Ausschreitung
Drei Tote bei Krawallen in Birmingham

Am Rande der Krawalle in Grossbritannien sind in der Nacht zum Mittwoch drei Männer ums Leben gekommen. Sie wurden nach Angaben der Polizei bei Ausschreitungen in der zentralenglischen Stadt Birmingham von einem Auto erfasst.

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 Menschen sammeln sich während den Unruhen in Manchester
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Tag 4 der Unruhen in England (9.8.11)
 Polizisten markieren Präsenz in den Strassen Birminghams.
 Mit ihren Hunden ziehen sie durch Birmingham. Im Hintergrund ein brennendes Auto.
 In einem Supermarkt wird ein Plünderer von Polizisten festgehalten
 Auch im Norden Londons gehen die Unruhen weiter: Polizisten nehmen einen Randalierer in Enfield fest
 In Salford, nahe Manchester, liegen ausgebrannte Autos auf der Strasse
 Am späten Dienstagabend brennt ein Miss Selfridge-Shop in der Market Street in Manchester

Menschen sammeln sich während den Unruhen in Manchester

Keystone

Einem Bericht des Radiosenders BBC zufolge waren die Männer kurz vor dem Vorfall aus einer Moschee gekommen und wollten ihre Nachbarschaft während der Unruhen schützen. Die Polizei bestätigte dies zunächst nicht. Ihren Angaben zufolge wurde ein Verdächtiger wegen des Verdachts auf vorsätzliche Tötung festgenommen.

Die Krawalle in Grossbritannien halten die vierte Nacht in Folge an. Während in London ein Grossaufgebot von 16'000 Polizisten für Ruhe sorgte, kam es andernorts zu chaotischen Zuständen.Vor allem Manchester, Wolverhampton, Nottingham, Leicester, Liverpool und Birmingham waren von den Ausschreitungen und Brandstiftungen betroffen.

In Manchester liefen nach Angaben der Polizei hunderte teils maskierte Jugendliche durch das Stadtzentrum, warfen Schaufensterscheiben ein und plünderten Kleidungsgeschäfte sowie einen Elektromarkt. Zudem setzten sie mehrere Gebäude in Brand und schleuderten Wurfgeschosse auf die Polizisten.

Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften im Einsatz. Ein Polizeivertreter sprach von den schwersten Krawallen in Manchester in den vergangenen 30 Jahren. Rund 50 Menschen wurden festgenommen.

Polizeistation angezündet

Im zentralenglischen Nottingham griffen Randalierer eine Polizeistation an und setzten sie mit Molotow-Cocktails in Brand. Verletzt wurde niemand, wie die Polizei mitteilte. Das Feuer konnte später gelöscht werden, 90 Personen wurden festgenommen.

Auch aus West Bromwich nahe der Stadt Birmingham wurden Zusammenstösse gemeldet. Dort errichtete eine Gruppe von rund 200 Menschen nach Angaben der Polizei Barrikaden, zündete Autos an und bewarf Polizisten.

In Birmingham selbst seien Geschäfte angegriffen worden. In der R Region wurden rund 100 Randalierer festgenommen. In Liverpool wurden mehrere Löschzüge der Feuerwehr attackiert. Auch aus Wolverhampton und Leicester wurden Zwischenfälle gemeldet.

In London zeigte das grosse Polizeiaufgebot offenbar Wirkung. Nach drei Nächten mit Plünderungen, Strassenschlachten und Bränden waren dort 16'000 Polizisten auf den Strassen.

Keine Schussabgabe

Auslöser der Unruhen war der Tod eines Mannes, der am Donnerstag bei einem Polizeieinsatz im Londoner Stadtteil Tottenham erschossen worden war. Nach Angaben der unabhängigen Polizeiaufsichtsbehörde IPCC wurden keine Beweise dafür gefunden, dass der vierfache Familienvater Mark Duggan zuvor selber auf die Beamten schoss.

Duggans Familie erklärte daraufhin, sie sei "bitter enttäuscht" über die vorläufigen Ergebnisse und verlange Antworten von den Behörden.