Die Skandale und Schicksale der Päpste

265 Päpste zählt die Ahnengalerie, einige von ihnen sind bis heute bekannt. Etwa Johannes Paul I., der nach nur 33 Tagen im Amt auf mysteriöse Weise starb.

Simone Hinnen und Flurina Valsecchi
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Johannes Paul II. auf dem Totenbett. Er war der Beliebteste aller Päpste. (Bild: Keystone)

Johannes Paul II. auf dem Totenbett. Er war der Beliebteste aller Päpste. (Bild: Keystone)

In der Kirche ging es – zumindest vor der Reformation – zu und her wie im richtigen Leben, wie Fachleute zu sagen pflegen. Viele traten unter unangenehmen Umständen ab oder machten anderweitig von sich reden. Das zeigen die folgenden Beispiele aus der Ahnengalerie der Päpste:

Der beliebte Papst: Johannes XXIII.

Im Jahr 1958 als «Übergangspapst» angetreten, setzte Angelo Giuseppe Roncalli (1881–1963, Italiener) mit der überraschenden Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils einen tief gehenden Reformprozess der Kirche in Gang. Am 11. Oktober 1962 versammelten sich über 2500 Konzilsväter in Rom. Sein römisch-katholischer Gedenktag ist deshalb auch der 11. Oktober. Die zweite Sitzungsperiode hat Johannes XXIII. nicht mehr erlebt. Wegen seiner Herzlichkeit, Bescheidenheit und Volksnähe wurde er im Volksmund «il Papa buono» (der gute Papst) genannt. Er wurde im Jahr 2000 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Der grausame Papst: Pius V.

Antonio Michele Ghislieri (1504–1572, Italiener) wurde 1566 zum Papst gewählt. Er machte sich vor allem wegen seiner Grausamkeit einen Namen. So unterstützte er die französischen Katholiken in ihrem Kampf gegen die Hugenotten und beeinflusste massgeblich die Gräuel der Bartholomäusnacht, einem Massaker an den französischen Hugenotten, bei dem bis zu 10 000 Menschen starben. Trotzdem galt er als grosser Reformer, der die Kurie und auch andere Schriften überarbeitete und erneuerte.

Der schillernde Papst: Alexander VI.

Rodrigo Borgia (1431–1503) wurde 1492 zum Papst ernannt. Er war nicht nur einer der schillerndsten Päpste, sondern auch ein Renaissancefürst und Machtpolitiker. Er entstammte der für ihren Hang zur Korruption bekannten Fürstenfamilie Borgia. Dem weiblichen Geschlecht war er trotz seiner Kirchenwürden sehr zugetan und verbarg dies auch nicht vor der Öffentlichkeit. Mit Vanozza de Cattanei, der Mutter seiner Kinder Juan, Cesare, Lucrezia und Jofré, lebte er in seiner Zeit als Kardinal etwa 20 Jahre lang zusammen. Es sind legendäre Schilderungen über Orgien an seinem Hof überliefert, die allerdings auch der Fantasie seiner Widersacher entsprungen sein können.

Der Rücktritts-Papst: Coelestin V.

Pietro del Morrone (1209/1210-1296) war Eremit, Gründer des Cölestinerordens und von Juli bis Dezember 1294 Papst. Als ihm die Botschaft von seiner Wahl zum Papst überbracht wurde, verweigerte sich Pietro zunächst und floh, liess sich aber schliesslich unter schweren Bedenken umstimmen und akzeptierte die Wahl. Dem 85-jährigen, unvorbereiteten und wenig gebildeten Einsiedler, der Latein nur aus Bibel und Liturgie kannte, glitt die Herrschaft bald aus den Händen. Am 13. Dezember 1294 dankte er trotz erheblicher Widerstände seiner Umgebung ab.

Der geheimnisumwitterte Papst: Johannes Paul I.

Der Italiener Albino Luciani (1912–1978) war der Sohn eines Arbeiters und Sozialisten und setzte sich schon mit seinem Doppelnamen das Programm, die Arbeit seiner beiden Vorgänger kontinuierlich fortzusetzen. Als erster Papst der Neuzeit (1978 gewählt) verzichtete er auf die traditionelle prunkvolle Krönung mit der Tiara und liess sich mit der Feier einer Messe ins Amt einführen. Luciani gewann durch sein freundliches Auftreten die Sympathien auch bei Nichtkatholiken. Nach einem Pontifikat von nur 33 Tagen starb Johannes Paul I. in der Nacht vom 28. zum 29. September 1978, gerade mal 65-jährig. Eine Obduktion seines Leichnams wurde von seiner Familie und vom Vatikan verweigert. Sein Tod liess zahlreiche Verschwörungstheorien aufkommen, und diese sind bis heute nicht verstummt.

Der Medienpapst: Johannes Paul II.

Karol Wojtyla (1920–2005) war der erste Papst aus Polen und der erste Nicht-Italiener auf dem Stuhl Petri seit 450 Jahren. Mit 104 Auslandreisen setzte er Massstäbe als Oberhaupt der katholischen Weltkirche. Im TV-Zeitalter galt er als genialer «Medienpapst». Gewählt wurde er 1978, mit mehr als 26 Jahren war sein Pontifikat eines der längsten in der Geschichte. 1981 wurde ein Attentat auf ihn verübt, er überlebte schwer verletzt.

Die Päpstin – ein Mythos: Johanna

Gab es sie tatsächlich oder ist alles nur ein Mythos? Die Legende um die Päpstin Johanna (Johannes Anglicus) ist seit dem 13. Jahrhundert überliefert. Die ursprünglichen Formen der Sage berichteten von einer namenlosen Päpstin, die gegen Ende des 11. Jahrhunderts amtiert haben soll. Ihre Existenz ist historisch jedoch nicht belegt.

Der häufigste Name: Johannes

Der am häufigsten gewählte Name ist mit 26 Mal Johannes, der Name kommt auch zwei Mal im Doppelnamen Johannes Paul vor. Die nächsthäufigsten Papstnamen sind Gregor mit 18 Mal, Benedikt mit 18 Mal, Clemens mit 16 Mal.

Begehrtes Amt: Die Gegenpäpste

Die Reihe der Papstmedaillons in der römischen Patriarchalbasilika Sankt Paul vor den Mauern enthält die Porträts von 265 Päpsten. 258 von ihnen amtierten in Rom. Sieben von der gesamten Kirche anerkannte Päpste hatten zwischen 1309 und 1377 ihren Sitz in der französischen Stadt Avignon anstatt in Rom, waren aber von dort aus Bischöfe von Rom. Gregor XI. liess sich schliesslich von Katharina von Siena zur Rückkehr nach Rom überzeugen. Im Schnitt dauerte ein Pontifikat 7,4 Jahre. Je nach Zählweise gab es zwischen 20 und 45 Gegenpäpste. Eingreifende Kaiser oder ein gespaltenes Kardinalskollegium führten immer wieder dazu, dass mehrere Vertreter Gottes auf Erden wandelten.