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Dolce Vita im Straflager: Relaxzonen und Saunas für VIP-Häftlinge in Russland

Fotos eines Hummer schlemmenden Schwerverbrechers aus einer Haftanstalt am Amur haben eine Diskussion über Korruption hinter Gittern ausgelöst. Manche Häftlinge in Russland geniessen Privilegien.
Stefan Scholl, Moskau
Ein Hummer. Bild: Getty

Ein Hummer. Bild: Getty

Es sind Szenen wie aus einem russischen Banditenfilm über die wilden Neunziger. Ein Mann in schwarzer Häftlingskluft, mit rundem Kopf und stechendem Blick schaut kauend in die Kamera. In den Händen hält er einen gekochten Krebs und ein Stück weisses Fleisch, vor ihm stehen Schüsseln mit Salat und rotem Kaviar. Auf anderen Fotos sitzt der Mann in einem Sessel, flankiert von Mitgefangenen, hinter einem mit Speisen beladenen Tisch, er posiert leicht grinsend mit Schaschlik-Spiessen, telefoniert mit einem Handy.

Die Fotos aus dem Jahr 2015, vergangene Woche von der Massenzeitung «Komsomolskaja Prawda» veröffentlicht, haben in Russland einen Skandal entfacht. Weil sie aus der Strafkolonie Nummer 3 im Amur-Gebiet stammen, dessen verschärftes Regime offenbar nicht für alle Häftlinge gilt. Aber vor allem, weil sie Wjatscheslaw Zepowjas zeigen, ein Mitglied der in ganz Russland berüchtigten Zapok-Bande. Diese tyrannisierte von 1998 bis 2010 die südrussische Kleinstadt Kuschtschjowskaja und ermordete dabei 19 Menschen, darunter auch Kinder.

Zepowjas soll Baby auf dem Gewissen haben

Zepowjas wurde 2013 zu 19 Jahren und 8 Monaten verschärfter Haft verurteilt. Aber was sei das für eine Strafe, wenn es ihm hinter Gittern besser gehe, als vielen Menschen in Freiheit, beschwert sich die Zeitung «Moskowski Komsomoljez». «Früher rechnete die Unterwelt im Gefängnis mit Kindesmördern ab. Zepowjas hat ein Baby auf dem Gewissen, auch wenn er behauptet, er habe das kleine Mädchen nicht verbrannt, sondern nur daneben gestanden. Warum hat man ihn im Gefängnis nicht ‹angemessen› empfangen?»

Der Kriminelle und seine Anwälte behaupten, die Fotos seien ein Fake, dahinter stecke seine Ehefrau, die es auf sein Vermögen abgesehen habe. Die Exfrau wiederum erklärte der BBC, Zepowjas hätte ihr und den gemeinsamen Kindern die Fotos selbst geschickt. Und sie habe allein 2017 umgerechnet knapp 43 000 Euro für seinen Unterhalt im Gefängnis ausgegeben.

Die Justizvollzugsbehörde des Gebiets Amur bezeichnete die Fotos als echt. Das regionale Ermittlungskomitee hat ein Strafverfahren gegen die Verantwortlichen in der Strafkolonie gestartet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft empfing Zepowjas häufiger Besuch als erlaubt, benutzte gegen alle Vorschriften ein Handy und mehrere SIM-Karten, bewegte sich auch in den Diensträumen der Kolonie frei. Ein ehemaliger Mitgefangener sagte «Moskowski Komsomoljez», Zepowjas habe offenbar eigene Räumlichkeiten bewohnt, normale Häftlinge hätten ihn kaum zu Gesicht bekommen.

Relaxzonen und Saunas für VIP-Häftlinge

Es gilt als offenes Geheimnis, dass korrupte Aufseher in russischen Gefängnissen Häftlingen für Geld Rauschgift oder Mobiltelefone besorgen, letztere dann oft beschlagnahmen und wieder verkaufen. Aber Privilegien, wie Zepowjas sie genoss, sind nur sehr reichen Sträflingen vergönnt. «Wenn du genug Geld hast, kannst du auch im Straflager jede Frage entscheiden», sagt Sergei Babinjez, Chefermittler der Gefangenenrechtsorganisation «Komitee gegen Folter» unserer Zeitung. «Uns sind eine Menge Gefängnisse bekannt, die ihre eigenen Relaxzonen oder Saunas für die Anstaltsleitung, aber auch für VIP-Häftlinge besitzen – gebaut von einfachen Strafgefangenen». Mit Plasma-Fernsehern, Kühlschränken und Thermofenstern ausgestattete Luxus-Zellen seien ebenfalls keine Seltenheit.

Dabei gibt der Staat für die Tagesration eines Durchschnittshäftlings nur einen knappen Euro aus. «Von 2000 Häftlingen leben 1000 nur von Kartoffelsuppe», erklärt Alexei Fedjarjow, Jurist der Stiftung «Russland hinter Gittern». «Andere bekommen von Verwandten Lebensmittelpakete. 15 bis 20 aber sitzen im Gefängnis wie in den Villen an der Moskauer Millionärsmeile Rubljowka.»

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