Kolumbien
Die Wahl des Staatschef hat Folgen: Was wird aus dem Friedensvertrag?

Der Konservative Iván Duque und der Ex-Guerillero Gustavo Petro müssen in die Stichwahl. Das Ergebnis wird gravierende Folgen für das Land haben.

Annegret Mathari Ben Henda
Merken
Drucken
Teilen
Iván Duque hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Kolumbien gewonnen - weil er aber keine 50 Prozent der Stimmen erreichte, kommt es im Juni zur Stichwahl mit dem Zweitplatzierten.

Iván Duque hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Kolumbien gewonnen - weil er aber keine 50 Prozent der Stimmen erreichte, kommt es im Juni zur Stichwahl mit dem Zweitplatzierten.

KEYSTONE/EPA EFE/MAURICIO DUENAS CASTANEDA

Am 17. Juni haben die Kolumbianer die Wahl: Sie stimmen bei der Stichwahl nicht nur über den künftigen Staatschef ab, sondern auch über die Zukunft des Friedensprozesses in dem einstigen Bürgerkriegsland. Denn Kolumbien ist tief gespalten: Zwischen jenen, die den Friedensvertrag mit den linken Farc-Rebellen für eine Kapitulation vor skrupellosen Schwerverbrechern halten, und jenen, die in dem Abkommen den einzigen Ausweg aus Leid, Tod und Zerstörung sehen. Der künftige Präsident des südamerikanischen Landes wird diesen Riss kitten und die kolumbianische Gesellschaft versöhnen müssen.

Duque von der rechten Partei Centro Democrático erhielt in der ersten Wahlrunde am Sonntag 39,14 Prozent der Stimmen, sein stärkster Konkurrent Petro von der linken Bewegung Colombia Humana kam auf 25,08 Prozent. Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos durfte nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren.

Bei der Abstimmung ging es vor allem um die Zukunft des historischen Friedensabkommens mit der linken Guerillabewegung Farc. Der international bejubelte Friedensprozess ist in dem südamerikanischen Land selbst äusserst umstritten. Duque will den Vertrag in wesentlichen Punkten ändern und könnte die Ex-Rebellen damit zurück in den Untergrund treiben. Petro hingegen will an dem Abkommen festhalten und die Umsetzung beschleunigen.

Friedensprozess bedroht

«Wir sollten solidarisch sein mit den einfachen Rebellenkämpfern, die die Waffen niederlegt haben, aber wir müssen auch sicherstellen, dass die Verantwortlichen keine Verbrechen mehr begehen, die Wahrheit sagen und die Opfer entschädigen», sagte Duque. Schon leichte Veränderungen an dem mühsam ausgehandelten Vertrag dürften die Farc vor den Kopf stossen, die dem Staat bereits jetzt vorwerfen, seine Zusagen nicht einzuhalten.

«Wenn Duque die Wahl gewinnt, gerät der Friedensprozess in ernsthafte Schwierigkeiten», sagt Adam Isacson vom Forschungsinstitut Washington Office on Latin America. «Er will Teile des Friedensvertrags ändern, die für die Farc unverhandelbar sind. Das birgt die Gefahr, dass die ehemaligen Kämpfer in den Dschungel zurückkehren.»

Seit 1964 wurden in Kolumbien bei Kämpfen zwischen der Armee, linksgerichteten Guerillagruppen wie Farc und ELN sowie rechten Paramilitärs mehr als 200 000 Menschen getötet. Etwa sieben Millionen Menschen flohen vor der Gewalt, mehr als 60 000 weitere werden vermisst. Die Regierung und die Farc haben im Herbst 2016 einen Friedensvertrag geschlossen. (sda)