Italien
Ein wenig Hilfe der Camorra: Beppe Grillos Partei steht unter Mafia-Verdacht

Die Protestbewegung Movimento 5 Stelle («5-Sterne-Bewegung», M5S) von Beppe Grillo steht unter Mafia-Verdacht. Die Staatsanwälte von Neapel ermitteln gegen Giovanni De Robbio, Gemeinderat der Protestbewegung im neapolitanischen Vorort Quarto.

Dominik Straub, Rom
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Seine Bewegung gerät jetzt selber in den Ruch der Mafia: Beppe Grillo. Reuters

Seine Bewegung gerät jetzt selber in den Ruch der Mafia: Beppe Grillo. Reuters

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Boshaft könnte man sagen, Beppe Grillos Protestbewegung Movimento 5 Stelle («5-Sterne-Bewegung», M5S) ist nun ebenfalls eine ganz normale italienische Partei geworden. Also eine Partei, die zumindest auf lokaler Ebene von der Mafia infiltriert worden ist. Die Staatsanwälte von Neapel ermitteln gegen Giovanni De Robbio, Gemeinderat der Protestbewegung im neapolitanischen Vorort Quarto. Er war im vergangenen Juni mit den Stimmen der Camorra gewählt worden und soll danach versucht haben, dem ortsansässigen Clan öffentliche Aufträge zuzuschanzen.

Telefon überwacht

Die Ermittler sind De Robbio im Rahmen einer Telefonüberwachung bei einem mit der Camorra verbandelten Bestattungsunternehmer auf die Schliche gekommen. «Jetzt müssen wir alle in die Wahllokale bringen, auch die Achtzigjährigen, und sie müssen ihr Kreuz beim M5S machen», hatte der Unternehmer in einem abgehörten Gespräch gesagt. Und: «Mit De Robbio haben wir uns verständigt. Wir sind an einen Tisch gesessen und haben über alles gesprochen und verschiedene Dinge vereinbart. Wir haben ihm gesagt, er müsse sich wegen der Wahlen keine Sorgen machen, wir würden ihm helfen.» Tatsächlich hat De Robbio das beste Resultat aller Kandidaten erreicht.

Eigentlich handelt es sich um einen Vorgang, der im Süden Italiens alltäglich ist. Trotzdem beherrscht die Affäre die nationalen Schlagzeilen. Denn es ist das erste Mal, dass gegen einen Exponenten von Grillos Protestbewegung wegen Mafiaverwicklungen ermittelt wird. Für die politischen Gegner ist dies ein gefundenes Fressen: Grillo, der die traditionellen Parteien seit Jahren als mafiös und korrupt beschimpft, wird nun der Doppelmoral bezichtigt: «Wenn gegen die anderen Parteien wegen Mafia ermittelt wird, fordern die ‹Grillini› die Guillotine – und nun werden sie selber der übelsten Machenschaften angeklagt», betonte ein Vertreter des sozialdemokratischen PD von Regierungschef Matteo Renzi.

Keine gute Figur macht auch die Bürgermeisterin von Quarto, Rosa Capuozzo. Sie gehört ebenfalls der Protestbewegung an und war von ihrem mafiösen Gemeinderatskollegen und Parteifreund erpresst worden: Weil sie dessen Camorra-Freunden die gewünschten «Gefälligkeiten» verweigerte, drohte er, einen von ihr illegal vorgenommenen Hausumbau öffentlich zu machen. Weil Capuozzo deswegen nicht zur Polizei gegangen war, wird sie nun von Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano («Gomorrha») zum Rücktritt aufgefordert – andernfalls würde sie zu einem «schwarzen, sechsten Stern der Bewegung». Der Forderung hat sich gestern auch Beppe Grillo angeschlossen, nachdem er sich zunächst mit seiner süditalienischen Bürgermeisterin solidarisiert hatte.

Ob und wie stark die Mafia-Affäre von Quarto die Popularität Grillos beeinträchtigen wird, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Bei den letzten, zum Jahresende 2015 erhobenen Umfragen lag seine Protestbewegung nur zwei Prozentpunkte hinter Renzis PD auf Platz 2.

Bevorstehende Wahlen

Im Juni stehen in mehreren grossen Städten Kommunalwahlen an; vor allem in der Hauptstadt Rom, wo die lokale PD-Sektion wegen ihrer Nähe zum Verbrecherkartell «Mafia Capitale» arg angeschlagen ist, galten die «Grillini» bisher als Favoriten. Grillo schiesst inzwischen zurück und erinnert daran, dass in Italien in den letzten zehn Jahren über hundert vom PD oder seiner Vorgängerparteien geführte Gemeinderäte wegen Mafia-Unterwanderung aufgelöst werden mussten. Und bei der Berlusconi-Partei sieht es kein bisschen besser aus.