Paris
Eine «herrliche Parade», doch Luftwaffe, Marine und Armee sind am Anschlag

Präsident François Hollande kündigt am Nationalfeiertag eine Neugewichtung der Militärpräsenz an.

Stefan Brändle, Paris
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Impressionen vom Nationalfeiertag in Paris. Im Bild: Frankreichs Präsident François Hollande.
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Quatorze Juillet: Kampfflugzeuge malen die Trikolore in den Himmel von Paris.
Quatorze Juillet: Kampfflugzeuge malen die Trikolore in den Himmel von Paris.
Impressionen vom Nationalfeiertag in Paris.
Impressionen vom Nationalfeiertag in Paris.
Impressionen vom Nationalfeiertag in Paris.
Impressionen vom Nationalfeiertag in Paris.
Impressionen vom Nationalfeiertag in Paris.
Impressionen vom Nationalfeiertag in Paris.
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Impressionen vom Nationalfeiertag in Paris.
Impressionen vom Nationalfeiertag in Paris.
Impressionen vom Nationalfeiertag in Paris.
Impressionen vom Nationalfeiertag in Paris.
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Nationalfeiertag in Paris

Impressionen vom Nationalfeiertag in Paris. Im Bild: Frankreichs Präsident François Hollande.

Keystone

Die traditionelle Truppenparade des «Quatorze Juillet» wurde für einmal von neuseeländischen Maori-Kriegern angeführt. Der Barfuss-Marsch der tätowierten Ehrengäste sollte versinnbildlichen, dass die französische Armee wie die Republik keinen nationalistischen, sondern einen universellen Anspruch hat.

Der waffenklirrende Umzug über die Pariser Prachtavenue stelle ein «republikanisches Rendezvous» dar, meinte denn auch ein TV-Moderator in der stundenlangen Live-Übertragung auf den wichtigsten Fernsehsendern des Landes. Auch die Linke begeht den auf den revolutionären Bastille-Sturm zurückgehenden 14. Juli mit Inbrunst, und der Sozialist François Hollande zeigte sich stolz, die «herrliche Parade» abzunehmen.

«Ständig am Anschlag»

Weniger herrlich ist bei genauerem Hinsehen der Zustand der Armee. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit erklären Soldaten und Offiziere, die Einheiten seien müde, erschöpft und ausgelaugt von den sich überlagernden Spezialmissionen. Generalstabschef Pierre de Villiers sagt ebenfalls, Luftwaffe, Marine und Armee befänden sich «ständig am Anschlag».

Vor allem die gefährliche Operation Barkhane in den fünf Sahelstaaten Mali, Mauretanien, Tschad, Niger und Burkina Faso absorbiert viel Energie. Die Islamisten wurden zwar 2013 aus ihrem Gottesstaat vertrieben; doch der geplante Rückzug der Franzosen verzögert sich immer mehr. Die in die Wüste geflüchteten Dschihad-Truppen sind in den letzten Wochen sogar wieder aktiver geworden, weshalb die 3500 französischen Elitesoldaten das riesige, brütend heisse Gebiet kaum mehr kontrollieren.

Präsident François Hollande bestätigte am Donnerstag zudem, dass im Irak nicht mehr nur Rafale-Kampfjets, sondern bald auch französische Soldaten am Boden zum Einsatz kommen sollen. Ob es sich dabei wirklich nur um «Militärberater» handelt, wie Hollande meint, wird teilweise bezweifelt. Auf jeden Fall sollen sie die irakische Armee bei der Rückeroberung von Städten wie Mossul unterstützen.

Um etwas Druck von den «Opex», den äusseren Operationen, zu nehmen, hat Hollande schon vor einiger Zeit eingewilligt, dass die französische Operation Sangaris (ursprünglich 2500 Mann) in der Zentralafrikanischen Republik bis zum Jahresende eingestellt wird. In Frankreich selbst will er auch die Operation Sentinelle – sichtbar vor allem als Militärpatrouillen an öffentlichen Orten wie Bahnhöfen und Flughäfen – leicht abbauen. Ihr Bestand soll von 12 000 Mann stufenweise auf 7000 gesenkt werden, erklärte der Präsident.

Ausnahmezustand endet am 26. Juli

Hollande gab ferner bekannt, dass der verfassungsrechtliche Ausnahmezustand, in dem Frankreich seit den Terroranschlägen vom vergangenen November im «Bataclan»-Lokal lebt, am 26. Juli auslaufen wird. Dieser Schritt war nach dem Ende der Fussball-EM und der derzeit laufenden Tour de France erwartet worden. Hollande erklärte zwar, die Terrorgefahr sei «nicht am Abnehmen». Inzwischen habe seine Regierung aber Polizei und Nachrichtendienste verstärkt. Das Antiterrordispositiv bleibe zudem auf der höchsten Alarmstufe.

Diese Vorsichtsmassnahme bedingt eine Neuorganisation der flächendeckenden «Sentinelle»-Mission. Ein Parlamentsbericht hatte ihr bereits eine «beschränkte Wirkung für die nationale Sicherheit» attestiert. Auch General de Villiers räumt ein, die – für die Soldaten oft aufreibende – Dauerwache etwa vor wenig besuchten Kultusstätten, sei «zu statisch». Besser sei es, mit weniger Soldaten «mehr Mobilität und Überraschungscharakter» zu bewirken.

Die aktuellen Engpässe in der französischen Armee sollen ab 2017 sukzessive behoben werden. Unter dem Eindruck der Terroranschläge hatte Hollande selbst eine wehrpolitische Kehrtwende vollzogen und den Abbau der Armeebestände in einem ersten Schritt gestoppt. Insgesamt werden derzeit 15 000 neue Posten besetzt. Auch der Rüstungsetat Frankreichs ist wieder am Steigen begriffen. Hollande begrüsste in seinem TV-Auftritt ausdrücklich, dass Nachbar Deutschland auch wieder grössere Verteidigungsanstrengungen unternehmen will.

32'000 ...

... Soldaten und Soldatinnen der französischen Armee sind gegenwärtig im Dauereinsatz. Das ist auch für die bestandsmässig grösste europäische Berufsarmee nicht leicht zu verkraften.

Die französischen Streitkräfte sind an vielen Fronten engagiert:
- Seit den Terroranschlägen vom Januar 2015 gegen das Satireblatt «Charlie Hebdo» und einen jüdischen Supermarkt läuft die Operation «Sentinelle».
- Nicht minder heikel sind die Missionen im Sahelgebiet sowie in Syrien und im Irak.
- Dazu kommen Beteiligungen an UNO-Missionen im Libanon oder EU-Operationen vor Somalia.
- Tausende von Soldaten sind zudem in afrikanischen, arabischen und deutschen Garnisonen stationiert, ebenso viele in den französischen Überseegebieten.