Italien
Ein Knall, viel Staub – und etliche Tränen: Die Reste der Genua-Unglücksbrücke wurden gesprengt

Es war eine Sache weniger Sekunden, Tausende Kubikmeter Stahl und Beton am Freitag zu Fall zu bringen. Beim Einsturz im vergangenen August starben 43 Menschen.

Dominik Straub aus Rom
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Beton und Wasser explodieren in Genua: Das Ende des Morandi-Viadukts.

Beton und Wasser explodieren in Genua: Das Ende des Morandi-Viadukts.

keystone-sda.ch

Um 9.32 Uhr begannen in Genua die Sirenen zu heulen – und fünf Minuten später explodierten mehrere Tonnen Dynamit, die an den tragenden Teilen der Pfeiler 10 und 11 des Morandi-Viadukts angebracht worden waren.

Rund 20 000 Kubikmeter Beton und Stahl stürzten innerhalb von 6 Sekunden in den Talboden des Flusses Polcevera, den die Brücke überquerte. «Es ist alles planmässig abgelaufen», erklärte Genuas Bürgermeister Marco Bucci, der gleichzeitig als Sonderkommissar der Regierung für den Wiederaufbau verantwortlich ist.

Sekundenbruchteile vor der Sprengung schossen von der Fahrbahn riesige Wasserfontänen in die Höhe: Die Verantwortlichen hatten auf und unter der Brücke grosse Wassertanks montiert, die ebenfalls gesprengt wurden. Die Wasserfontänen sollten die Staubentwicklung eindämmen, da in der Brücke auch gefährlicher Asbest verbaut worden war.

Trotz der für die Tausenden von Zuschauern spektakulären Vorsichtsmassnahme war die Baustelle nach der Sprengung der Brücke für längere Zeit in eine grosse Staubwolke gehüllt, die sich danach nur langsam in Richtung des Küstengebirges verzog.

3400 Anwohner evakuiert

Weil die beiden Ost-Pfeiler des Morandi-Viadukts inmitten eines Wohngebiets standen, mussten am frühen Morgen vor der Sprengung 3400 Anwohner evakuiert werden. Sie konnten gestern Abend wieder in ihre Häuser zurückkehren. Etwa 400 gebrechliche Bewohner waren schon am Vorabend in Hotels ausquartiert worden.

In wenigen Sekunden stürzen die mächtigen Pfeiler der Brücke ein.

In wenigen Sekunden stürzen die mächtigen Pfeiler der Brücke ein.

Keystone

Trotzdem verzögerte sich die Sprengung, weil ein Bewohner partout seine Wohnung nicht verlassen wollte. Insgesamt acht Wohnblocks, die direkt unter der Brücke standen, waren in den vergangenen Monaten abgerissen worden. Beim Einsturz der Brücke waren über 250 Personen obdachlos geworden.

Der Einsturz im letzten Sommer:

Etliche der Genuesen, die gestern der Sprengung der Brücke beiwohnten, wurden von Emotionen überwältigt: Das Morandi-Viadukt aus den 60er-Jahren war, obwohl es ästhetisch diskutabel und im Laufe der Jahre immer rostiger geworden war, ein Wahrzeichen der ligurischen Hafenstadt gewesen. «Diese Brücke hatten wir immer vor unseren Augen – und so heruntergekommen sie auch gewesen sein mag, sie war für uns so etwas wie eine Verwandte», erklärte der 85-jährige Anwohner Vincenzo Ciotti. Mit der Sprengung der beiden verbliebenen Pfeiler kann der Bau der neuen Brücke nun richtig beginnen.

Weitere Bilder von der Brückensprengung in Genua:

Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
19 Bilder
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
In wenigen Sekunden stürzen die mächtigen Pfeiler der Brücke ein.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.
Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.

Impressionen von der Sprengung der Morandi-Brücke in Genua.

Keystone

Weitere Bilder vom Einsturz im letzten Sommer:

Die Morandi-Brücke in Genua Während eines schweren Unwetters am 14. August ist die 40 Meter hohe Brücke, auch Polcevera-Viadukt genannt, auf einem etwa 200 Meter langen Stück eingestürzt.
48 Bilder
Etwa 35 Autos und drei Lastwagen stürzten etwa 45 Meter in die Tiefe und wurden teils unter Betontrümmern begraben.
Ein Lastwagen kam kurz vor dem Abgrund zu stehen. Der Chauffeur erlitt einen Schock.
Die Brücke aus der Vogelperspektive: Zum Zeitpunkt der Tragödie waren laut Betreibergesellschaft Bauarbeiten im Gange.
Unter den Opfern sind mindestens drei Minderjährige im Alter von 8, 12 und 13 Jahren.
Bergungsarbeiten.
Ein eindrückliches Bild aus der Vogelperspektive: Ein grosser Teil der Brücke fehlt.
Dieser Lastwagen konnte gerade noch rechtzeitig bremsen.
Retter in den Trümmern: Nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua suchen Feuerwehrleute nach Überlebenden.
Die Brücke stürzte auf rund 200 Meten ein.
Autos stecken in den Trümmern.
Weitere Bilder vom Unglücksort.
Autobahnbrücke in Genua eingestürzt
Die eingestürzte Morandi-Brücke.
Die eingestürzte Morandi-Brücke.
Die eingestürzte Morandi-Brücke.
Die eingestürzte Morandi-Brücke.
Die eingestürzte Morandi-Brücke.
Die eingestürzte Morandi-Brücke.
Die eingestürzte Morandi-Brücke.
Die eingestürzte Morandi-Brücke.
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Die eingestürzte Morandi-Brücke.
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Die eingestürzte Morandi-Brücke.
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Die eingestürzte Morandi-Brücke.
Die eingestürzte Morandi-Brücke.
Die eingestürzte Morandi-Brücke.
Diese Brücke ist eingestürzt.
Diese Brücke ist eingestürzt.
Dieser Lastwagen steht am Abgrund.
Die eingestürzte Morandi-Brücke.
Die eingestürzte Morandi-Brücke.
Die eingestürzte Morandi-Brücke.

Die Morandi-Brücke in Genua Während eines schweren Unwetters am 14. August ist die 40 Meter hohe Brücke, auch Polcevera-Viadukt genannt, auf einem etwa 200 Meter langen Stück eingestürzt.

Keystone