Revolutionsgarden
Die Streitmacht hinter der Revolution

120 000 Soldaten stark und besser ausgerüstet als die reguläre Armee: Ohne die Revolutionshüter geht im Iran gar nichts.

Martin Gehlen, Tunis
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Iranische Revolutionsgarden an der jährlichen Militärparade.

Iranische Revolutionsgarden an der jährlichen Militärparade.

KEYSTONE

Falls die Amerikaner die Revolutionären Garden zu einer Terrorgruppe deklarieren, «dann setzen wir die US-Armee im Nahen Osten auf eine Stufe mit dem Islamischen Staat», drohte Garden-Kommandant Mohamed Ali Dschafari. Wer ist diese Armee, die derart selbstbewusste Töne in Richtung USA anschlägt?

Irans Revolutionswächter gehören längst zu den etablierten Machtfaktoren der Region. Die 120 000 Aktiven in ihren olivgrünen Uniformen verfügen mit Heer, Luftwaffe und Marine über eine komplette eigene Streitmacht – meist moderner bewaffnet, als das reguläre Militär. Daheim versteht sich diese Prätorianergarde des Obersten Revolutionsführers Ali Chamenei als das militärisch-ideologische Rückgrat der Islamischen Republik, steht kompromisslos hinter dem Regime und kontrolliert zentrale Schalthebel in Wirtschaft und Justiz. Auch an dem internationalen Boykott verdienten die Pasdaran, wie die Revolutionsgarden im Volksmund heissen, durch Tarnfirmen und Schmuggelnetzwerke kräftig mit.

Jenseits der Landesgrenzen operieren die Garden vor allem durch ihre 15 000 Mann starke Al-Quds-Brigade mit dem populären Kommandeur General Qassem Soleimani an der Spitze. Diese Elitetruppe, die von den USA bereits 2007 als Terrororganisation eingestuft wurde, versteht sich als Kern einer künftigen panschiitischen und multinationalen Milizenarmee, die vom Iran, über Irak und Syrien bis in den Libanon reicht.

Wie im Libanon die Hisbollah sollen sich diese Freiwilligenkorps künftig auch in Syrien und im Irak als permanente Gegenspieler von Staat und Armee etablieren und so den Einfluss der Islamischen Republik auf das Innenleben beider Nationen garantieren. Für diese langfristige Dominanz in der arabischen Welt ist Teheran bereit, einen hohen Preis zu zahlen. Mehr als 2000 iranische Soldaten sind bisher im syrischen Bürgerkrieg gefallen, die Hälfte von ihnen gehörte den Revolutionären Garden an. Erst kürzlich trugen Abertausende Menschen in Teheran einen 25-jährigen Gardisten zu Grabe, der vom «Islamischen Staat» gefangen und vor laufender Kamera geköpft worden war.