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Diese Frau sagt Boris Johnson den Kampf an

Auch die britischen Liberaldemokraten haben eine neue Vorsitzende: Jo Swinson fordert ein neues Brexit-Votum.
Sebastian Borger aus London
Jo Swinson, neue Vorsitzende der britischen Liberaldemokraten. (Bild: Dan Kitwood/Getty)

Jo Swinson, neue Vorsitzende der britischen Liberaldemokraten. (Bild: Dan Kitwood/Getty)

Erstmals in ihrer 160-jährigen Geschichte werden die britischen Liberalen von einer Frau geführt. Bei der Urwahl durch die Mitglieder setzte sich die Schottin Joanne «Jo» Swinson mit 63 Prozent deutlich gegen ihren englischen Mitbewerber Sir Edward Davey durch. Sie werde «alles tun, um den Brexit zu verhindern», sagte die 39-Jährige am Montag nach Bekanntgabe des Ergebnisses.

Die 1988 aus der Fusion von Liberalen und Sozialdemokraten hervorgegangenen Liberaldemokraten, im Volksmund Lib-Dems genannt, sind die dritte Kraft der britischen Politik. Dass sie zuletzt turbulente Jahre erlebten, liegt nicht zuletzt am Mehrheitswahlrecht: Es zielt auf klare Verhältnisse ab und bevorzugt deshalb die beiden grossen Parteien Labour und Torys. Dennoch gelang den Lib-Dems 2010 unter Nick Clegg der Sprung in die Regierung als kleiner Koalitionspartner der Konservativen. Swinson amtierte in dieser Zeit als Staatssekretärin. Bei der darauffolgenden Wahl folgte der Absturz: Statt 57 holten die Lib-Dems nur noch acht Mandate, auch die Schottin verlor ihren Wahlkreis.

Die «Katastrophe des Brexit», so Swinson, hat der Partei neue Kraft eingehaucht. Seit dem Referendum 2016 positionierten sich die pro-europäischen Lib-Dems konsequent als Partei für ein zweites Referendum, holten bei der Europawahl im Mai 20 Prozent und belegten hinter der Brexit-Party, aber vor Labour und Konservativen den zweiten Platz.

Sie hat 10 Downing Street im Visier

Swinson ging nach einem Management-Studium schon früh in die Politik, nach ihrer Wahl war sie 2005 das «Parlamentsbaby». Die mittlerweile verheiratete Mutter zweier kleiner Söhne übernimmt die Partei vom früheren Wirtschaftsminister Vincent Cable (76). Mindestens so wichtig wie der Generationenwechsel ist Swinsons Wahl für die Frauen in einer Partei, die sich lang jeder Quote verweigerte und an einem akuten Frauendefizit litt. Jüngste Weichenstellungen haben dies geändert. In der Europaparlamentsgruppe stehen neun Frauen sieben Männern gegenüber, im Unterhaus sind vier von zwölf Abgeordneten weiblich. Bei einer Nachwahl Anfang August soll die schottische Parteivorsitzende Abgeordnete Nummer 13 werden.

Ihr klarer Kurs in der Brexit-Frage, ihre traditionelle Liberalität bei Bürgerrechten und Minderheitenfragen, ihr Bekenntnis zu Klima- und Umweltschutz hat die Liberaldemokraten in der Gunst der Bürger wieder nach vorn katapultiert. Swinsons Wahl dürfte der Partei einen zusätzlichen Energieschub verschaffen. Frech meldete die vergnügte Schottin unter dem Jubel ihrer Anhänger Ambitionen auf die Downing Street an: «Ich stehe vor Euch nicht nur als Vorsitzende, sondern auch als Premierminister-Kandidatin

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