Kommentar

Das letzte Aufgebot der SPD

Die SPD überrascht: Nicht Olaf Scholz und Klara Geywitz, sondern Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken heisst ihr Spitzenkandidaten-Duo. Ob die beiden neuen Hoffnungsträger den freien Fall ihrer Partei stoppen können, ist jedoch fraglich.

Dominik Weingartner
Hören
Drucken
Teilen
Dominik Weingartner

Dominik Weingartner

Bild: Pius Amrein/Luzerner Zeitung

Ein langwieriger Prozess ist zu Ende: Monatelang haben sich bei den Sozialdemokraten Spitzenkandidaten-Duos auf Bühnen in der ganzen Republik gestritten und um den Vorsitz der ältesten Partei Deutschlands gekämpft. Das Ergebnis ist spektakulär: Die bundesweit eher unbekannten Kandidaten Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken machten das Rennen. Spektakulär ist vor allem die Niederlage von Olaf Scholz, immerhin Bundesfinanzminister und Vizekanzler und damit wichtigster Sozialdemokrat auf Bundesebene. Für ihn ist das Ergebnis ein Desaster.

Die SPD wagt den Sprung ins Unbekannte. Viel zu verlieren haben die Sozialdemokraten nicht mehr. In Umfragen dümpelt die Partei um die 14 Prozent herum. Die SPD hat in den letzten Monaten hilflos mit ansehen müssen, wie die Grünen ihnen den Rang als linke Volkspartei ablaufen. Die Wahl der Parteilinken Walter-Borjans und Esken wirkt wie eine Verzweiflungstat der Parteibasis. Das letzte Aufgebot vor dem endgültigen Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Ob das Rezept hilft, ist fraglich. Die Sozialdemokraten stecken in einem Dilemma. Verlässt die SPD die Regierung mit der Union und kommt es dann zu Neuwahlen, wird sie nicht plötzlich auf wundersame Weise wieder 30 Prozent einfahren. Bleibt sie in der Grossen Koalition, werden viele enttäuscht sein, die das neue Spitzen-Duo unterstützt haben. Hinzu kommt der Zeitgeist, der den Sozialdemokraten in ganz Europa nicht gewogen ist: Die Zeichen stehen auf Grün.

Mehr zum Thema