Nordkorea
Dieser Mann soll den Gipfel von Donald Trump und Kim Jong Un retten

Trump schickt einen Profi: Sung Kim, ein ausgewiesener Korea-Fachmann. Er verhandelt nicht zum ersten Mal über Pjöngjangs Atomprogramm.

Fabian Hock
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Von links: US-Präsident Donald Trump, US-Delegationsleiter Sung Kim und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un.

Von links: US-Präsident Donald Trump, US-Delegationsleiter Sung Kim und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un.

Keystone

Nun also doch ein Gipfel. Als hätte es Donald Trumps Absage an Nordkoreas Diktator Kim Jong Un vom vergangenen Donnerstag nie gegeben, macht die US-Regierung vorwärts mit den Vorbereitungen des – nun offenbar doch – anstehenden Gesprächs der beiden Staatschefs am 12. Juni in Singapur. Trump will den Gipfel, aber noch mehr will er, dass Kim ihn noch mehr will.

Diesen Wunsch hat der US-Präsident erfüllt bekommen: Unmittelbar nach seiner Absage an Kim klopfte dieser bei Südkoreas Präsident Moon Jae In an. Beide trafen sich Stunden später persönlich, mit dem Ziel, den USA-Nordkorea-Gipfel zu retten. Ein paar nette Worte an Trump, ein paar nette Worte zurück, und der Gipfel scheint wieder auf der Agenda zu stehen. Auch wenn hier das letzte Wort noch nicht zwingend gesprochen sein muss.

Es wird seriös

Bislang kritisierten Experten den US-Präsidenten dafür, die Erwartungshaltung an das Gespräch mit Kim in unrealistische Höhen zu treiben, sich inhaltlich nicht ausreichend auf den Gipfel vorzubereiten und insgesamt ein dilettantisches Bild im Umgang mit den Nordkoreanern an den Tag zu legen. Dass Trump den Gipfel trotz Absage einfach weiterplanen liess, schien ins Bild zu passen: Am späten Sonntagabend wurde bekannt, dass sich eine weitere US-Delegation auf den Weg in Richtung Nordkorea aufgemacht hat.

Bei Analysten und Korea-Kennern verstummte die Kritik indes in dem Moment, als sie realisierten, wen der US-Präsident da auf die Reise schickte. Denn mit Sung Kim ist gestern ein ausserordentlicher Nordkorea-Kenner im Grenzort Panmunjeom eingetroffen, der nicht zum ersten Mal über Pjöngjangs Atomprogramm verhandelt.

Der heutige US-Botschafter auf den Philippinen wurde 1960 in Südkorea geboren, Anfang der Siebziger kam er in die USA, 1980 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Von 2011 bis 2014 diente Sung Kim als US-Botschafter in Südkorea. Zuvor verhandelte er als US-Sondergesandter der «Sechs-Parteien-Gespräche» von 2008 bis 2011 mit Nordkorea. Dabei kam ihm die Aufgabe zu, ein im Jahr 2007 ausgehandeltes Abkommen zu implementieren, das die Stilllegung nordkoreanischer Nuklearanlagen im Tausch gegen Wirtschaftshilfe der Amerikaner vorsah.

Sung Kim soll nun im Gespräch mit Nordkoreas Vize-Aussenministerin Choe Son Hui einen Weg finden, wie amerikanische und nordkoreanische Vorstellungen hinsichtlich der Abrüstung des Kim-Regimes zusammengebracht werden können.

Inhaltliche Annäherung?

Dass es Erfahrung im Umgang mit Nordkorea braucht, weiss Andreas Schild. Der Schweizer arbeitete von 2001 bis 2004 als Berater eines UNO-Projekts und der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit in Nordkorea. «Dass man nun tatsächlich Leute einsetzt, die etwas von Nordkorea verstehen, ist völlig neu», sagt Schild zur «Nordwestschweiz».

Warum setzt Trump nun plötzlich auf Expertise? Schild ist sicher, dass den Südkoreanern eine wichtige Rolle zukommt. «Südkorea hat grosses Interesse, dass tatsächlich Fortschritte erzielt werden. Und sie wissen genau, dass das nur möglich ist durch kleine Schritte und gute Abstimmung.»

Eine grosse Unsicherheit gibt es jedoch nach wie vor, denn Hardliner im engsten Kreis um Präsident Trump, allen voran Sicherheitsberater John Bolton, scheinen nicht an langfristigen Lösungen interessiert. Sie drängen auf kurzfristige Abmachungen.

Das wird so allerdings nicht funktionieren, meint Schild. «Kim Jong Un hat den Willen zur Öffnung, und er will abrüsten – Aber nur dann, wenn ganz konkrete Bedingungen erfüllt sind. Es braucht einen sehr langfristigen Prozess, zu dem Trump möglicherweise nicht bereit ist.» Überdies habe Trump Mühe mit komplexen, langfristigen Prozessen – «auch wenn diese solide unterstützt würden durch Lokalkenntnisse». In Nordkorea herrsche zudem nach wie vor ein riesiges Misstrauen gegenüber den USA.

Um Illusionen vorzubeugen: Beide Parteien sind in ihren Vorstellungen einer Atomwaffen-freien koreanischen Halbinsel nach wie vor sehr weit entfernt. Die Hoffnung auf einen Durchbruch am (möglichen) Trump-Kim-Gipfel dämpften denn auch Experten gestern in US-Medien – trotz der Einsetzung Sung Kims. Der ehemalige Asien-Direktor des Sicherheitsrates im Weissen Haus, Victor Cha, sagte dem Sender NBC: Im Wesentlichen gehe es darum, ob Nordkorea die Atomwaffen aufgeben wird. «Ich denke, leider ist die Antwort nein.» Dass Nordkorea das Atomprogramm, das es vor 56 Jahren anschob und erst 2017 als Erfolg deklarierte, nun wieder einstampft, «ergibt für mich wenig Sinn», so Cha.

Für Sung Kim geht es also möglicherweise darum, Lösungen unterhalb der von der Trump-Administration angestrebten vollständigen und umgehenden Entwaffnung zu finden. Ob diese vom US-Präsidenten dann auch für gut befunden werden, steht auf einem anderen Blatt.