Jesuiten-Orden
Die Jesuiten: Einst als «Stosstrupp» des Papstes gefürchtet

Der Jesuiten-Orden, dem Papst Franzsikus angehört, war elitär, intellektuell, gut organisiert und gesellschaftlich ziemlich unsichtbar und damit Freiwild für Verschwörungstheoretiker. In der Schweiz wurde das Jesuitenverbot erst 1973 aufgehoben.

Christoph Bopp
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Vom Orden der Jesuiten: Papst Franziskus. key

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Gegründet wurde die Societas Jesu, die Gesellschaft Jesu, 1534 in Paris durch Ignatius von Loyola (1491–1556), einem spanischen Adligen. Der Mann war auf der Sinnsuche, hatte einiges hinter sich und war schliesslich auf den religiösen Weg eingebogen.

Seine selbst erprobte Lebenspraxis der «Exerzitien» hat eine starke Anziehungskraft auf junge Menschen, vorwiegend männlichen Geschlechts, die eher Schlendrian und Müssiggang zugetan wären, in ihrer Brust aber eine andere Seele fühlen, die sie zu Effizienz und Leistung treibt. Nur pedantische Vorschriften, rigorose Tagesplanung und durchorganisierte geistige Betätigung können sie retten.

Strenge Schulen für scharfe Denker

Methoden solcher Art sind nicht lustig, aber oft erfolgreich. Der Jesuitenorden verlegte sich schon bald auf die Bildung; seine Schulen waren fortschrittlich und gut. Der Ordensgründer selbst regte an, dass neben der Theologie auch Logik und Mathematik gepflegt werden sollten.

Und natürlich durfte die Beschäftigung mit den Dichtern und Denkern des klassischen Altertums nicht fehlen.

Die berühmtesten Zöglinge jesuitischer Bildungsinstitutionen neben anderen Geistesgrössen waren Descartes (1596–1650) und Voltaire (1695–1778). Diese Männer der Vernunft und des klaren Denkens durchliefen eine harte Schule.

Nach der Reformation entwickelte sich der Jesuitenorden zur «intellektuellen Speerspitze des Papstes». Seine Bildungsinstitutionen allerorts sollten sicherstellen, dass gut-katholischer Nachwuchs vorhanden war.

Streiter für den Obskurantismus

Fortschrittliche Geister, darunter auch aufgeklärte gekrönte Häupter, fürchteten deshalb die Jesuiten bereits vor der Französischen Revolution. Man sah sie als «Undercoveragenten» und «theologischen Stosstrupp» des Papstes in den Kulturkämpfen.

So soll der unsympathische «schwarze» Monostatos in Mozarts «Zauberflöte» für die Jesuiten stehen. Und Thomas Mann zeichnete in seinem «Zauberberg» mit dem konvertierten Juden Naphta ein besonders abschreckendes Gegenbild zum aufgeklärten Humanisten Settembrini.

Papst Clemens XIV. musste 1773 auf starken politischen Druck hin den Orden aufheben, erst 1814 wurde er durch Pius VII. wieder zugelassen.

Schuld am Schweizer Bürgerkrieg

Der schlechte Ruf blieb den Jesuiten bis Mitte des 19. Jahrhunderts. So spielt die Berufung des Ordens durch den Kanton Luzern an die Hochschulen eine wichtige Rolle vor dem Sonderbundskrieg. Die fortschrittlichen Kantone sahen dies als Provokation und verlangten die Entfernung dieses Symbols des «rückständigen Katholizismus».

Luzern weigerte sich, die Folgen sind bekannt. Das Jesuitenverbot wurde in der Schweiz erst 1973 aufgehoben.