USA
Donald Trump ist wütend – ganz besonders auf seine eigene Partei

Der Republikaner wirft der Parteiführung vor, sie wolle seine Nomination mit allen Mitteln verhindern.

Renzo Ruf, Washington
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Donald Trump moniert, dass man ihn mit unfairen Mitteln stoppen möchte.

Donald Trump moniert, dass man ihn mit unfairen Mitteln stoppen möchte.

Keystone

Donald Trump kochte vor Wut. In einem Interview im Frühstücksprogramm des Nachrichtensenders «Fox News Channel» beklagte sich der republikanische Präsidentschaftskandidat bitterlich über die angeblichen Manipulationen bei der Auswahl der Parteitagsdelegierten.

Vorwahlen: Zwischenstand bei den Republikanern

Gemäss dem Politologen Josh Putnam ist Donald Trump derzeit im Besitz von 757 Delegiertenstimmen. Ted Cruz bringt es auf 527, und John Kasich, Gouverneur von Ohio, auf 144 Stimmen. Rund 200 weitere Delegiertenstimmen gingen an Kandidaten, die sich nicht mehr im Rennen befinden.

Am Parteitag in Cleveland muss ein Republikaner mindestens 1237 Delegiertenstimmen gewinnen, um zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner nominiert zu werden. (rr)

Jüngstes Beispiel dafür, zumindest in den Augen des New Yorker Baulöwen: Am Wochenende ging Trump an einer Parteiversammlung der Republikaner im Bundesstaat Colorado leer aus. 13 Delegierte für den nationalen Parteitag der Republikaner in Cleveland (Ohio) standen zur Wahl und Ted Cruz gelang es, sämtliche 13 Stimmen für sich zu entscheiden. Damit werden mindestens 34 der 37 Delegierten, die im Juli aus Colorado an den Parteitag in Cleveland reisen, Cruz unterstützen. Die übrigen Delegierten wurden zuvor auf lokalen Parteiversammlungen gewählt.

Archaisch und chaotisch

Das Wahlprozedere zur Bestimmung dieser 13 Delegierten wirkte in der Tat ein wenig archaisch und bisweilen chaotisch. Zur Auswahl standen mehr als 600 Kandidaten, die jeweils nur einige wenige Sekunden Zeit hatten, um sich den Tausenden anwesenden Parteimitgliedern vorzustellen. Die Wahlkampfteams verteilten deshalb Merkblätter, um auf bevorzugte Kandidaten aufmerksam zu machen. Die entsprechende Liste von Donald Trump, die anfänglich zirkulierte, war aber mit Fehlern behaftet. So befanden sich auf dem Merkblatt der Name und die Nummer eines Cruz-Delegierten.

Das Trump-Lager wiederum wies darauf hin, dass der Wahlzettel an der Parteiversammlung ebenfalls Fehler aufwies. Sauer stiess dem Kandidaten aber auch auf, dass die Republikaner in Colorado darauf verzichtet hatten, ihre Parteitagsdelegierten an der Urne oder an traditionellen Wahlversammlungen zu bestimmen. Auf Twitter schrieb Trump, dass dieses Hinterzimmer-Manöver «grosse Wut» ausgelöst habe. Die Parteiführung der Republikaner in Colorado wies ihrerseits darauf hin, dass die Regeln für die Auswahl der Delegierten im Rocky-Mountain-Staat seit Monaten bekannt seien, und Trump sich nun nicht nachträglich beklagen könne.

Kampf um jeden Delegierten

Die Niederlage von Trump in Colorado ist umso wichtiger, als er im Vorfeld der nächsten Wahlrunde am kommenden Dienstag in New York um buchstäblich jeden Parteitagsdelegierten kämpft. Weil er Angst hat, dass seine Gegner seine Nomination in Cleveland blockieren werden, falls er im ersten Wahlgang nicht über die notwendige absolute Mehrheit an Parteitagsdelegierten verfügt. V

ergangene Woche installierte Trump deshalb einen neuen Wahlkampfberater. Der Mann heisst Paul Manafort und arbeitete auch schon an der Seite des diskreditierten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Manafort warf dem Cruz-Lager am Wochenende vor, es wende «Gestapo-Methoden» an, um Parteitagsdelegierte umzustimmen.