte Tage vor Parks Amtseinsetzung im Februar 2013 seinen dritten Atomtest gezündet, daraufhin die Waffenruhe von 1953 aufgekündigt, mit stärkeren Raketen und neuer Plutonium-Anreicherung gedroht und die gemeinsam mit dem Süden betriebene Industriezone Kaesong geschlossen.

Park bewahrte kühlen Kopf. Im August war der Spuk vorbei und Park hatte sich ihre ersten Sporen als Krisenmanagerin abverdient, während die schon fast rituellen Provokationen des Nordens seither deutlich abgenommen haben. Halfen die innerkoreanischen Spannungen früheren Präsidenten auch, von hausgemachten Problemen abzulenken, reagiert Park auf die Verlangsamung der viertgrössten Volkswirtschaft Asiens mit der Zerschlagung der riesigen Chaebol-Konglomerate in kleinere, kreativere Unternehmen, die agiler auf globale Markteinflüsse reagieren können.

«Ein Sprung nach vorn»

Parks Ziel bleibt die Wiedervereinigung mit dem Norden, was Seoul zufolge fast 600 Milliarden Dollar kosten würde. Die jüngere Bevölkerung ist wenig begeistert über das Projekt, doch Park ist überzeugt, ein geeintes Korea würde nicht nur die Militärausgaben drastisch senken, auf Dauer würden die Vorteile die Kosten aufwiegen: «Die Wiedervereinigung», sagte die 61-Jährige unlängst, «wird der koreanischen Wirtschaft zu einem frischen Sprung nach vorn verhelfen und grosse Vitalität und Energie freisetzen.»