Kolumne

Die Zeit vergeht. Aber das macht nichts

«Mein Bild»: Ein schönes Mutter-Sohn-Bild aus Tokio

Regina Grüter
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Ein schönes Mutter-Sohn-Bild, aber es macht auch nichts, wenn die Kinder grösser werden. Bild: EPA (Tokio, 12. November 2018)

Ein schönes Mutter-Sohn-Bild, aber es macht auch nichts, wenn die Kinder grösser werden. Bild: EPA (Tokio, 12. November 2018)

Da schlägt wohl jedes Mutterherz ein bisschen höher, wenn man Xiang Xiang (links) neben seiner Mutter Shin Shin sitzen sieht. Noch dazu essen sie Bambus, die Riesenpandas. Kitschig, zugegeben, aber schön.

Es gab da noch ein anderes Bild, über das ich hätte schreiben können: Der britische Spielzeugherstellerverband, die Toy Retailers Association, präsentierte am 14. November in London die zwölf Traumspielzeuge für Weihnachten. Top, die Monopoly-Fortnite-Edition nach dem gleichnamigen Videospiel. Puh, schon nicht mehr ganz up to date, denkt man sich. Sohn erwachsen, zwei von drei Göttibuben erwachsen. Der jüngste wäre zwar im richtigen Alter, interessiert sich aber zum Glück nicht dafür. Auch hätte ich mich darüber auslassen können, wie das nervt, dass Unter der Egg in Luzern schon seit Anfang November ein Christbaum steht. Aber eben, die Engländer sind auch nicht besser, auch wenn ich sonst so ziemlich alles mag, was aus London, England, kommt.

Aber irgendwie führen beide Bilder schlussendlich zum gleichen Thema. Und das ist die Zeit, und wie sie vergeht. Und dass das nichts macht. Denn wenn ich Xiang Xiang und Shin Shin so ansehe, denke ich unweigerlich an meinen Sohn und wie sehr ich mich darauf freue, wenn er aus seinem zehnwöchigen Sprachaufenthalt nach Hause kommt. Momentan aber geniesse ich es noch, so frei und unabhängig zu sein. Nein, ich möchte die Zeit nicht zurückdrehen. Jetzt gehen auch die Jungen an Open-Air-Konzerte und bereisen die Welt. Sie spielen Schlagzeug, fahren Auto und säen alles Mögliche aus im Garten. Alles Dinge, die ich nicht kann. Und der Kleinste? Wer kann schon mit seinem 11-jährigen Göttibuben über Old-School-Hip-Hop fachsimpeln? Ich kann das, und das ist einfach grossartig. Das neue Zeugs interessiert ihn kaum, dann schon eher die Gotte. Freundschaften mit jüngeren Menschen halten jung, das sehe ich auch an meinem Mami. Und mein Sohn und ich, wir sind auch Freunde. Solange er mich immer noch ab und zu doppeldeutig «Mini Mama» (er ist ein Kopf grösser als ich) nennt, bin ich glücklich.