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Eine Hausdurchsuchung und neue Vorwürfe

London Cambridge Analytica kommt nicht aus den Schlagzeilen. Am frühen Samstagmorgen schlossen Abgesandte der britischen Datenschutzbeauftragten eine siebenstündige Durchsuchung der Büroräume der britischen Firma ab. Elizabeth Denham untersucht den Vorwurf, Cambridge Analytica habe «unautorisiert» Daten von rund 50 Millionen Facebook-Kunden erhalten und für kommerzielle Zwecke gebraucht. Dazu gehörte die erfolgreiche Wahlkampagne von US-Präsident Donald Trump.

Zwei frühere Mitarbeiter der Firma, Christopher Wylie und Brittany Kaiser, haben gegenüber dem «Guardian» und dessen Sonntagszeitung «Observer» detaillierte Aussagen zum Geschäftsgebaren der 2013 als Tochter des Marktforschers SCL gegründeten Firma gemacht. Zudem offenbarte sich der vergangene Woche suspendierte CEO Alexander Nix gegenüber Undercover-Reportern des TV-Senders Channel Four.

Der 42-jährige Werbefachmann rühmte sich nicht nur seiner häufigen Begegnungen mit Trump, zu dessen Wahlsieg sein Unternehmen «entscheidend beigetragen» habe. Er beschrieb auch dubiose Methoden zur Beeinflussung von Wahlkampagnen wie Erpressungsversuche bestimmter Kandidaten mit Prostituierten und korrupten Geschäftsangeboten.

Nach der Ausstrahlung entschuldigte sich Nix öffentlich und tat sein Gerede als Prahlerei zur Kundenwerbung ab. Dies bestätigt seine Ex-Mitarbeiterin Kaiser: «Von Alexander weiss man, dass er total übertreibt, um ein Geschäft zu machen.» Nix wolle im wichtigen US-Markt eine bekannte Werbefirma aufziehen; «ob Republikaner oder Demokraten Wahlen gewinnen, ist ihm egal».

Ganz kann das nicht stimmen, jedenfalls hat sich Cambridge Analytica bisher stets für Republikaner eingesetzt, die Mutterfirma SCL wird von Konservativen dominiert. Der rechtskonservative Hedge-Fund-Milliardär Robert Mercer gehört zu den wichtigsten Teilhabern, der frühere Trump-Berater Steve Bannon sass kurzzeitig im Vorstand der Firma. Davor arbeitete Cambridge Analytica für den Chirurgen Ben Carson und den texanischen Senator Ted Cruz, die dem Präsidenten im Vorwahlkampf 2016 unterlagen. Dem «Telegraph» gegenüber äusserten sich Mitglieder beider Wahlkampfteams skeptisch über die britischen Datenanalysten. Deren Erfolgsbeteuerungen hätten sich als «total übertrieben» herausgestellt.

Die britische Wahlkommission geht aber auch Berichten nach, wonach die Firma mit den Brexit-Organisationen zusammengearbeitet habe. Dies wäre brisant, weil die EU-Hasser ohnehin unter dem Verdacht stehen, die strengen Finanzvorgaben im Vorfeld des Referendums ausser Acht gelassen zu haben. Inzwischen ist bekannt geworden, dass sich Nix im Dezember 2016 mit dem Brexit-Vorkämpfer und derzeitigen Aussenminister Boris Johnson traf. Dem Foreign Office zufolge wurde der Termin «aus Versehen» nicht wie vorgeschrieben dem Transparenzregister gemeldet.

Sebastian Borger

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