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Die USA spielen in Nordsyrien endgültig keine Rolle mehr – Russland übernimmt die Kontrolle

Der russische Präsident Vladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan handeln eine Verlängerung der Waffenruhe ins Syrien aus. Die USA bleiben aussen vor.
Susanne Güsten aus Istanbul
Erdogan und Putin geben sich in Moskau die Hand auf eine Verlängerung der Waffenruhe. (Bild: Keystone)

Erdogan und Putin geben sich in Moskau die Hand auf eine Verlängerung der Waffenruhe. (Bild: Keystone)

Wladimir Putin begrüsste seinen Gast mit einem freundlichen Lächeln. «Kaum sind Sie hier, wird das Wetter schön», sagte der russische Staatschef zum türkischen Staatsschef Recep Tayyip Erdogan, als dieser gestern kurz nach Mittag die Treppe zu Putins Residenz im Schwarzmeer-Badeort Sotschi heraufstieg. Vom Sonnenschein bekamen die beiden Politiker dann anschliessend nicht mehr viel mit. Sechs Stunden lang sassen Putin und Erdogan zusammen und berieten über die Lage in Nordsyrien nach dem türkischen Einmarsch.

Putin setzt Erdogan unter Druck

Danach meldete die russische Seite Erfolge: Die Feuerpause, die gestern Abend enden sollte, werde 150 Stunden oder weitere sechs Tage verlängert, teilte der russische Aussenminister Sergej Lawrow mit. Zudem vereinbarten Russland und die Türkei gemeinsame Patrouillen in der Region.

Schon zu Beginn des Treffens hatte Russland warnende Signale an die türkischen Gäste geschickt. Während Putin den türkischen Staatschef begrüsste, liess das Aussenministerium in Moskau verlauten, der türkische Einmarsch in Syrien verletze die territoriale Integrität des Bürgerkriegslandes.

Auch aus Washington gab es Druck auf die Türkei. Noch während Putin und Erdogan konferierten, gab die mit den USA verbündete syrische Kurdenmiliz YPG – der Gegner der Türkei in Nordsyrien – ihren vollständigen Abzug aus einem rund 100 Kilometer langen Streifen entlang der türkischen Grenze zwischen den Städten Tel Abyad und Ras al Ain bekannt. Die USA liessen verlauten, jeder weitere türkische Vorstoss werde amerikanische Sanktionen gegen Ankara zur Folge haben. Dabei hatte Erdogan vor seiner Reise nach Russland mit einer Fortsetzung des Vorstosses gegen die YPG gedroht.

Die Türkei bekommt ihre «Sicherheitszone»

Für Putin ging es vor allem darum, die türkische Offensive in Syrien zu bremsen und die syrische Regierung – den Partner Moskaus – zu stärken. Dagegen wollte Erdogan grünes Licht aus Moskau, um die geplante «Sicherheitszone» auf mehr als 400 Kilometer zu erweitern. Am Ende der zähen Verhandlungen konnten beide Präsidenten einen Erfolg für die jeweils eigene Sache melden.

Erdogan sprach von einer «historischen Vereinbarung» und von der Rücksiedlung von einer Million syrischer Flüchtlinge, die jetzt bald beginnen solle. Doch er musste auch Federn lassen. Laut der Einigung von Sotschi behält die Türkei die Kontrolle über den Gebietsstreifen zwischen Tel Abyad und Ras al-Ain, aus dem die YPG bereits abgerückt ist. Westlich und östlich dieser Zone sollen ab heute Mittwoch russische Militärpolizisten und syrische Grenzsoldaten sicherstellen, dass sich die YPG auch dort zurückzieht.

Für Moskau und Damaskus ist das ein Erfolg, während die Türkei eine Rolle der syrischen Regierung bei der Grenzsicherung hinnehmen muss. Ursprünglich hatte Erdogan die alleinige türkische Kontrolle über die gesamte 400-Kilometer-Zone angestrebt. Die bekommt er nun nicht. Zudem wird sich die von der Türkei angestrebte «Schutzzone» in den Gebieten westlich und östlich der bisher besetzten Region nur zehn Kilometer tief auf syrisches Gebiet erstrecken – und nicht 30 Kilometer, wie die Türkei das wollte.

Sobald die YPG bis kommende Woche aus den beiden Gebieten abgezogen ist, sollen russische und türkische Truppen die Patrouillen übernehmen. Gleichzeitig will sich Putins Regierung darum bemühen, eine Kooperation zwischen der Türkei und der syrischen Regierung bei der Grenzsicherung zu organisieren.

Die zwei grossen Verlierer vom Dienstag sassen in Sotschi nicht am Tisch. Die YPG hatte sich erst vor wenigen Tagen mit Assads Regierung gegen die Türken verbündet und ist zu schwach, um sich gegen den verordneten Rückzug aus weiteren Gebieten zu wehren. Und die USA sind in Nordsyrien seit Dienstag wohl endgültig aus dem Spiel.

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