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Ein jüdischer Profi zum Wohle Tunesiens

René Trabelsi ist neuer Tourismusminister seines Landes und das einzige jüdische Kabinettsmitglied in der gesamten arabischen Welt.
Martin Gehlen, Tunis
René Trabelsi, neuer tunesischer Tourismusminister. (Bild: Yassine Gaidi/Getty, Tunis, 12. November 2018)

René Trabelsi, neuer tunesischer Tourismusminister. (Bild: Yassine Gaidi/Getty, Tunis, 12. November 2018)

Der Mann weiss, wovon er spricht. «Das hier ist Tunesien und nicht Deutschland», sagt René Trabelsi und jongliert mit seinem Smartphone in der Hand. «In Tunesien klappt alles nur so ungefähr.» Hier reiche es nicht, einen Brief zu schreiben, und dann laufe die Sache. «Hier muss man ständig hinterher sein.» Seit Jahren organisiert der joviale 55-Jährige, der zwischen Tunis, Paris und Djerba pendelt, als Chef von «Royal First Travel» Reisen in sein Geburtsland. Seit Anfang dieser Woche ist René Trabelsi nun als neuer Tourismusminister Tunesiens im Amt und damit der einzige jüdische Minister in der gesamten arabischen Welt. Er gilt als kompetent und umgänglich und steht im Ruf, etwas bewegen zu können.

Am 14. Dezember 1962 als Ältester von sechs Geschwistern geboren, entstammt er einer wohlhabenden Familie aus Djerba. Vater Perez Trabelsi ist als Leiter der berühmten Ghriba-Synagoge seit langem eine Institution. Das älteste jüdische Gebetshaus in Afrika zieht bei seinem jährlichen Pilgerfest Tausende Besucher aus aller Welt an. In diesem Jahr waren auch 400 Israelis dabei. 1600 Juden leben heute noch in Tunesien, die meisten auf der beliebten Ferieninsel Djerba. Vor zwei Generationen beherbergte die nordafrikanische Nation noch 100 000 jüdische Bürger, die in den Fünfziger- und Sechzigerjahren fast alle nach Frankreich oder Israel auswanderten.

Studium in Frankreich

Auch René Trabelsi ging nach seiner Matura nach Frankreich und studierte Management in Paris. Inzwischen ist der Vater dreier Kinder einer der ganz Grossen im Tourismus­geschäft. Jährlich bringt er 300 000 europäische Ferienkunden nach Tunesien. Die Sicherheit der Touristen hat sich in seinen Augen seit dem Terror-Desaster 2015 im Bardo-Museum und am Strand von Sousse erheblich verbessert. «Unsere Polizei wird in Europa geschult und arbeitet heute viel effektiver», sagt er und lobt, dass die Beamten vor Ort «jetzt weniger dem Zufall überlassen». Dennoch ist die Terrorgefahr keineswegs gebannt, wie kürzlich der Selbstmordanschlag einer 30-jährigen Frau mitten im Herzen der Hauptstadt Tunis zeigte.

2018 war ein gutes Jahre für Tunesiens Tourismusindustrie. Nach Jahren der Flaute hat sie mit fast sieben Millionen Gästen erstmals wieder zurück zu alter Stärke gefunden. Trotzdem braucht das Feriengeschäft dringend frischen Wind. Es ist geplagt von den gleichen Defiziten wie andere tunesische Wirtschaftszweige auch – behäbige Routine, erstickende Bürokratie, unflexible Denk­weise und geringe Motivation.

Mit René Trabelsi, der seinen Amtseid auf die Tora ablegt, werde nun endlich ein Profi Tourismusminister, der die Branche und ihre jahrelangen Blockaden genau kenne, freut sich Mouna Ben Halima, stellvertretende Generalsekretärin des tunesischen Hotelverbandes. «Wir hoffen, dass er neue Ideen und innovative Konzepte entwickelt.» Dass das neue Regierungsmitglied Jude ist, spielt nach ihren Worten keinerlei Rolle. «Für uns ist entscheidend, dass er kompetent und effektiv arbeitet – zum Wohle Tunesiens.»

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