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Nach dem Treffen zwischen Putin und Trump hat Assad in Syrien freie Bahn

Nach dem Gipfeltreffen in Helsinki zwischen US-Präsident Trump und Wladimir Putin ist klar: Die Armee des syrischen Diktators erhält freie Hand.
Michael Wrase, Limassol
Syrische Soldaten halten ein Portrait von Diktator Assad in die Höhe. (Bild: Youssef Badawi/EPA, Daraa, 7. Juli 2018)

Syrische Soldaten halten ein Portrait von Diktator Assad in die Höhe. (Bild: Youssef Badawi/EPA, Daraa, 7. Juli 2018)

Als es auf der Pressekonferenz nach dem Gipfeltreffen von Helsinki um Syrien ging, warf Wladimir Putin Donald Trump einen Fussball zu: «Mehr wirst du von mir nicht bekommen», interpretierten russische Reporter das Geschenk ihres Präsidenten nach der gerade zu Ende gegangen Fussballweltmeisterschaft.

Wochenlang hatten Experten über einen «grossen Deal» spekuliert, den Donald Trump und Wladimir Putin über Syrien abschliessen könnten. Die USA würden Assad als Präsidenten akzeptieren und seiner Armee freie Hand lassen, wenn Putin, der seine «carte blanche» in Syrien längst bekommen hat, im Gegenzug für einen Abzug der Iraner und deren Milizen aus dem Bürgerkriegsland sorgt. Tatsächlich bliebt es in Helsinki bei vagen Absichtserklärungen: Trump schwadronierte, wie sehr ihm die Sicherheit Israels am Herzen liege. Um Iran, deutete er in der finnischen Hauptstadt an, brauche man sich ohnehin bald keine Sorgen mehr machen, weil «die Sanktionen bereits greifen würden und das Land am Kollabieren sei».

Putin liess einen Fox-Reporter mit kalter Miene wissen, dass «Opfer unter der Zivilbevölkerung leider unvermeidlich sind, wenn Krieg geführt wird». Verantwortlich für den hohen Blutzoll seien «Terroristen» – also die Rebellen –, deren Bekämpfung «ein gemeinsames Anliegen» sei. Trump nahm diese zynische Feststellung unwidersprochen hin und lächelte freundlich.

65 Prozent des Landes zurückerobert

Damit war klar, in welche Richtung es in Syrien geht: Die durch massive russische Bombardements unterstützten Assad-Truppen können die «erfolgreiche» Rückeroberung des Landes fortsetzen, ohne von den USA dabei behindert zu werden. Die Führer der Rebellen liess Washington unlängst wissen, dass sie mit amerikanischer Unterstützung nicht mehr zu rechnen hätten.

Gut 65 Prozent des Landes hat Baschar al Assad bereits zurückerobert. Während die syrische Kriegsmaschinerie die Grenze mit Jordanien sichert, finden in Damaskus, Homs und Aleppo wieder Musikfestivals statt. Erdgas wird wieder gefördert. Gegen Ende des Jahres sollen zwischen den grossen Metropolen Syriens wieder Personenzüge verkehren. Bereits im Herbst werden in Damaskus erste Touristengruppen aus Europa erwartet.

In Syrien herrsche «Aufbruchstimmung», behauptete unlängst der Fernsehsender Al Dschasira. Auf allgegenwärtigen Plakaten werde der syrische Präsident als «grosser Sieger» gefeiert. Seine zahlreichen Kriegsverbrechen sind für die USA im Moment kein Thema mehr. Assad gilt plötzlich als «das kleinere Übel». «Monster» sind aus amerikanischer Sicht nur die Iraner. Für ihren Abzug aus Syrien soll Russland sorgen – hoffen die USA, die in Syrien freilich nicht über die Mittel verfügen, um Moskau zur Umsetzung ihrer Forderungen zu zwingen.

Iraner in syrischen Uniformen

Ein iranischer Abzug aus Syrien sei «absolut unrealistisch», stellte Russlands Aussenminister Lawrow vor zwei Wochen klar. Die gut 80000 Soldaten und proiranischen Milizionäre in dem arabischen Land sind fester Bestandteil der syrischen Streitkräfte, die ohne die Unterstützung aus Teheran längst kollabiert wären. Allenfalls auf eine «Einschränkung der iranischen Militäraktivitäten» in Syrien will Russland nach israelischen Medienberichten hinwirken. Doch wer soll überprüfen, ob Teherans Verbände in Syrien tatsächlich einen 50-Kilometer-Sicherheits­abstand zu Israel halten?

Die militärische Präsenz der USA ist auf die überwiegend kurdischen Gebiete im Nordosten Syriens sowie eine Wüstenstellung im Südosten des Landes beschränkt. Gegen einen von Trump gewünschten Abzug der 4000 US-Soldaten wehrt sich das Pentagon beharrlich. In diesem Fall, so amerikanische Generäle, hätten die Iraner, die neuerdings in syrischen Uniformen kämpfen sollen, um unerkannt zu bleiben, endgültig freie Hand.

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