Fernsehauftritt
Edward Snowden im US-Fernesehen: «Ich bin kein Spion der Russen»

Der Mann, der Geheimnisse aus dem Innenleben der NSA verraten hat, tritt zum ersten Mal im amerikanischen TV auf. Im Interview erklärt er, er könne abends «ruhig einschlafen», denn er sei ein Patriot, der sein Land beschützen wolle.

Renzo Ruf, Washington
Drucken
Teilen
NBC-Moderator Brian Williams (links) interviewt Edward Snowden in einem Moskauer Hotel.

NBC-Moderator Brian Williams (links) interviewt Edward Snowden in einem Moskauer Hotel.

Keystone

Da sass er nun: Dunkler Anzug, helles Hemd, die Beine weit gespreizt auf einem antiken Stuhl sitzend. Edward Snowden, 30 Jahre alt, der Auslöser einer der grössten Enthüllungswellen in der Geschichte der USA.

Rund 40 Minuten lang erhielt das amerikanische Fernsehpublikum am späten Mittwochabend die Gelegenheit, erstmals einen genauen Blick auf diesen jungen Spion zu werfen, der vor ziemlich genau einem Jahr die Geheimnisse des militärischen Nachrichtendienstes NSA verraten hatte.

Snowden sass in einem Konferenzraum eines Moskauer Hotels, ihm gegenüber nahm Brian Williams Platz, der normalerweise für den Fernsehsender NBC die Abendnachrichten moderiert.

Jung und von sich überzeugt

Erster Eindruck: Snowden sieht immer noch sehr jung aus, trotz der dramatischen Ereignisse der vergangenen Monate, der Flucht von Hawaii nach Hongkong und dann nach Russland. Kaum beginnt der ehemalige CIA- und NSA-Mitarbeiter aber zu sprechen, mit einem leisen Anflug eines Südstaaten-Akzents, wirkt er überlegt.

Zweiter Eindruck: Der Mann ist von sich selbst überzeugt. Er gebe zu, sagte Snowden, dass er amerikanische Gesetze gebrochen habe. Manchmal habe man keine andere Wahl. Seine Gesetzesverstösse hätten einem guten Zweck gedient, da die Arbeit der NSA-Oberen sich jeglicher Kontrolle durch die Politik entzogen habe. Er könne deshalb nun, wenn er des Nachts seinen Kopf aufs Kissen lege, «ruhig einschlafen». Denn er sei ein Patriot, der sein Land beschützen wolle.

Der Vorwurf, er habe mit seinen Enthüllungen das Leben von amerikanischen Geheimdienstmitarbeitern aufs Spiel gesetzt, wies Snowden zurück. «Auch nach einem Jahr kann die Regierung nicht nachweisen, dass eine einzige Person zu Schaden gekommen ist.»

Kein fairer Prozess

Eine Rückkehr in seine amerikanische Heimat, in der ihm ein Prozess wegen des Verstosses gegen ein altes Spionagegesetz droht, zieht Snowden nicht in Betracht. Diesbezügliche Sticheleien der amerikanischen Regierung lassen ihn kalt. Aussenminister John Kerry könne noch lange schimpfen, er sei ein Verräter und ein Drückeberger, sagte Snowden sinngemäss - er gehe nicht davon aus, dass ihm ein fairer Prozess gemacht würde.

Er kritisierte aber auch sein Gastland, das ihm temporäres Asyl gewährt hat, und die Eingriffe in die Pressefreiheit. Er sei kein Handlanger des russischen Präsidenten Wladimir Putin, sagte Snowden, und habe «keine Beziehungen» zu staatlichen Institutionen. «Ich bin kein Spion» der Russen, bekräftigte Snowden.

Mindestens ein internes E-Mail

Die überraschendste Aussage von Edward Snowden betraf den Vorwurf, er habe nie versucht, die Verfehlungen der NSA-Oberen intern anzuprangern. Es sei dokumentiert, dass er interne Kanäle benutzt habe, um seine Bedenken anzubringen, sagte Snowden. Stimmt, sagte daraufhin NBC-Interviewer Brian Williams den Zuschauerinnen und Zuschauern: Anonyme Quellen in der Regierung hätten bestätigt, dass Snowden mindestens ein E-Mail an die Rechtsabteilung der NSA geschickt habe.

Dieses Eingeständnis ist neu, wie NSA-Enthüller Glenn Greenwald, der während des Interviews ein kurzes Gastspiel gab, am Mittwoch auf Twitter verkündete.