US-Wahlen

Donald Trump steht im Gegenwind

Der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat kämpft mit finanziellen Problemen

Renzo Ruf, Washington
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«Ich will nicht zu viel Geld ausgeben»: Donald Trump im Wahlkampf. CHRIS CARLSON/keystone

«Ich will nicht zu viel Geld ausgeben»: Donald Trump im Wahlkampf. CHRIS CARLSON/keystone

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So sieht moderner Wahlkampf aus: In einer Grundsatzrede hat Hillary Clinton in Columbus (Ohio) das wirtschaftspolitische Programm ihres Kontrahenten Donald Trump in Stücke gerissen. Der Geschäftsmann, dies zeige ein Blick in die Geschichtsbücher, sei getrieben von Egoismus und habe kein Interesse daran, dem gewöhnlichen Amerikaner zu helfen, sagte Clinton. Ganz im Gegenteil: Ein Bericht des renommierten Ökonomen Mark Zandi, der für Moody’s Analytics arbeitet, zeige auf, dass die Umsetzung der Ideen Trumps einen Anstieg der Arbeitslosenquote um bis zu 3 Prozentpunkten zur Folge hätte.

Gleichentags schaltete der Stab der demokratischen Präsidentschaftskandidatin eine Internetseite auf, die einen kritischen Blick auf die Verdienste des Neo-Politikers wirft. Und natürlich veröffentlichte Clinton ein Kurz-Video, in dem Trump als «gescheiterter Geschäftsmann» bezeichnet wird.

Clinton-Kampagne hat genug Geld

Diese Breitseite ist Teil einer koordinierten Attacke, die unter dem Oberbegriff «Trump ist zu gefährlich für Amerika» läuft – und die im Nachgang zum Massaker in Orlando (Florida), auf das der Republikaner mit hetzerischen Aussagen reagierte, Aufwind verspürt. Bereits butterten die Demokraten zwischen 23 und 26 Millionen Dollar in Werbespots, die in politisch besonders umkämpften Staaten wie Nevada, Ohio, Florida, Virginia oder North Carolina ausgestrahlt werden.

Am Geld für diese in der Vergangenheit höchst erfolgreiche Strategie fehlt es nicht. Aktuelle Daten der nationalen Wahlkampfkommission FEC (Federal Election Commission) zeigen auf, dass Clinton Ende Mai 42,5 Millionen Dollar auf der Bank hatte. Hinzu kamen
52 Millionen Dollar, die sich auf den Konten des verbündeten Wahlkampfvehikels «Priorities USA Action» – einem sogenannten Super PAC – befanden.

Im Gegensatz dazu herrschte in der Kasse von Donald Trump Ebbe. Ende Mai waren seine Reserven auf 1,3 Millionen Dollar geschrumpft. Und das Super PAC «Great America», das seine Kandidatur unterstützt, hatte bloss 0,5 Millionen Dollar auf der Bank. Dennoch versicherte Trump am Dienstag seinen Anhängern, es gebe keinen Grund, in Panik auszubrechen. «Ich will nicht zu viel Geld ausgeben», sagte er auf dem Nachrichtensender «Fox News Channel». Deshalb habe er im Mai auch nur 5,6 Millionen Dollar an Spendengeldern gesammelt. Diese Summe beinhaltet ein neues Darlehen Trumps in der Höhe von 2,2 Millionen Dollar. Damit hat der Milliardär nun 45,7 Millionen Dollar in seine Kampagne gesteckt. Für seinen unkonventionellen Wahlkampf, der auf Meinungsumfragen und die Sammlung von Wählerdaten weitgehend verzichtet, reichten diese Mittel aus, sagte Trump.

Die Partei sieht es anders

Die nationale Republikanische Partei ist da anderer Meinung und versucht nun mit allen Mitteln, eine Wahlkampf-Infrastruktur aufzubauen. Immerhin besitzt die Partei Abordnungen in sämtlichen Bundesstaaten, in denen es im kommenden November um die Wurst geht. Im Gegensatz dazu hatte Trump im Mai bloss 69 Angestellte, die mehrheitlich am Hauptsitz in New York tätig waren. (Zum Vergleich: Clintons Wahlkampfstab war im Mai mit 685 Angestellten fast zehnmal so gross.) Und dank einem umsichtigen Kassenwart in der Person von Parteichef Reince Priebus besitzen die Republikaner Geld: Die Partei-Reserven belaufen sich auf fast 20 Millionen Dollar.

Priebus war deshalb auch mitverantwortlich dafür, dass Trump am Montag seinen loyalen Wahlkampfchef Corey Lewandowski abrupt auf die Strasse stellte. Priebus hatte sich darüber beklagt, dass Lewandowski die nahtlose Zusammenarbeit zwischen den beiden Stäben behindere. Dies führte zu einer Aussprache im «Trump Tower» in New York. Drei der vier erwachsenen Kinder des Präsidentschaftskandidaten, die regelmässig an internen Debatten teilnehmen, äusserten sich kritisch über die Arbeit Lewandowskis. Trump habe sich dies lange schweigend angehört, und seinen Adlaten dann gefragt: «Wie sieht dein Plan aus?» Lewandowski, so berichtete der gewöhnlich gut informierte Journalist Gabriel Sherman, habe geantwortet, er wolle den Namen des Vizepräsidentschaftskandidaten einer Medienorganisation zuspielen. Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.