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Ein Rebell bis zu seinem Tod

Am Samstag ist Senator John McCain 81-jährig gestorben: Der Republikaner war ein Politiker, wie es sie in Washington nur noch wenige gibt: prinzipientreu, eigensinnig und geprägt von Erfahrungen im Vietnamkrieg.
Renzo Ruf, Washington
Zuerst Kriegsheld, dann Senator – und im Herzen stets ein Kämpfer: John McCain. (Gerald Herbert/AP, Davenport, 11. Oktober 2008)

Zuerst Kriegsheld, dann Senator – und im Herzen stets ein Kämpfer: John McCain. (Gerald Herbert/AP, Davenport, 11. Oktober 2008)

Falls es zulässig ist, eine militärische und politische Karriere, die mehr als sechs Jahrzehnte umspannte, auf ein einziges Wort zu reduzieren – im Fall von John McCain lautet dieses Wort «Mave­rick»: Ein Begriff, der nicht zufällig Erinnerungen an den Wilden Westen weckt und heute im übertragenen Sinn für Menschen verwendet wird, die sich nicht in eine Schablone pressen lassen und die bisweilen etwas eigensinnig auf ihre Unabhängigkeit beharren. John Sidney McCain III, wie er mit vollem Namen hiess, war ein solcher Mann. Er liess sich nicht vereinnahmen, weder während seines militärischen noch während seines politischen Weges. Sein einziger Wegweiser, pflegte er zu sagen, sei sein Patriotismus.

Dass er mit dieser Haltung Freund und Feind immer wieder vor den Kopf stiess, ignorierte er geflissentlich. Sein politisches Vorbild sei der ehemalige Präsident Ronald Reagan, schrieb er in seinen Memoiren, die dieses Jahr erschienen und in denen er eine ehrliche Bilanz seiner Laufbahn als Senator aus dem Bundesstaat Arizona zog. «Ich bin ein Reagan-Republikaner, ein Verfechter tieferer Steuern, eines schlankeren Staates, einer freien Marktwirtschaft, des Freihandels, der Abwehrbereitschaft und des demokratischen Internationalismus.»

Fünfeinhalb Jahre in Kriegsgefangenschaft

Dass diese Positionen zuletzt, unter dem Nach-Nach-Nach-Nach-Nachfolger Reagans, selbst in seiner eigenen Partei nicht mehr mehrheitsfähig waren, schien ihm egal zu sein. Man müsse schon «ein Idiot» sein, schrieb er gewohnt scharfzüngig, wenn man ignoriere, dass Kompromisse zum amerikanischen Politiksystem gehörten.

Wie sein Vater und sein Grossvater auch trat der 1936 in der Panamakanalzone geborene McCain als junger Erwachsener der Marine bei – ein Schritt, den er später mit der Familientradition begründete. Er habe gewusst, dass er zu den Streitkräften gehörte, sich gleichzeitig aber vor der Institution gefürchtet, schrieb er. Nach Abschluss der U.S. Naval Academy in Annapolis (Maryland) meldete sich der frisch verheiratete McCain zum Dienst in Vietnam. Dort veränderte sich das Leben des ehrgeizigen Piloten für immer.

Am 26. Oktober 1967, während seiner 23. Mission als Mitglied einer besonders aggressiven Staffel, wurde McCain über einem See in Hanoi abgeschossen. Er fiel in die Hände der Nordvietnamesen, die ihn im Hoa-Lò-Gefängnis in der Hauptstadt einsperrten. Fünfeinhalb Jahre lang verbrachte der schwer verletzte McCain im «Hanoi Hilton», wie der Kerker unter US-Kriegsgefangenen auch genannt wurde – in Einzelhaft und ein ständiges Ziel von Folter und Misshandlung. Psychisch und physisch gebrochen, unterzeichnete er im Sommer 1968 ein Geständnis, in dem er sich als «Luftpiraten» bezeichnete. Eine vorzeitige Freilassung aber lehnte er ab.

Die Freilassung erfolgte schliesslich am 14. März 1973, zwei Monate nach dem Abschluss des Friedensabkommens in Paris, das den Vietnamkrieg formell beendete. Zurück in den USA, liess sich McCain scheiden, trat aus dem Aktivdienst zurück und startete in Arizona, an der Seite seiner zweiten Gattin Cindy, seine zweite Karriere. 1982 wurde er ins Repräsentantenhaus in Washington gewählt, 1986 folgte der Sprung in den Senat.

«Ich hasse es, zu verlieren»

Anfänglich eher unbeliebt, wurde McCain über die Jahre hinweg zu einer Institution in der kleinen Parlamentskammer – ein Mann, der überparteiliche Koalitionen schmiedete, um die Wahlkampffinanzierungsgesetze zu reformieren, die Streitkräfte zu modernisieren oder die diplomatischen Beziehungen mit Vietnam zu normalisieren. Letztlich blieb der medienfreundliche Senator aber immer ein Rebell – dem es nie gelang, die grossen Massen für sich zu begeistern. Im Jahr 2000 scheiterte er während des Präsidentschaftswahlkampfes bereits in den Vorwahlen an George W. Bush. Acht Jahre später wurde er von den Republikanern zwar nominiert – nach acht Jahren Bush im Weissen Haus verspürten die amerikanischen Wähler aber Lust an einer neuen Figur und gaben dem Demokraten Barack Obama den Vorzug. Er sei ein Kämpfer, schrieb McCain später, aber er «hasse es, zu verlieren».

Am Samstag ist John McCain, vier Tage vor seinem 82. Geburtstag, in Arizona an den Folgen eines Gehirntumors gestorben.

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