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Eine Geschichte von Verfolgung und Verrat

Minderheit Die Kurden gelten als das grösste Volk ohne eigenen Staat. Die Zahl der Angehörigen wird auf 25 bis 30 Millionen geschätzt. Bezeichnend, dass in den Staaten, in denen die meisten Kurden leben, keine genauen Daten über sie existieren. Sie bilden keine Einheit, sondern gehören verschiedenen sprachlichen, konfessionellen und politischen Gruppen an, die sich zum Teil bekämpfen.

Die meisten Kurden leben in der Region, die vom türkischen Zentralanatolien über Nordsyrien und den Nordirak bis in den Iran reicht. Mit 12 bis 15 Millionen lebt die grösste Gruppe in der Türkei, was rund 20 Prozent der Bevölkerung entspricht. Sechs Millionen leben im Iran, 4,7 Millionen im Irak und über zwei Millionen in Syrien. Grosse Gemeinschaften gibt es auch in Armenien, Aserbaidschan, Deutschland und im Libanon. Das Zusammenleben der Kurden wird geprägt durch Stammesloyalitäten. Die Mehrheit von ihnen sind sunnitische Muslime, doch gibt es unter ihnen auch Christen, Aleviten und Mitglieder anderer Religionsgruppen. Gesprochen wird Kurdisch in teilweise stark unterschiedlichen Dialekten.

«Eine überaus schlechte und böse Lösung»

Die Geschichte des kurdischen Volkes ist geprägt von Verfolgung, Verrat und Massenmord. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem darauffolgenden Zerfall des Osmanischen Reiches schienen die Kurden mit dem Friedensschluss von Sèvres von 1920 ihrem Traum von einer eigenen Staatlichkeit nahe. Doch der Vertrag blieb für sie Makulatur. Im Folgevertrag von Lausanne von 1923 wurden die Kurden nicht einmal mehr erwähnt. Dessen ungeachtet blieb der Traum vom eigenen Staat wach. Lord Curzon, der britische Delegationsleiter in Lausanne, meinte damals, die Minderheitsregelung sei eine «überaus schlechte und böse Lösung, für die die Welt in den kommenden hundert Jahren noch schwer bestraft» würde.

Die nationalen Regierungen jener Länder, in denen Kurden leben, sehen in deren Kampf um Autonomie oder Eigenstaatlichkeit eine Bedrohung der nationalen Einheit. Besonders die Türkei hat die Existenz eine kurdischen Volkes jahrzehntelang verleugnet, nannte die Kurden «Bergtürken». Ihre Sprache wurde verboten und jegliche Autonomiebestrebung unterdrückt. Auf den Aufstand der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 1984 reagierte Ankara mit grosser Härte. In den jahrelangen gewaltsamen Auseinandersetzungen starben über 40000 Menschen. Zuletzt scheiterte 2015 eine Initiative zur Beilegung des Konflikts.

Über 5000 Kurden starben bei Giftgasangriff

Im Iran wurde 1946 eine kurdische Republik zerschlagen; bis heute kämpft dort die Rebellengruppe PJAK für mehr Autonomie. Auch im Irak und in Syrien gab es wiederholt Aufstände.

Im Irak erreichten die Kurden nach dem Golfkrieg 1991 und einem Aufstand gegen Diktator Saddam Hussein weitgehende Eigenständigkeit. Mit der Verfassung von 2005 erhielt ihr Siedlungs­gebiet auch offiziell den Status einer Autonomieregion mit einer eigenen Regierung, einem eigenen Parlament und einem eigenen Haushalt. All dem war allerdings auch einer der grausamsten Angriffe auf das kurdische Volk vorausgegangen, der Giftgaseinsatz gegen das Dorf Halabdscha 1988, bei dem bis zu 5000 Männer, Frauen und Kinder qualvoll starben. (afp/ub)

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