Ein neues Buch, und neue Vorwürfe gegen Präsident Donald Trump: Er spielte die Gefahr des Coronavirus herunter

Der bekannte Journalist Bob Woodward hat ein zweites Buch über Präsident Donald Trump geschrieben, das viel Zündstoff enthält. So räumte Trump offen ein, dass er die Gefahr, die vom Coronavirus ausging, im Frühjahr heruntergespielt habe. «Ich wollte keine Panik verursachen.»

Renzo Ruf aus Washington
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Er hätte es eigentlich besser wissen müssen. Obwohl Bob Woodward bereits in seinem ersten Buch über Donald Trump – im Herbst 2018 auf Deutsch unter dem Titel «Furcht» erschienen – nicht gerade pfleglich mit dem 45. US-Präsidenten umgesprungen war, kooperierte er mit dem legendären «Washington Post»-Journalisten, als dieser sein zweites Trump-Buch in Angriff nahm.

Donald Trump während einer Rede.

Donald Trump während einer Rede.

Bild: Keystone

18 Interviews gab Trump dem Mann, der seit den Siebzigerjahren amerikanischen Präsidenten schlaflose Nächte bereitet; neun Stunden lang liess Woodward den Präsidenten von Dezember 2019 bis Juli 2020 ins Messer laufen, während das Aufnahmegerät lief. (Die meisten Telefongespräche fanden spät am Abend statt, ohne dass die Kommunikationsberater Trumps davon wussten.) Am kommenden Dienstag nun kommt das entsprechende Buch in Amerika in den Handel. Es trägt den passenden Titel «Rage», Wut. Fünf Kernpassagen des 480 Seiten dicken Buches.

1. Trump spielte die Gefahr des Coronavirus herunter

Der amerikanische Präsident sagte am 7. Februar über das Coronavirus: «Das ist tödliches Zeug», weit schlimmer als eine gewöhnliche Grippe, auch weil sich das Virus durch Luft übertrage. Trump tätigte diese Aussage in einem Telefongespräch mit Woodward, nachdem ihn der Nationale Sicherheitsberater Robert O'Brien vor der drohenden Gefahr gewarnt hatte. Öffentlich hingegen gab sich Trump unbesorgt. So behauptete er Ende Februar: «Wir haben es unter Kontrolle» und sagte, das Virus werde bald verschwinden.

Mitte März räumte Trump im Gespräch mit Woodward ein, dass er die Gefahr, die von dem Virus ausging, heruntergespielt habe. «Ich ziehe es immer noch vor, diese herunterzuspielen, weil ich keine Panik verursachen will», sagte er. Das ist zwar nicht ganz neu, aber weil Woodward auch die Tonbänder veröffentlichte, auf denen die Stimme des Präsidenten zu hören ist, dennoch schockierend. Seine Kritiker, zuvorderst der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden, werfen dem Präsidenten nun vor, er habe das Leben von Tausenden von Amerikanern auf dem Gewissen, weil er nicht schnell genug vor den Gefahren der drohenden Pandemie gewarnt habe.

2. Seine Berater zeigten sich besorgt über den Präsidenten

Die Berater des Präsidenten zeigten sich im Frühjahr 2020, als die Pandemie sich gerade an der West- und Ostküste wie ein Wildfeuer verbreitete, besorgt über gewisse Aussagen Trumps in der Öffentlichkeit. So sagte der Immunologen Anthony Fauci dem Präsidenten, er dürfe keine falschen Behauptungen verbreiten, weil er dies später bereuen werde. Hinter vorgehaltener Hand sagte Fauci, das Weisse Haus wirke in der Krise «steuerlos» und Trump interessiere sich nur dafür, wiedergewählt zu werden.

3. Trump liess sich vom nordkoreanischen Diktator einwickeln

Woodward zitiert erstmals aus den mehr als zwei Dutzend Briefen, die sich Nordkoreas Herrscher Kim Jong Un und Amerikas Präsident hin und her schickten. Das Vokabular, auf das der Diktator zurückgriff, ist ausgesprochen blumig: So nennt er Trump «His Excellency», was formal nicht falsch ist, und spricht darüber, wie ein weiteres Treffen zwischen den beiden Politikern Vergleiche zu einem Fantasyfilm wecken würden. Trump wiederum sagt Woodward, er habe Kim umgehend vertraut, so wie man sich auf den ersten Blick verliebe, und der nordkoreanische Herrscher sei «mehr als bloss gescheit». Auch freute er sich darüber, dass Kim ihm Geheimnisse anvertraut habe – zum Beispiel, wie er seinen Onkel umgebracht habe.

4. Der amerikanische Geheimdienst-Zar verdächtigte Trump

Woodward zitiert ausführlich aus Gesprächen mit Dan Coats, von 2017 bis 2019 Koordinator der amerikanischen Geheimdienste, und mit Jim Mattis, dem ersten Verteidigungsminister der Regierung Trumps. Mattis sei häufig in die Washington National Cathedral gefahren, um dort zu beten, weil er Angst vor dem unfähigen Präsidenten gehabt habe. Coats wiederum sei den Verdacht nicht losgeworden, dass der russische Präsident Wladimir Putin ein Druckmittel gegen Trump in der Hand gehabt habe, mit dem er den Amerikaner erpressen könne – weil Trump sich derart willfährig gegenüber Putin gezeigt habe. Entsprechende Nachforschungen waren aber erfolglos.

5. Trump hat kein Verständnis für Afroamerikaner

Woodward unternahm im Juni den Versuch, Trump dazu zu bringen, über seine privilegierte Herkunft zu sprechen und darüber, ob er Verständnis für die aufgebrachten afroamerikanische Demonstranten habe. Vergeblich. Im Juli dann beschwerte sich der Präsident darüber, dass er nicht über mehr afroamerikanische Anhänger verfüge. Er habe Riesiges für schwarze Amerikaner geleistet, sagte er, «und, ganz ehrlich, ich fühle mich nicht geliebt».

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