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«Ein Rassist, ein Betrüger, ein Schwindler»: Michael Cohen rechnet mit Donald Trump ab

Der frühere Anwalt des US-Präsidenten hat mit seinem früheren Boss gebrochen. Nun rechnet Michael Cohen öffentlich mit Trump ab: Vor dem Kongress zeichnete er ein desaströses Bild des mächtigsten Mannes der Welt und erhob schwere Anschuldigungen gegen Trump.
Renzo Ruf, Washington
Dezidiert und deutlich: Michael Cohen, der frühere Anwalt des heutigen US-Präsidenten Donald Trump, während seinen Aussagen vor dem US-Kongress. (Bild: KEYSTONE/AP/ALEX BRANDON)
Michael Cohen, der frühere Anwalt von US-Präsident Donald Trump, nach dem Verlesen seines Eröffnungsstatements. (Bild: KEYSTONE/AP/J. SCOTT APPLEWHITE)
Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez war nur eine von zahlreichen Zuhörenden bei der Anhörung von Michael Cohen vor dem Kongress. (Bild: KEYSTONE/EPA/SHAWN THEW)
Die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit: Michael Cohen, der frühere Anwalt des heutigen US-Präsidenten Donald Trump, schwört vor dem US-Kongress vor der Anhörung. (Bild: KEYSTONE/EPA/SHAWN THEW)
Auch an der New Yorker Börse wird die Anhörung von Michael Cohen mit Interesse verfolgt. (Bild: KEYSTONE/EPA/JUSTIN LANE)
Der frühere Trump-Anwalt Michael Cohen schwört vor seiner Anhörung vor dem Repräsentantenhaus. Anschliessend fällte er ein vernichtendes Urteil über Trumps Charakter. (Bild: KEYSTONE/EPA/SHAWN THEW)
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Ex-Anwalt packt aus und nennt Trump einen Rassisten und Betrüger

Der Kronzeuge der Anklage gab sich wechselweise geläutert und angriffslustig. Stundenlang stand Michael Cohen, der ehemalige Vertrauensanwalt von Donald Trump, am Freitag einem Ausschuss des Repräsentantenhauses als Zeuge zur Verfügung, um den anwesenden Abgeordneten Auskunft über seine langjährige Kooperation mit dem heutigen Präsidenten zu geben. Dabei hielt Cohen mit harschen Urteilen nicht hinter dem Berg. In seiner einleitenden Stellungnahme bezeichnete er Trump als ­Serienbetrüger, der ständig lüge, weil er seine Karriere vorantreiben wolle. Er ­bereue es, dass er ihm dabei behilflich gewesen sei, sagte Cohen. Und er bereue es auch, dass er – Cohen – Straftaten begangen habe, für die er bald eine drei Jahre dauernde Gefängnisstrafe absitzen muss.

Er versuche nun aber, für seine Fehler gerade zu stehen, und deshalb kooperiere er mit den Ermittlungsbehörden, darunter auch der Staatsanwaltschaft in New York, sagte Cohen. Die demokratischen Mitglieder des parlamentarischen Aufsichtsorgans nutzten Cohens Auftritt in erster Linie dazu, den Charakter des Präsidenten weiter anzuschwärzen. So musste der ehemalige Vertrauensanwalt zahlreiche Fragen im Zusammenhang mit den Schweigegeldzahlungen an ehemalige Geliebte Trumps beantworten, die Cohen eingefädelt hatte und für die er später durch den Präsidenten entschädigt wurde. In diesem Zusammenhang präsentierte Cohen dem Ausschuss ­einen Check über 35000 Dollar, der die Unterschrift von Trump trägt und das Datum 1. August 2017.

Auch behauptete Cohen, Trump habe im Wahlkampf 2016 bereits im Frühsommer Kenntnis davon gehabt, dass sich die Internetplattform WikiLeaks im Besitz von E-Mails demokratischer Politiker befinde. Er wisse aber nicht, ob Trump den Inhalt dieser gekannt habe. Die E-Mails waren WikiLeaks gemäss amerikanischen Geheimdiensten von russischen Hackern zugestellt worden; sie sollten in der heissen Phase des Wahlkampfes um das Weisse Haus dazu führen, dass sich die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton massiv in der ­Defensive wiederfindet. Cohen sagte, Roger Stone, Berater der Trump-Präsidentschaftskampagne, habe den heutigen Präsidenten kontaktiert und mit ihm über WikiLeaks gesprochen. Cohen sagte in diesem Zusammenhang auch, er wolle nicht darüber spekulieren, ob Trump fähig gewesen sei, mit einer ausländischen Macht zusammenzuarbeiten, um die amerikanische Präsidentenwahl zu gewinnen. Trump sei aber ein sehr ehrgeiziger Mann und habe stets alles ­darangesetzt, zu siegen. Später sagte ­Cohen allerdings auch, dass Trump seiner Meinung nach nie damit gerechnet habe, als Sieger aus der Präsidentenwahl hervorzugehen.

Ein Idiot, aber kein Betrüger

Die republikanischen Ausschussvertreter wiederum konzentrierten sich darauf, die persönliche Glaubwürdigkeit von Michael Cohen in Zweifel zu ziehen. Unter Federführung von Jim Jordan bezeichneten die Republikaner den ehemaligen Vertrauensanwalt als einen Kriminellen, der das Parlament bereits einmal angelogen habe. So nannte ihn der Abgeordnete James Comer, in einem hitzigen Meinungsaustausch, einen «Betrüger». Dies sei nicht korrekt, gab Cohen zurück. Er sei vielleicht ein Idiot, aber kein Betrüger.

Zweifelsohne versuchte sich Cohen während der Anhörung in ein möglichst gutes Licht zu stellen. Auch behauptete Cohen allen Ernstes, dass er nach dem Wahlsieg Trumps nicht auf einen Job im Weissen Haus aspiriert habe. Er sagte, er habe sein wichtigstes Ziel erreicht, als er zum Vertrauensanwalt des Präsidenten berufen worden sei. Der Abgeordnete Jim Jordan nahm ihm das nicht ab und verglich Cohen mit einem abgewiesenen Liebhaber. Interessant in diesem Zusammenhang war, dass die Republikaner weitgehend darauf verzichteten, den Charakter des Präsidenten zu verteidigen.

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