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Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris nimmt unwillige Gesprächspartner in die Zange

Kamala Harris präsentiert sich im Wahlkampf um die Nomination zur demokratischen Präsidentschaftskandidatin als fleischgewordene Alternative zu Amtsinhaber Donald Trump. Die Ex-Staatsanwältin will dem Land wieder Hoffnung geben.
Renzo Ruf, Washington
Die demokratische Senatorin will für das Präsidentenamt kandidieren. (Bild: Gerald Herbert/AP, New Orleans, 19. April 2019)

Die demokratische Senatorin will für das Präsidentenamt kandidieren. (Bild: Gerald Herbert/AP, New Orleans, 19. April 2019)

Kamala Harris ist sich daran gewöhnt, dass Gesprächspartner ihre Fragen nicht beantworten wollen – schliesslich war die Demokratin aus Kalifornien vor ihrem Einstieg in die Politik zwei Jahrzehnte lang als Staatsanwältin tätig. Im Gegensatz zu den meisten Senatoren hat Harris deshalb einen Plan B parat, wenn sie vor laufenden Kameras ein feindselig eingestelltes Regierungsmitglied in die Zange nimmt.

So auch am Mittwoch, als Justizminister William Barr sich den Fragen der Justizkommission der kleinen Parlamentskammer stellte. Harris (53) wollte von ihm wissen, ob das Weisse Haus – sprich Präsident Donald Trump – jemals angeordnet oder suggeriert habe, strafrechtliche Ermittlungen gegen eine bestimmte Person aufzunehmen. Barr druckste ein wenig herum und sagte dann: «Könnten Sie diese Frage wiederholen?», als wolle er Zeit gewinnen. Harris tat wie geheissen, und zwar mit einem fast schon mitleidigen Gesichtsausdruck. Als der Justizminister auch im zweiten Anlauf herumdruckste, unterbrach ihn die Senatorin. Barr gab zurück, er kämpfe mit der Fragestellung. Harris präsentierte ihm daraufhin einige andere Worte, worauf Barr bloss das Gesicht verzog und sagte: «I don’t know», ich weiss es nicht.

So ging es munter weiter. Harris stellte pointierte Fragen, über die politische Instrumentalisierung der Justiz, den Bericht von Sonderermittler Robert Mueller und die Hast, mit der er, Barr, sich dazu entschieden hatte, sämtliche Ermittlungen gegen Trump einzustellen. Und Barr druckste herum, runzelte die Stirn und verhedderte sich in seinen Antworten. Die Demokratin hatte damit erneut einen «viral moment» erschaffen: Das Video ihres Austausches mit Barr, veröffentlicht durch den Parlamentssender C-SPAN, wurde in den ersten 24 Stunden mehr als 3,5 Millionen Mal angeklickt. Solche Publizität kommt der Senatorin höchst gelegen, bewirbt sie sich doch um die Nomination zur demokratischen Präsidentschaftskandidatin – und in einem Feld mit mehr als 20 Kandidatinnen und Kandidaten laufen alle Bewerber Gefahr, in Vergessenheit zu geraten.

Andererseits besitzt die Senatorin das gewisse Etwas, eine Mischung aus Starqualitäten und Intellekt, mit der sie das Fussvolk der Demokraten für sich einnimmt. So strömten kürzlich im Universitätsstädtchen Iowa City gegen 1000 Personen in einen Saal, um Harris sprechen zu hören. Jeder Kandidat, dem es gelinge, ein Jahr vor dem Start der Vorwahlen einen der grössten Säle in Iowa City zu füllen, könne mit sich zufrieden sein, sagte Sue Dvorsky, ehemalige Parteivorsitzende der Demokraten.

In ihrer Präsentation spielt Trump eine zentrale Rolle

Harris präsentiert sich während ihres Auftrittes als fleischgewordene Alternative zum aktuellen Amtsinhaber: Die Tochter einer indischen Krebsforscherin und eines jamaikanischen Wirtschaftswissenschafters, die in Kalifornien und Kanada aufwuchs, in Washington und San Francisco studierte und sich anschliessend als Staatsanwältin ihre Sporen abverdiente. Und obwohl sie es vermeidet, Trump beim Namen zu nennen, spielt der Präsident in ihrer Präsentation eine zentrale Rolle. So spricht sie darüber, dass Amerika im Wahljahr 2020 an einer Wegscheide stehe – und dass der Weg, den sie gehen wolle, in ein Land führe, in dem drängende Probleme wie Rassismus oder wirtschaftliche Ungleichheiten nicht mehr unter den Teppich gewischt würden. Harris siedelt sich am linken Flügel ihrer Partei an.

Brüche sind aber auch in der Karriere von Harris zu finden. So ging sie früher beispielsweise gegen die Eltern von Schulschwänzern mit Geldbussen vor. Solche Positionsbezüge sind in der modernen Demokratischen Partei höchst unpopulär. Harris sah sich deshalb jüngst gezwungen, sich davon zu distanzieren.

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