Vergangenheitsbewältigung
Die USA hadern mit ihrer Geschichte: Jetzt sollen die Symbole der Südstaaten verschwinden

Viele Amerikaner wollen die rassistischen Symbole der Südstaaten loswerden – allen voran deren Flagge, die heute immer noch häufig zu sehen ist.

Renzo Ruf aus Washington
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Hier weht sie noch: Die Südstaatenflagge beim NASCAR-Rennen. Dieses Bild soll es so künftig nicht mehr geben.

Hier weht sie noch: Die Südstaatenflagge beim NASCAR-Rennen. Dieses Bild soll es so künftig nicht mehr geben.

Rob Carr / AP

Jefferson Davis überlebte das Regime, an dessen Spitze er gestanden hatte, um 155 Jahre. In der Nacht auf Donnerstag aber wurde er gestürzt – Demonstranten, die nicht mehr warten mochten, kippten die Statue des ersten und einzigen Präsidenten der abtrünnigen Südstaaten, die 1861 im Streit um die Zukunft der Sklaverei den blutigen amerikanischen Bürgerkrieg angezettelt hatten, in Richmond (Virginia) von ihrem Podest.

Seit zweieinhalb Wochen gehen Aktivisten gegen Polizeigewalt und Rassismus auf die Strasse. Zweifelsohne haben die Demonstranten es geschafft, eine neue Runde in der bereits jahrelang andauernden Debatte über den Umgang mit Geschichte und das Andenken an den Bürgerkrieg (1861 bis 1865) anzustossen.

NASCAR verbannt die Flagge

So gab das Rennsportunternehmen NASCAR vorige Woche bekannt, dass die Südstaaten-Flagge – eine Fahne, die während des Bürgerkriegs von sezessionistischen Truppen hochgehalten wurde – ab sofort während Autorennen nicht mehr toleriert werde. Das ist ein grosser Schritt: NASCAR ist vor allem im Süden und Südwesten Amerikas stark verankert; das «Southern Cross» gehört zu einer NASCAR-Veranstaltung wie das billige Bier und der durchgebratene Hamburger.

Trump will mit allen Mitteln kämpfen

An dieser Debatte, in der Symbolik eine grosse Rolle spielt, beteiligt sich auch Washington. Diese Woche entschied der Verteidigungsausschuss des Senats, dass sämtliche Installationen der amerikanischen Streitkräfte, die nach hochrangigen Südstaaten-Militärs benannt wurden, innerhalb der nächsten drei Jahre durch das Pentagon umgetauft werden müssten. Bereits kündigte Präsident Donald Trump an, dass er diesen Vorstoss mit allen Mitteln bekämpfen werde, nötigenfalls mit seinem Veto gegen den Ausgabenbeschluss der Streitkräfte.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, wie stark sich in den letzten Tagen und Wochen – nach der Tötung der Afroamerikaners George Floyd in Polizeigewahrsam in Minneapolis (Minnesota) – die Grundstimmung in der amerikanischen Bevölkerung geändert hat. So befürwortet nun nur noch eine Minderheit (44 Prozent) die Erhaltung von Südstaaten-Denkmälern. 2017 hatte sich gemäss einer Umfrage noch 52 Prozent der Amerikaner für einen Bestand dieser Statuen ausgesprochen.