Flucht aus Katalonien
Die nächste Separatistin kommt in die Schweiz

Die Linksrepublikanerin Marta Rovira erschien heute nicht vor Gericht in Madrid. Sie soll die Schweiz als Exil gewählt haben. Bund reagiert zurückhaltend.

Pascal Ritter
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Marta Rovira:

Marta Rovira:

Nun also Marta Rovira. Die Anwältin und ehemalige Abgeordnete der linken Partei Esquerra Republicana (ERC) hat heute erklärt, sie werde der Vorladung der spanischen Bundesstaatsanwaltschaft nicht folgen und sich ins Ausland absetzen. «Der Weg ins Exil ist hart, aber es ist der einzige Weg, meine politische Stimme weiterhin zu erheben», schreibt sie in einem offenen Brief, der auf der Webseite der ERC veröffentlicht wurde.

«Ich kann das Ausmass an Traurigkeit nicht ausdrücken, das ich empfinde, weil ich so viele Menschen, die mich lieben, zurücklassen muss», schreibt sie weiter.

Die spanische Zeitung «El Mundo» berichtet, Rovira reise in die Schweiz, und beruft sich auf justiznahe Kreise.

Bereits am Donnerstag hatte Rovira ihren Rücktritt aus dem katalanischen Regionalparlament bekannt gegeben. Sie und zwei ihrer Parteikollegen, die ebenfalls für heute Freitag vorgeladen waren, wollen so einer Verhaftung zuvorkommen. Die Separatisten verfügen im Parlament über eine knappe Mehrheit.

Der spanische Richter am Bundesstrafgericht Pablo Llarena hat für Freitag insgesamt dreizehn Personen wegen «Rebellion» vorgeladen. Die Politiker sollen auf illegale Weise die Abspaltung Kataloniens aus dem spanischen Staat vorangetrieben haben.

Reist sie auch nach Genf?

Wegen des gleichen Vorwurfes hatte sich schon Anna Gabriel in die Schweiz abgesetzt. Die ehemalige Abgeordnete der antikapitalistischen Candidatura per l’Unitat popular will in Genf ihrem Doktorat nachgehen.

Bei der Einreise Gabriels hiess es vom Bund, es handle sich bei Rebellion um politische Delikte, für welche die Schweiz nicht ausliefere. Mittlerweile ist man beim Bundesamt für Justiz vorsichtiger geworden. «Bei allfälligen Gesuchen betreffend katalanische Politiker und Politikerinnen müsste das Bundesamt für Justiz den Sachverhalt vertieft prüfen und vor allem abklären, ob die den Betroffenen vorgeworfenen Handlungen politische Delikte sind», schreibt Sprecher Folco Galli auf Anfrage.