Europa-Park
Die kommenden Chefs des Europa-Parks möchten noch einen Wasserpark bauen

Im Europa-Park Rust steht eine Stabsübergabe an: Michael und Thomas Mack übernehmen von ihrem Vater Stück um Stück das operative Geschäft des berühmten Freizeitparks. Doch noch hat der Vater das letzte Wort.

Christian Dorer, Rust (D)
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Michael und Thomas Mack, die kommenden Chefs des Europa-Parks.

Michael und Thomas Mack, die kommenden Chefs des Europa-Parks.

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Die neunte Generation schläft, während die achte ihre Zukunftspläne erläutert. Die Brüder Michael und Thomas Mack, 34 und 31, haben am Mittwochabend vier Schweizer Journalisten eingeladen, um zu erzählen, wie der Generationenwechsel in der Chefetage des Europa-Parks vonstatten geht. Während dieses ersten gemeinsamen öffentlichen Auftritts schlummert der kleine Paul (2), Michaels Sohn, friedlich im Kinderwagen.

Die Familiengeschichte geht auf das Jahr 1780 zurück: Damals gründete ebenfalls ein Paul Mack einen Handwerksbetrieb für Wagen. Später folgte der Bau von Karussells, 1975 der Europa-Park. Bei den Macks verfliessen Familie und Beruf: Alle wohnen im Park – der Vater und Firmenchef Roland Mack (62) in einem Haus an der Schneewittchenallee, die Söhne in Wohnungen, die diskret in die Hotels integriert sind.

Alle zwei Wochen trifft man sich zum offiziellen «Family-Meeting», quasi der Unternehmensleitungssitzung. Dazwischen wird vieles auf informellem Weg entschieden, trotz der Grösse, die der Konzern inzwischen erreicht hat. Alle Macks beziehen das gleiche Salär – und es gilt die ungeschriebene Regel, dass nie alle gemeinsam wegfahren; mindestens ein Mack ist immer auf Platz. Fragt man die beiden Junior-Chefs jedoch, wer das letzte Wort hat, dann kommt es wie aus der Pistole geschossen: «Der Vater!»

Der strenge Vater

Die nicht ganz einfache Vater-Sohn-Beziehung hat ebenfalls Tradition in der Familie Mack. Und wenn der Vater auch der Chef ist, so macht das die Sache nicht einfacher. «Ab und zu ein Schulterklopfen wäre schön», sagt Thomas frei heraus, «meistens aber erfahren wir hintenrum, dass er stolz ist auf uns.»

Beide Brüder wurden in der Schweiz ausgebildet – Michael in Basel (Wirtschaft), Thomas in Luzern (Hotelfachschule). Heute leitet Michael unter anderem den Bahn-Bau, Thomas die Gastronomie. Beide übernehmen Stück um Stück mehr Verantwortung. Eben erst hatte ihr Vater während eines Jahres das Präsidium des Weltverbandes der Freizeitindustrie inne, sodass er viel auf Reisen war – ein guter Test, ob es die Söhne auch ohne ihn können.

In strategischen Fragen gibt es immer mal wieder kleinere Generationenkonflikte. So waren es die Jungen, die den Vater davon überzeugten, ein Gourmet-Restaurant zu bauen, eine Disco, die bis 3 Uhr offen hat – und eine Bahn mit Looping. «Dann macht halt!», habe der Vater schliesslich gesagt, «ihr müsst das Ding die nächsten 30 Jahre über warten.»

Ein zweiter Park

Über ihre Zukunftspläne verrät Michael Mack Folgendes: «Wir könnten uns vorstellen, eines Tages neben dem jetzigen Park einen Wasserpark zu bauen.» Denn der Europa-Park habe seine Grösse erreicht: «Sie brauchen schon jetzt zwei Tage, um alles zu sehen.»

Ein Meilenstein in der Mack’schen Familientradition ist die Heirat – dann wird der Firmenanteil überschrieben. Michael ist seit zwei Jahren verheiratet, Thomas hat sich kürzlich verlobt. Trotzdem könnte es noch etwas dauern, bis die beiden die volle Macht übernehmen. Ihr verstorbener Opa jedenfalls hat das operative Geschäft erst mit 85 abgegeben ...