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Vermisster Journalist: USA fordern Untersuchung

Nach einer Woche des Schweigens reagiert die US-Regierung auf das mysteriöse Verschwinden des Journalisten Jamal Khashoggi – und erhöht den Druck auf den saudischen Kronprinzen.
Michael Wrase, Limassol
Die jemenitische Journalistin und Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman (Mitte) bei einer Protestkundgebung für den vermissten Journalisten Jamal Khashoggi. Bild: Lefteris Pitarakis/AP (Istanbul, 8. Oktober 2018)

Die jemenitische Journalistin und Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman (Mitte) bei einer Protestkundgebung für den vermissten Journalisten Jamal Khashoggi.
Bild: Lefteris Pitarakis/AP (Istanbul, 8. Oktober 2018)

Erst als die «Washington Post» am vergangenen Montag in einem Leitartikel die US-Regierung aufgefordert hatte, «laut und klar» Stellung im Fall des seit acht Tagen verschwundenen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi zu beziehen, brach die Trump-Administration ihr einwöchiges Schweigen. Er möge die Berichte aus Istanbul nicht, verkündete der amerikanische Präsident, nachdem er von seinen Beratern darüber informiert worden war, dass der prominente Regimekritiker vielleicht ermordet und dessen Leiche vom saudischen Geheimdienst womöglich zerteilt wurde.

«Das ist eine ganz schlimme Geschichte», hat inzwischen auch der Chef im Weissen Haus erkannt. Er hoffe aber, erklärte Trump beschwichtigend, dass sich «das Ganze bald von selbst löst». Damit ist aber vermutlich nicht zu rechnen.

Khashoggi hat saudisches Konsulat nicht verlassen

Khashoggi hat das saudische Konsulat, das er am Dienstag letzter Woche um 13 Uhr Ortszeit besuchte, bisher nicht lebendig verlassen. Das belegen die Aufzeichnungen der um das Gebäude installierten Überwachungskameras und bestätigen auch die Agenten des türkischen Geheimdienstes. Hätte Khashoggi, wie von den Saudis behauptet, das Konsulat «nach kurzer Zeit» verlassen, wäre er am Besucherausgang, wo seine türkische Verlobte fast 24 Stunden auf ihn wartete, mit Sicherheit gesehen worden.

Beobachtet wurden stattdessen 15 «gutgebaute saudische Diplomaten», die mit der in grossen Säcken verpackten «Diplomatenpost» ihre Vertretung in Richtung Flughafen verliessen. Der Inhalt der Säcke durfte nicht inspiziert werden. Auch wenn die Saudis ihre Darstellung täglich bekräftigen, wird sie dadurch nicht glaubwürdiger. Je länger Jamal Kha­shoggi, der im Sommer letzten Jahres sein Heimatland verlassen hatte, verschwunden bleibt, desto grösser wird der Druck auf den Königspalast von Riad, in dem nicht der demente Vater, sondern der als «impulsiv und rachsüchtig» beschriebene Sohn und Kronprinz Mohammed bin Salman, alias «MBS», das Sagen hat.

US-Präsident Trump kann es sich auf Dauer nicht leisten, seine Nahostpolitik auf einen unbeherrschten Jüngling abzustützen, der prominente Dissidenten im Ausland brutal ermorden lässt und auch ansonsten als beratungsresistent gilt. Den vierjährigen Krieg im Jemen hatten die USA bisher ebenso abgesegnet wie die inzwischen gescheiterte saudische Wirtschaftsblockade des Emirats Katar.

«Sein Land in einen Schurkenstaat verwandelt»

Auch die Verhaftung von 15 saudischen Aktivistinnen, die gegen die männliche Vormundschaft protestiert hatten, war für Washington kein Grund für grössere Proteste. Als Kanada daraufhin die Saudis rügte und Riad mit dem Abbruch der Handelsbeziehungen reagierte, blieb Washington stumm. Nach dem Verschwinden von Jamal Khashoggi scheint allerdings auch für die Trump-Administration das Mass des Erträglichen überschritten worden zu sein. Schliesslich war der 59 Jahre alte Dissident kein unbekannter Querulant, sondern ein auch vom politischen Esta­blishment in den USA hoch geachteter Experte und Regime-Insider, mit dem frühere US-Regierungen eng zusammenarbeiteten.

«Mit der Entführung und mutmasslichen Ermordung von Khashoggi hat sich MBS verkalkuliert», glaubt nicht nur der Saudi-Arabien-Experte Bruce Riedel, der zwei Jahrzehnte für die CIA in dem Wüstenkönigreich gearbeitet hatte. «Mit diesem Auftragsmord hat MBS sein Land endgültig in einem Schurkenstaat verwandelt», analysiert die an der London School of Economics unterrichtende Politologieprofessorin Madawi al-Ra­sheed. «Die Welt werde vermutlich niemals erfahren, was am Dienstag letzter Woche im saudischen Konsulat von Istanbul tatsächlich geschehen ist», schreibt die Wissenschafterin in einem Beitrag für den Newsletter «Middle East Eye».

Trotzdem sei durch «diesen schockierenden Skandal» der Ruf des saudischen Kronprinzen für eine sehr lange Zeit nachhaltig beschädigt. Sollte MBS nicht bald zur Aufklärung des Falls Kha­shoggi beitragen, dann sollte der Kongress «als ersten Schritt die Militärkooperation mit dem Königreich suspendieren», forderte die Washington Post in ihrem Leitartikel am Montag.

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