DISKRIMINIERUNG: Homophobe Gesetze lähmen Afrikas Entwicklung

In vielen Ländern Afrikas ist Homosexualität illegal. Das bremst die Wirtschaft.

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Mitte April: In Zaria im Norden Nigerias stürmen bewaffnete Polizisten ein Motel und verhaften ­ 53 Partygäste. Es sei eine Geburtstagsfeier gewesen, betont deren Anwalt. Doch der Staatsanwalt wirft den Gästen Verschwörung, illegale Versammlung und Zugehörigkeit zu einer verbotenen Gruppe vor: Die Gäste sollen die Hochzeit eines gleichgeschlechtlichen Paares gefeiert haben. Das ist in Nigeria seit 2014 verboten und wird mit 10 bis 14 Jahren Gefängnis bestraft.

In mindestens 32 Staaten Afrikas ist Homosexualität illegal. Damit wollen Afrikas Regime eigenen Angaben nach traditionelle Werte und Familien schützen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall, wie eine Reihe von Studien herausfand: Der Bann für gleichgeschlechtliche Paare bremst nicht nur die Wirtschaftsleistung und die medizinische Versorgung in den betroffenen Staaten. Auch Heterosexuelle, Familien und vermeintlich Unbeteiligte leiden unter den drakonischen homophoben Gesetzen.

Gewalt gegen Frauen und Kinder ist ein häufiges Problem in Staaten mit strengen Antihomogesetzen. «Es gibt definitiv einen Zusammenhang», sagt Harry Dugmore, Direktor des Zentrums für Medizinjournalismus an der Rhodes Universität und Autor der Studie «Diversität in Sexualität». Homophobie sei ein Mechanismus, um ein Patriarchat am Leben zu erhalten.

Als Hochburg der Homophobie gilt Uganda. 2014 trat dort die «Anti-Homosexuality Bill» in Kraft – demnach sollten Schwule und Lesben lebenslang ins Gefängnis. Später erklärte das Verfassungsgericht den Paragrafen zwar für ungültig, doch da war der Schaden bereits angerichtet. «Unsere Buchhalterin ist eine heterosexuelle Frau, die sich für Frauenrechte einsetzt. Nach Inkrafttreten des Antihomogesetzes wurden sie und ihre Familie bedroht», sagt Mutyaba Gloriah von der Organisation «Freedom and Roam Uganda».

Stopp von Entwicklungsgeldern

Ugandas Wirtschaft und Entwicklung habe die «Anti-Homosexuality Bill» ebenfalls geschadet. So habe die Weltbank einen Kredit von 90 Millionen US-Dollar eingefroren. Schweden, Norwegen und die Niederlande stellten ihre Entwicklungshilfe ein. «Die angedrohten Sanktionen hatten grosse Auswirkungen auf Frauen und Kinder, die in puncto Einkommen ohnehin benachteiligt sind», so Gloriah.

Auch für Gesundheitskampagnen fehlten mit einem Schlag die Förderungen . Hinzu komme laut «Diversität in Sexualität», dass Homosexuelle nur selten einen Arzt aufsuchen – aus Furcht vor einem unfreiwilligen Coming-out. «Das hat direkten Einfluss auf die Gesundheit der Gesamtbevölkerung, vor allem was sexuell übertragbare Krankheiten betrifft.» Um ihre Ergebnisse zu untermauern, machten die Autoren von «Diversität in Sexualität» den Gegenvergleich. Ihr Fazit: «Länder, die den Druck auf LGBTI-Gemeinden verringern, können deutliche Erfolge bei der Gesundheit ihrer Gesamtbevölkerung verzeichnen.» (msk)