Boston Marathon
Diese Frau spielt eine Schlüsselrolle in Obamas Kampf gegen Terroristen

Wenige Minuten nach dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon informierte die neue Anti-Terror-Beraterin Lisa Monaco den amerikanischen Präsidenten Barack Obama über die chaotischen Szenen im Zielgelände des weltberühmten Laufs.

Christian Nünlist
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Lisa Monaco stammt aus Boston, der am Montag attackierten Stadt.

Lisa Monaco stammt aus Boston, der am Montag attackierten Stadt.

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Barack Obamas neue Anti-Terror-Beraterin verliess ihr fensterloses Büro im Weissen Haus und verfolgte als wichtigste Beraterin Obamas die aktuellen Entwicklungen im Oval Office in der hektischen Phase, als noch völlig unklar war, was genau im Herzen Bostons geschehen war. Amerikas Krieg gegen den Terrorismus ist derzeit insgesamt Frauensache: Heimatschutzministerin ist Janet Napolitano; seit kurzem steht mit Julia Pierson auch erstmals eine Frau an der Spitze des Secret Service.
Lisa Monaco hat ihren Job erst gerade angetreten, am 15. März, nachdem ihr kontroverser Vorgänger John Brennan zum CIA-Direktor befördert worden war. Der 57-jährige CIA-Veteran Brennan hat Obamas Anti-Terror-Politik wie kein Zweiter geprägt. Er veränderte die amerikanische Anti-Terror-Politik radikal: Weg vom konventionellen Krieg in Afghanistan, hin zum globalen Aufspüren und Eliminieren von Dschihadisten per Mausklick, mithilfe von Drohnen.
Praktikantin bei Bill Clinton
Exakt einen Monat nach Amtsantritt muss sich seine Nachfolgerin Lisa Monaco nun in ihrem ersten grossen Fall bewähren. Der Terror in Boston ist das erste Bomben-Attentat seit dem 11. September 2011 und der erste Terrorakt auf amerikanischem Boden seit dem Amoklauf von Fort Hood. Die 44-jährige Lisa Monaco war seit 2011 stellvertretende Justizministerin gewesen. Die Demokratin studierte Geschichte an der Elite-Uni Harvard und Jus an der Universität Chicago. Ihre eindrückliche Karriere im Justizdepartement prädestinierte sie für einen Top-Job in Obamas Beraterzirkel für aussen- und sicherheitspolitische Fragen, doch in der Öffentlichkeit kennt man Monaco bis heute praktisch nicht.
Aus einem 16-seitigen Fragebogen zuhanden des Geheimdienst-Ausschusses des US-Senats vom März 2011, der Monacos Nominierung zur Vize-Justizministerin bestätigen musste, lassen sich aber spannende Hinweise auf ihre Biografie ablesen. Sie hat im Laufe der Zeit mächtige Freunde gewonnen, darunter den heutigen Vizepräsidenten Joe Biden, der Vorsitzender des Justizkomitees im US-Senat war, als Lisa Monaco dort von 1992 bis 1994 als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitete. An der Uni Chicago hat sie später bei Professor Barack Obama Verfassungsrecht studiert. Während der Semesterferien absolvierte sie Praktika in Washington, zum Beispiel 1995 im Justizdepartement oder ein Jahr später im Weissen Haus von Bill Clinton. 1998 wurde sie Beraterin im Büro von Clintons Justizministerin Janet Reno.
Unter George W. Bush gewann sie für ihre Rolle in der Aufarbeitung des Enron-Korruptionsskandals 2006 die höchste Auszeichnung des Justizdepartements, den Attorney General's Award for Exeptional Service. In der Folge verlagerte sich ihre Arbeit im Justizdepartement in Richtung Geheimdienst, unter FBI-Direktor Robert S. Mueller III. wurde sie 2007 sein Stabschef. In dieser privilegierten Funktion wurde sie eine Schlüsselfigur in Amerikas Anti-Terror-Krieg.
Aufgewachsen am Tatort
Dass ihr erster Fall sie nach Boston zurückführen würde, hätte sich Obamas Anti-Terror-Beraterin wohl nicht gedacht. Lisa Monaco ist mit der Gegend vertraut, sie kam im Februar 1968 in Boston auf die Welt und wuchs in Newton auf, einer noblen Vorstadt östlich von Boston mit stolzer Geschichte bis zurück ins Jahr 1630. Später besuchte sie in Boston die private Mädchenschule Winsor an der Pilgrim Road - bloss rund einen Kilometer entfernt vom Copley Square, wo am Montag die Bomben hochgingen. In der auf der nördlichen Flussseite gelegenen Harvard Universität studierte Monaco später Amerikanische Geschichte und schloss mit magna cum laude ab.
Die erste Hälfte ihres Lebens verbrachte Lisa Monaco also in Boston - sicherlich kein schlechtes Omen für ihren ersten grossen Fall. Allerdings ist unklar, wie lange sie ihren derzeitigen Job überhaupt ausführen wird. Denn Monaco ist seit ein paar Wochen auch im Gespräch für die Nachfolge von FBI-Direktor Robert S. Mueller. Sie wäre die erste weibliche FBI-Chefin in Amerikas Geschichte.